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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 04:56 Uhr

Bleckede : Drei erste Stolpersteine in Bleckede

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Mahnmahl in der Friedrich-Kücken-Straße soll an Familie Rosen erinnern. Künstler Gunter Demnig hält Vortrag über seine Arbeit

von
erstellt am 01.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Sie wohnten in der Friedrich-Kücken-Straße 16 in Bleckede, das Ehepaar Joseph und Ottilie Rosen und ihr Enkel Otfried Rosen und sie wurden von den Nazis ermordet. Seit Montag erinnern drei sogenannte Stolpersteine daran, dass hier Menschen jüdischen Glaubens lebten.

Die „Arbeitsgemeinschaft Juden in Bleckede“ und die Stadt Bleckede hatten sich an den Künstler Gunter Demnig gewandt, der sein Kunstprojekt „Stolpersteine“ im Jahr 1992 begann. Inzwischen sind in mehr als 20 europäischen Ländern etwa 60 000 Stolpersteine verlegt und nun also auch drei in Bleckede. Die Stolpersteine sind somit das größte dezentrale Mahnmahl der Welt. Die vor den Häusern meist in den Gehweg verlegten quadratischen Messingtafeln nennen Namen, Geburts- und Todesdatum und werden von Gunter Demnig von Hand eingeschlagen. Man kann nicht wirklich über sie stolpern, muss aber mindestens den Kopf neigen oder auch in die Knie gehen, um lesen zu können, wer hier bis zu seiner Deportation gelebt hat.

In einem Vortrag in der Aula des Bleckeder Gymnasiums sprach der Künstler über seine Motivation und über die Anfänge seines Kunstprojektes und zitierte einen Schüler, der über das Projekt äußerte, man stolpere nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf und mit dem Herzen über die Gedenksteine.

Gunter Demnig legte in der Aula in aller Ausführlichkeit seinen künstlerischen Werdegang dar. Er wurde 1947 in Berlin geboren. Demnig wuchs in Nauen und Berlin auf und studierte Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ab 1971 setzte er dann das Kunstpädagogik-Studium an der Kunsthochschule Kassel fort. Später war er künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst der Universität Kassel. 1985 eröffnete Demnig ein eigenes Atelier in Köln. Seine Kunstprojekte sollen eine Verbindung zwischen Kassel und anderen Orten herstellen. So zieht es zum beispiel einen roten faden von Kassel bis hin nach Venedig. Mit einer Textspur auf den Straßen von Köln erinnert er an die Deportation von 1000 Sinti und Roma 1940 in Köln.

Das Projekt „Stolpersteine“ ist sein Lebenswerk, obwohl es nicht unumstritten ist. Eine der schärfsten Gegnerinnen des Projektes war Charlotte Knobloch, vom 7. Juni 2006 bis zum 28. November 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie empfand es als unerträglich, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und worauf mit Füßen herumgetreten werde. Es gibt auch Zerstörungen oder Übermalungen. Wurden Steine herausgerissen oder beschmiert, werden sie aber ersetzt. Das sei bisher etwa 500-mal passiert, so der Kölner Künstler, der alles selbst macht und für seine Arbeit nur einen Stromanschluss in der Nähe benötigt.

Das immer wieder Nachfahren ermordeter Juden zu einer Verlegung von Stolpersteinen anreisen, bestätigt den Künstler in seinem Tun. Auch in Bleckede waren Nachfahren der Familie Rosen gekommen.

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