Hagenow-Land : Dorniger Weg zum Traumbahnhof

Im Januar glauben Aribert und Dennis Otto noch fest an ihren Traum, doch sie haben nicht mit so einem Behördenkrieg gerechnet
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Im Januar glauben Aribert und Dennis Otto noch fest an ihren Traum, doch sie haben nicht mit so einem Behördenkrieg gerechnet

Dem Bauprojekt Bahnhof Hagenow-Land fehlen weiterhin die Genehmigungen zum Umbau und Betrieb

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08. September 2015, 06:30 Uhr

Als Dennis und Aribert Otto vor einem Jahr ihr Leben in Berlin hinter sich lassen und nach Hagenow kommen, haben sie einen Traum. Sie wollen das alte verfallene Gebäude des Bahnhofs Hagenow-Land restaurieren, um daraus ein Hostel mit eigenem Bistro und Modelleisenbahnanlage zu machen. Doch ob daraus etwas wird ist fraglich, denn seit einiger Zeit kämpft das Ehepaar Otto nun um die erforderlichen Genehmigungen für den Umbau und den Betrieb ihres Projektes. Bisher ohne Erfolg.

Im Januar diesen Jahres ist das Paar noch voller Hoffnung und Tatendrang. Zu diesem Zeitpunkt betreiben sie einen kleinen Imbisswagen, der für die erforderlichen Einnahmen der Renovierung sorgt. Doch dann beginnen die Probleme. Die Genehmigung für den Imbisswagen wird nicht verlängert, so dass das Ehepaar Otto gezwungen ist, ihn aufzugeben. Die Einnahmequelle für die Renovierung fällt weg, der Fortschritt stagniert. Doch das ist längst nicht das größte baubehördliche Hindernis.

Paragraph vier der Bauordnung verhindert den Fortschritt des Vorhabens. Dieser besagt, dass Gebäude nur errichtet oder geändert werden dürfen, wenn sie an einer öffentlichen Zufahrtsstraße liegen. Laut dem Fachdienstleiter für Bauordnung des Landkreises Ludwigslust-Parchim Andreas Wißuwa liegt eine solche Änderung vor. „Das Gebäude ist keine Anlage mehr, die dem Bahnhof dient. Zwar gab es früher eine Gastronomie in dem Bahnhof, aber jetzt soll er auch noch für andere Sachen genutzt werden. Dadurch wird laut der Bauordnung eine öffentliche Zuwegung nötig“, so der 56-Jährige.

Eine Nutzungsänderung des Bahnhofs können Dennis und Aribert Otto jedoch nicht erkennen. „Eigentlich ist jeder Paragraph dehnbar, so dass man eine Regelung finden könnte, nur hier geht das komischerweise nicht“, sagt Dennis Otto. „Mittlerweile bin ich es leid. Als wir herkamen, haben wir nicht mit so einem Behördenkrieg gerechnet“, so der 47-Jährige. Der Lebenstraum von Dennis und Aribert Otto droht wegen eines einzigen Paragraphen zu scheitern.

Aus diesem Grund kamen vor wenigen Tagen das Ehepaar Otto, der Landesvorsitzender Andreas Katz und Landestagsabgeordneter Johann-Georg Jaeger der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zusammen, um weitere Möglichkeiten zu besprechen, um für den Erhalt und die Neuerung des alten Bahnhofsgebäudes zu kämpfen. Das Treffen war die letzte Station von insgesamt acht der Grünen-Kampagne „Sommer-Politik-MV“.

Auch Andreas Katz und Johann-Georg Jaeger können die Verweigerung der Baugenehmigung nicht verstehen. „Eigentlich ist es ein ganz klarer Fall – es gibt eine Straße, die direkt bis vor das Gebäude führt, es geht nur um die Definition dieser Straße“, sagt Johann-Georg Jaeger. „Diese Initiative kann nur für alle Seiten ein Gewinn sein, deswegen kann ich überhaupt nicht erkennen, warum dem Ehepaar Otto derartig Steine in den Weg gelegt werden. Das sind alles lösbare Probleme, wenn man sie lösen will“, so der 49-Jährige.

Andreas Wißuwa weist eine böswillige Verweigerung der Einigung jedoch von sich. „Wir haben intensiv zusammen gesessen, um eine Lösung zu finden, sind aber vom Gesetz her gezwungen, die Genehmigungen abzulehnen“, sagt Wißuwa.

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