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Auch Hagenow in ernster Bedrängnis : Drohende Insolvenz der HGL

vom

Die Firma HGL steckt in großen Schwierigkeiten und kämpft ums Überleben. Seit wenigen Tagen gibt es ein Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Amtsgericht Schwerin bestätigt, bereits am 21. Juni wurde ein Beschluss gefasst.

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2013 | 08:05 Uhr

Hagenow/Greven | Die Firma HGL in Greven steckt in großen Schwierigkeiten und kämpft ums Überleben. Seit wenigen Tagen gibt es ein Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Amtsgericht in Schwerin bestätigt, dass ein Eigen- sowie ein Fremdantrag eingegangen sind. Bereits am 21. Juni wurde ein entsprechender Beschluss gefasst, wie SVZ jetzt erfuhr. Damit ist zum einen der Betrieb in Greven mit 120 Mitarbeitern in Gefahr. Auf der anderen Seite steht damit die seit Monaten angekündigte Investition im Bereich Hagenow-Sudenhof auf der Kippe. Dort wollte das Grevener Unternehmen, das sich u.a. auf die Bearbeitung großer Aluminiumteile spezialisiert hat, ein völlig neues Werk hochziehen und auch seinen Standort nach Hagenow verlagern. In dem sollten Baukomponenten für Schienenfahrzeuge, Untergestelle für U-Bahnen und für alles, was der Personenbeförderung dienen kann, gebaut werden. Konkret ging es jetzt um sechs Hallen, um ein Büro- und Sozialgebäude und vor allem um hochmoderne Bearbeitungsmaschinen. Alles in allem stand eine Investitionssumme von 43 Millionen Euro in den Plänen, im ersten Schub geht es um 80 bis 150 neue Arbeitsplätze in Hagenow. Hintergrund war ein über Siemens gesteuerter Großauftrag unter anderem für die Türkei.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde aus Hamburg prüft derzeit, wie das Unternehmen in diese Schieflage gerutscht ist. So viel konnte die Rechtsanwältin aus Hamburg gestern schon sagen: Es gebe erhebliche Schwierigkeiten mit dem Einzug von Forderungen. Dadurch seien Zahlungsschwierigkeiten entstanden. "Ein klassischer Insolvenzgrund", sagte Bettina Schmudde. Die Ursachen dafür seien vielfältig. Ob im Falle von HGL ein Eigenverschulden vorliegt, könne sie noch nicht beurteilen. Der Betrieb in Greven werde aber "im Moment" aufrechterhalten, weil die Auftragslage gut sei. Mitarbeiter bekommen rückwirkend für Mai Insolvenzgeld. Und auch der Juni werde so finanziert.

Oberste Priorität habe es, das Unternehmen dauerhaft zu erhalten. So will die Rechtsanwältin jetzt versuchen, alle offenen Gelder "zusammenzuziehen", damit die Firma wieder zahlungsfähig ist. Bettina Schmudde geht davon aus, dass schon bald klar ist, wie es in Greven weitergeht. Und: Selbst wenn die "Sanierung an einen Dritten übertragen wird, wird der alle Pläne weiter voranbringen". Auch die vorgesehene Erweiterung in Hagenow. Denn die scheine sinnvoll, so Bettina Schmudde. Die Stadt Hagenow will deshalb keine "voreiligen Schlüsse ziehen und erstmal abwarten", sagt Roland Hochgesandt auf Nachfrage. Der stellvertretende Bürgermeister verweist auf das laufende Verfahren. Mal sehen, "wie sich das entwickelt". Erst dann könne man sagen, welche Konsequenzen eine Insolvenz für Hagenow hätte. Nur so viel: "Es wäre schade", wenn HGL doch nicht am Standort investieren würde.

Deutlicher wird da Stadtvertretervorsteher Dietmar Speßhardt. Ihm war das Verfahren noch nicht bekannt. Im Falle einer Insolvenz würde der städtische Haushalt allerdings eine Lücke aufweisen, sagte er auf Nachfrage. Denn für den Grundstückskauf seien Beträge gebucht, die noch ausstehen. Wenn die geplanten Einnahmen wegfallen, "werden wir bei den Ausgaben streichen müssen", so Dietmar Speßhardt. Zudem bleibe Hagenow auf weiteren Kosten sitzen, die in Vorleistung erbracht wurden. Für die Munitionsbergung etwa. Die Stadt habe das Grundstück freiräumen lassen, um es unbelastet übergeben zu können.

Auch im Unternehmen selbst herrscht zumindest an einigen Stellen noch Optimismus vor. Auch wenn mit der SVZ im Moment offiziell niemand reden möchte, so wird intern klar darüber gesprochen, dass man von Siemens im Stich gelassen worden sei. Von Millionen ist die Rede, die angeblich noch ausstehen würden. Das bestreitet Siemens. Sprecher Günter Gaukler zu dem Fall: "Nach unseren Informationen sind wir gegenüber der HGL allen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen."

Viel Zeit für eine Lösung der Probleme bleibt bei dem Grevener Unternehmen nicht, das Insolvenzgeld gibt es nur drei Monate und bei der Bundesagentur für Arbeit liegen die ersten vorsorglichen Arbeitslosenmeldungen aus Greven schon vor.

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