zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

16. Dezember 2017 | 10:23 Uhr

Neuhaus : „Donnerbesen“ sollten schützen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Historischer Rundgang durch Neuhaus mit Natur- und Landschaftsführerin Sabine Wittkopf legte den Schwerpunkt auf die Ziegelbauten

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 13:50 Uhr

„Vermutlich die älteste Backsteinfigur im Kreis (Altkreis Hagenow) befindet sich in Neuhaus. Das 1684 erbaute Wirtshaus hat an der Giebelseite links einen sehr schönen Donnerbesen“, berichtet 1989 ein Aufsatz in der Zeitschrift „Kreismosaik“ über Backsteinornamente in der Region. Das ehemalige Wirtshaus, das der fürstliche Tafeldecker Heinrich Werdermann im 17. Jahrhundert erbauen ließ, beherbergt heute das Rathaus der Gemeinde Amt Neuhaus und muss seit seiner Sanierung nach der Wende ohne die magischen Kräfte eines Donnerbesens auskommen.


Schutz für das Haus und seine Bewohner


„Der so genannte Donnerbesen wurde als Schutz für das Haus und seine Bewohner gegen Gewitter und Unwetter in die Fachwerkfüllung eingemauert“, erläutert Sabine Wittkopf bei ihrem historischen Rundgang durch Neuhaus. Das heutige Rathaus zierte ein besonders schönes Exemplar mit fächerförmig angeordneten Ziegeln, wie auf einer Skizze zu sehen ist. „Bei der Restaurierung des Hauses wurde der Donnerbesen nicht wiederhergestellt“, bedauert die Historikerin, „Wahrscheinlich ist er dem Durchbruch für weitere Fenster in der Giebelfront zum Opfer gefallen. Schade ist auch, dass das Rathaus komplett mit neuen, farblich einheitlichen Ziegeln ausgemauert wurde. So fehlt seiner Fassade die lebendige Struktur der unterschiedlich gebrannten Backsteine, die so charakteristisch für die alten Ziegelhäuser in unser Region ist.“

Erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert konnten Ziegel serienmäßig in großen Ringöfen, in denen die Hitze reguliert werden konnte, gebrannt werden. Von der regen Bautätigkeit in dieser Zeit zeugen heute noch die erhaltenen Gebäude der Ziegeleien bei Neuhaus und in Tripkau. In den Jahrhunderten zuvor wurden die Backsteine in mobilen Feldziegeleien gebrannt, die vor Ort an den Baustellen und in der Nähe von Lehmvorkommen aufgeschlagen wurden, um die mühselige Transportwege zu erleichtern. Nach der Fertigstellung des Baus wurden die mobilen Meiler wieder abgeschlagen.

Schutzzeichen wie den Donnerbesen - oder auch eine Windmühle als Symbol für Wohlstand und Glück - hat man seinen Häusern in früheren Jahrhundert nicht umsonst mitgegeben, wie das Beispiel des ehemaligen Pfarrhauses (heute Gisela-Albrecht-Haus) in der Parkstraße zeigt. „Das ehemalige Pfarrhaus gilt als der erste massive Ziegelbau in Neuhaus“ erläutert Sabine Wittkopf ihren Gästen. „In diesem Häuserkarree um Pfarr- und Kantorenhaus hat es so oft gebrannt, dass man sich 1845 entschieden hat, das Pfarrhaus ohne Fachwerkkonstruktion nur aus Backstein zu errichten.“ Bereits 1659 war das erste Pfarrhaus an dieser Stelle – natürlich ein Fachwerkbau - komplett abgebrannt. 1842 zündete vermutlich ein Brandstifter das Pfarrhaus an, der Brand wurde rechtzeitig bemerkt. Während der Feuersbrunst im darauf folgenden Jahr 1843 konnte der damalige Pastor seine Familie, die Kirchenakten und sich selbst nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten. Ihm war noch nicht mal Zeit geblieben, sich etwas anzuziehen.

Beim Rundgang durch Neuhaus zum Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr deutschlandweit unter dem Oberthema „Farbe“ stand, durfte auch ein Besuch in der aktuellen Ausstellung im Pforthaus nicht fehlen. Hier konnten die Besucher sich einen Eindruck vom Umgang mit den Farben des Amtes Neuhaus in den Bildern von Wilhelm Boldt verschaffen. Wilhelm Boldt vertraute übrigens auch auf den Schutz der traditionsreichen Symbole. Er habe die Toreinfahrt seines 1730 erbauten Hauses in Haar in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit zwei Donnerbesen versehen lassen. Die Donnerbesen seien in den Stein eingemeißelt und für eine besonders plastische Wirkung nachgemalt worden, ganz wie es sich für das Haus des gelernten Dekorationsmalers gehörte.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen