Drei Tage in der Wildnis

Ungewaschen, aber glücklich: Die Schüler der Klasse 6 nach drei Tagen Camp
Ungewaschen, aber glücklich: Die Schüler der Klasse 6 nach drei Tagen Camp

Oberschule Neuhaus startete mit Schülern der 6. Klasse in zweite Runde des sogenannten gruppenfördernden Überlebenstrainings

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17. April 2018, 10:29 Uhr

„Heute Nacht haben wir Rehe auf dem Weg zum Klo getroffen. Die standen einfach so da. Das war gruselig und wir sind lieber ins Zelt zurück“, berichten Josi und Lisa. Man stutzt ein wenig. Nicht wegen der Rehe, die soll es im Wald bei Stixe ja öfter geben, sondern aufgrund der Toilette im Nirgendwo. Drei Tage im Wald ohne Dusche würde ihnen gar nichts ausmachen, bestätigen die Schülerinnen der 6. Klasse der Oberschule Neuhaus, aber eine richtige Toilette müsse es schon sein. Und tatsächlich steht etwas abseits vom Zeltlager ein eigens gebautes Häuschen. „Der Mann von unserer Lehrerin Frau Apel hat das extra gebaut. Dort haben wir sogar Licht“, führt Tabea vor.

Bereits vor gut einem Jahr hat die damals 5. Klasse mit ihrer Lehrerin Katharina Reibe und dem Waldpädagogen des Forstamtes Göhrde Martin Tripp ein zweitägiges Überlebenstraining in der Carrenziener Heide absolviert. „Hier am Stixer See haben wir eine neue Umgebung mit neuen Herausforderungen und wir bleiben auch einen Tag länger“, erklärt Katharina Reibe.

„Ich habe mir dieses Mal zum Ziel gesetzt, mich zurückzuhalten, was eine große Herausforderung für mich ist“, sagt die Klassenlehrerin und lacht. „Die Kinder strukturieren ihren Alltag selbst und bestimmen, was sie wann kochen wollen. Martin und ich sind nicht die Entertainer und greifen nur ein, wenn wir gefragt werden. Und das klappt gut.“

Auch Martin Tripp ist mit der Entwicklung des Camps zufrieden. „Das wird eine passable Truppe, jetzt könnte man gut mit ihnen weiter arbeiten. Die Schüler haben viel behalten aus dem letzten Jahr, wie Feuer machen oder der Umgang mit Werkzeugen. Mein Ziel ist, dass sie sich hier draußen wohlfühlen und das ging ganz schnell.“ So wurde Apfelmus von den Schülern eingekocht und auf dem Lagerfeuer sogar ein Kuchen gebacken. „Der erste Kuchen war komplett schwarz, doch der zweite ist richtig gut geworden“, freut sich Tim und kredenzt formvollendet eine heiße Tasse Tee zum Backwerk.

Für Aufregung sorgen an diesem Vormittag allerdings nicht, wie eventuell vermutet, die vielen wilden Tiere, sondern eine große Maschine, die sich durch den angrenzenden Wald frisst. Stephan Rauschke aus Uelzen erntet mit seinem Harvester Holz und lädt die Schüler zu einer Spezialführung ein, Besteigung des Cockpits und eine Vorführung der Schneidwerkzeuge inklusive.

In der zweiten Runde ihres Camps gehen die Schüler sehr viel reflektierter mit der ungewohnten Situation um, Konflikte werden in der Gruppe gelöst und nur die Schlafenszeiten durch die Lehrkräfte geregelt. „Im Wald schlafen, das gefällt mir, auch wenn es manchmal unheimlich ist“, findet Josi, „Wir sind hier auf uns allein gestellt, das ist gut.“ „Man hat die Gelegenheit zu zeigen, was man alles kann und was sonst in der Schule kein Thema ist“, ergänzt Lisa, „Kochen oder mit Holz umgehen.“ Auch Tabea ist begeistert von den vielen Erlebnissen draußen im Wald, „Wir sind mutiger geworden“, stellt sie fest, „Wir lernen hier, dass unsere Eltern uns nicht den Hintern abwischen müssen.“

Gruppenförderndes Überlebenstraining im Wald macht derweil an der Oberschule Schule: Diese Woche ist die 5. Klasse mit ihrem Lehrer Ulf Brockmüller auf Entdeckertour in der Carrenziener Heide und die 7. Klasse wird mit Diane Apel in Stixe campieren.

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