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Hagenower Kreisblatt

15. Dezember 2017 | 20:30 Uhr

Vellahn : Dreiste Täter stehlen Achtender

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Seltener Fall von Wilddieberei sorgt für erheblichen Wirbel rund um Vellahn / Polizei ermittelt und hat auch schon erste Hinweise

von
erstellt am 30.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Zunächst war es nur ein schwerer Wildunfall, der da am letzten Donnerstag auf der B 5 nahe Vellahn passiert. Später wurde daraus ein extremer Fall von Wilddieberei, über den nun die ganze Region spricht. Und die Wilddiebe werden jetzt von der Polizei gesucht. Es gibt auch schon erste Hinweise.

Kurz vor sechs Uhr jagte am Donnerstag  in voller Brunft ein Prachtexemplar von einem Hirsch in das Auto von Bernd Osterloh. Das Tier war tot, das Auto Schrott und der Fahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Das Rotwild  wurde in der Nähe der Lada-Werkstatt an den Straße deponiert, der zuständige Jagdpächter Rudolf Bardowicks aus Bardowick sollte das Tier fachgerecht entsorgen. Doch dazu kam es nicht. In der Mittagszeit war das nach Schätzungen mehr als 200  Kilogramm schwere Tier weg. Gestohlen. Mitgenommen von zwei Wilddieben, wie  Zeugen gesehen hatten. Sie sprechen von einem olivgrünen Auto und einem Anhänger. „Das ist bereits das fünfte Mal, das mir das an der B 5 passiert ist“, schäumte der Jagdpächter aus Bardowick bei Lüneburg. Ein Damhirsch, drei Schweine und jetzt wieder ein Hirsch gehen auf das Konto der dreisten Diebe, die das 12 bis 14 Jahre alte Tier an der vielbefahrenen B5 am  helllichten Tag aufluden. „Es war ein Achtender, ein Zurückgesetzter, unter Jägern wäre die Trophäe eigentlich nichts wert“, wunderte sich auch Gert Jessau. Der Elektroniker ist passionierter Jäger mit Begehungsschein in diesem Gebiet, konnte aber seinem Jagdpächter an diesem Tag aus  beruflichen Gründen nicht helfen. „Bei uns machen wir eher Fotos von den Hirschen und schießen sie nicht ab. Ich kann mir nur vorstellen, dass es die Täter auf das Fleisch abgesehen hatten.“ Doch es bleibt eine Straftat, die Polizei in Boizenburg bestätigte eine entsprechende Anzeige und auch erste Ermittlungen. Der Jagdpächter, der seit der Wende in Vellahn ist, hat auf Hinweise zum Ergreifen der Täter eine Belohnung in Höhe des Wertes des Wildbrets ausgesetzt. Das sind einige Hundert Euro.

Ungefährlich ist das Mitnehmen von Wild auch aus einem anderen Grund nicht.  Das Fleisch kann abhängig von Außentemperatur und Liegedauer sowie wegen Parasitenbefalls verdorben sein.  Jessau: „Ich hätte das Fleisch von diesem Hirsch nicht mehr essen wollen und es auch nicht verkauft“. Tierärztin Barbara Schneider aus Lübtheen bestätigt, dass gerade bei Wildtieren große Sorgfalt geboten sei. Ohne eine ausgiebige fachliche Begutachtung sollte man das Fleisch nicht anrühren.“ Der gestohlene Hirsch, von dem ein Naturbeobachter zu dessen Lebzeiten auch schon Fotos geschossen hat, sorgt deshalb für Aufsehen, weil viele aus der Region das  verunfallte Tier an der Bundesstraße gesehen haben. Grundsätzlich ist es so, dass der zuständige Jagdpächter oder ein von ihm Beauftragter das bei einem Unfall getötete Tier fachgerecht entsorgen muss.

Niemand hat das Recht, nach einem Unfall das Wildtier mitzunehmen. Und sei es noch so klein. Die Behörden erwarten für die kommenden Wochen wieder einen deutlichen Anstieg der sowieso schon hohen Zahlen bei den Wildunfällen.

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