Projekt „5 Inseln/5 Dörfer“ : Dreharbeiten im Geister-Camp

Die Filmemacher beim Interview mit Jens Meier, vor der Unterkunft.
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Die Filmemacher beim Interview mit Jens Meier, vor der Unterkunft.

Andrianus Merdhi und Max Sänger filmen im verlassenen Flüchtlingscamp. Hintergrund ist das Projekt „5 Inseln / 5 Dörfer“

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12. Mai 2017, 06:00 Uhr

Es herrscht eine besondere Atmosphäre in der ehemaligen Notunterkunft für Flüchtlinge. Der große Gebäudekomplex steht mittlerweile fast komplett leer. Die Blumenbeete zwischen den Häuserreihen sind mit Gras überwuchert. Die Räume sind ausgeräumt und verwaist. Die Flüchtlingsunterkunft gleicht einer Westernstadt, es fehlen nur noch die Steppenhexen-Büsche die durch die Flure rollen.

Diese beinahe gespenstische Atmosphäre wollen Andrianus Merdhi und Max Sänger mit ihrer Kamera festhalten. Sie haben sie im Hauptflur aufgestellt und auf eine geschlossene Glastür gerichtet. Niemand geht durchs Bild oder öffnet die Tür. Kaum vorstellbar, dass in dem ehemaligen Rechenzentrum in Sumte noch vor wenigen Monaten über 700 Flüchtlinge untergebracht waren. Der kleine Ort mit seinen rund 100 Einwohnern ist dadurch in die Schlagzeilen gekommen; sein Name hat sich herumgesprochen - bis nach Indonesien.

Der Inselstaat in Südostasien ist die Heimat von Andrianus Merdhi. Dort hat der 40-Jährige Filmemacher auch Max Sänger kennengelernt. Der Student der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) war im Rahmen des Projekts „5 Inseln / 5 Dörfer“ nach Indonesien gereist und hatte dort einen Film über alte Begräbnisbräuche gedreht. Das war im März 2016, die erste Phase des Projekts.

Das Programm „5 Inseln / 5 Dörfer“ ist eine Idee des Goethe Instituts in Indonesien, in Zusammenarbeit mit der Universitas Indonesia und der HFBK. Junge Filmemacher aus Deutschland waren im vergangenen Jahr in die südostasiatische Inselwelt eingetaucht und hatten fünf Filme über ihre Eindrücke gedreht. In der zweiten Phase des Projekt sind nun fünf Dörfer in Deutschland an der Reihe. „Wir drehen hier einen Film in Sumte, ein anderes Team ist zum Beispiel auf Pellworm“, erzählt Merdhi. Die beiden Filmemacher möchten die Entwicklung einzelner Flüchtlinge und die Geschichte der Unterkunft erzählen. Dafür haben sie sich gestern auch mit dem ehemaligen Leiter der Einrichtung Jens Meier getroffen. Er beschreibt ihnen die Situation im Oktober und November 2015, als der Gebäudekomplex innerhalb weniger Tage in eine Notunterkunft umgewandelt werden musste. „Ein Problem sind damals unter anderem die Duschen gewesen“, so Meier. „Es gab hier ja keine.“ Der bestellte Duschcontainer sei dann aus Versehen in eine andere Unterkunft geliefert worden und man habe über Nacht einen Duschwagen aus Dänemark kommen lassen. Darin habe sich aber auch erst einmal niemand waschen können. „Die Hygiene musste zunächst Proben nehmen, wegen möglicher Legionellen.“ Nur ein Erlebnis von vielen aus dem bewegenden Jahr, das Meier den beiden Filmemachern erzählt. Vielleicht schafft es ja gerade dieses in den fertigen Film. Der soll dann auch, wie die ersten Arbeiten des Projekts im Internet veröffentlicht werden. Einen ersten Trailer und weitere Informationen zu dem Projekt, gibt es auf der Seite des Goethe Instituts Indonesien.

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