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Wittenburg: Kapazität der Tiefkühllagerung bis Ende 2012 verdoppelt : Dr. Oetker gibt den Takt der Region vor

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Es gibt wahre Schwergewichte in der regionalen Wirtschaft. An "Dr. Oetker" in Wittenburg kommt schon allein wegen der Größe der Pizzafabrik niemand vorbei. Nun hat das Unternehmen die nächste Ausbaustufe gezündet.

svz.de von
erstellt am 21.Nov.2011 | 06:23 Uhr

Wittenburg | Es gibt Investoren, Mittelständler und es gibt Schwergewichte in der regionalen Wirtschaft. An "Dr. Oetker" in Wittenburg kommt schon allein wegen der Größe der Pizzafabrik niemand vorbei. Dazu kommt, dass das Unternehmen seit seiner Produktionsaufnahme im Jahre 1991 stetig gewachsen ist, Krisen überstanden und derzeit die nächste Ausbaustufe gezündet hat. "Hoch 3" nennt sich das Projekt intern und meint den Bau eines neuen Hochregallagers für brutto 14560 Palettenstellplätze. Die Arbeit sind unübersehbar begonnen worden, und bereits im Dezember 2012 soll das für 18,5 Millionen Euro geplante Objekt fertig sein. Die Pizzabäcker werden dann ihre Tiefkühlkapazität im Vergleich zu den bisherigen Verhältnissen schlicht verdoppelt haben. Kapazität, die bei einer für 2011 geplanten Stückzahl von 156 Millionen Stück Fertigware auch benötigt wird. Das neue Palettenlager, das das bisherige deutlich überragen wird, muss noch lange nicht das Ende der Entwicklung bedeuten, wie Werkleiter Dr. Wolfgang Teege in dieser Woche vor Unternehmern der Region erläuterte. Durch den Erwerb benachbarter Grundstücke am Wittenburger Südring bestehe die Möglichkeit, eines Tages auch weitere Produktionslinien zu bauen. Das sei aber Zukunftsmusik und eindeutig nicht entschieden. Dr. Oetker sei aber so in der Lage, sich alle Optionen offen zu halten. Teege verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich sein Unternehmen entgegen einiger Behauptungen nicht aktiv um diese Grundstücke der anderen Firmen gekümmert habe. Vielmehr seien die Grundstücke Dr. Oetker angeboten worden, erst dann habe man sich geeinigt.

Auch ohne neue Produktionslinien ist die Pizzafabrik mit mehr als 800 Beschäftigten und 20 Auszubildenden der größte Arbeitgeber in der Region mit einer nach wie vor sehr treuen Stammbelegschaft.

Begonnen hat alles sehr viel kleiner mit gerade mal 80 Leuten in einer Schicht, damals war der Pizzamarkt sehr viel kleiner. Das hat sich deutlich geändert, jetzt geht es pro Jahr weltweit um eine Milliarde Euro, und Dr. Oetker ist einer der großen Spieler in diesem Markt, der heiß umkämpft ist. Nicht umsonst hatte Teege in seinem Vortrag vor Unternehmern der Region immer wieder Begriffe wie Qualität, Marktführerschaft und Innovation erwähnt. Die Wittenburger halten sich zugute, dass sie bei entscheidenden Produkten, wie bei der Steinofenpizza, gegenüber der Konkurrenz immer noch einen entscheidenden Vorteil haben. Und nur wer Qualität liefere, wer einen Markt anführe der könne dann auch Stückzahlen in Größenordnungen absetzen.

Der deutsche Markt ist dabei nach wie vor wichtig, doch bei einem Exportanteil von mehr als 50 Prozent wird schnell klar, dass es um weltweite Trends geht. Gerade hat Dr. Oetker kleinere Produktionsstätten in China, Australien und Brasilien eröffnet. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wittenburger Produktion geht nach Kanada und in die USA. Auch wenn Pizza ein weltweit vermarktetes Produkt ist, so gibt es doch Geschmacksunterschiede, auf die die Produzenten achten müssen.

Kaum vorstellbare 175 Millionen Euro sind seit dem ersten Spatenstich in das Wittenburger Werk in verschiedenen Ausbaustufen geflossen. Zusammen mit dem laufenden Bau des neuen Palettenlagers wird dann die Investitionssumme von 200 Millionen Euro angepeilt. Natürlich hat auch Dr.Oetker dabei von den Fördermöglichkeiten, die es im Land gibt, profitiert. Dass die Fabrik heute in Wittenburg steht ist eher ein Zufall der Nachwendegeschichte. Erst hatten die Verantwortlichen einen Standort in der Altmark im Auge, dann wurde im Bereich Spornitz gesucht, bevor dann Wittenburg ins Spiel kam.

Für die Stadt und die Region ein Glücksfall, denn Dr. Oetker gibt als Großinvestor den Takt vor. Gegenwärtig steckt in Wittenburgs Wirtschaft mehr Dynamik als im nahen Megapark Valluhn/Gallin. Und das obwohl Wittenburg die emh-Fertigungsstätte für elektronische Stromzähler dorthin verliert. Dafür hat die Firma Stern Maid ihren angekündigten Ausbau begonnen, wird der Feinkostbetrieb Sprehe seine Fertigung verlagern, entsteht ein Produktionsbetrieb für die Verarbeitung von Akaziensaft. Dazu kommen die Ankündigungen der holländischen van-der-Valk-Gruppe über zweistellige Millionensummen, die in den kommenden Jahren im Bereich des Alpincenters investiert werden sollen. In fast allen Fällen geht es nicht nur um die Sicherung sondern um die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Für Dr. Oetker bemisst sich die Verankerung in der Region nicht nur durch die Belegschaft. Das Unternehmen bemüht sich auch für seine Produktion in Mecklenburg-Vorpommern einzukaufen. Mengenmäßig werden über 25 Prozent und wertmäßig gut zehn Prozent der Waren aus dem Land bezogen. Das betrifft vor allem Mehl, Käse, Sahne. Creme fraich, Schmand, Wurstwaren, Schinken, Packstoffe. Allerdings, darauf verwies Teege, müsse auch der Preis stimmen. Daran hapere es jedoch noch. Logisch, dass die benötigten Mengen an Tomatensauce oder Olivenöl nicht im Inland bezogen werden können. Wie groß die Wertschätzung für das Unternehmen ist, ließ sich am jüngsten Unternehmerstammtisch des Regionalverbandes ablesen, der im Werk stattfand und der selten so gut besucht war. Dr. Oetker ist mit seinem Werk auch selbst Mitglied im Verband. Geschäftsführer Wilhelm Schefe sparte dann auch nicht mit Anerkennung: Oetker sei nicht nur als wachsendes Unternehmen oder als Firma, die beständig ausbilde, ein Vorbild. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren auch in Sachen Familienfreundlichkeit Maßstäbe gesetzt und das alles in einer sehr angespannten Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt.

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