zur Navigation springen

Wandmalerei in der St. Vitus Kirche entdeckt und wieder freigelegt : Döbbersen feiert seinen Drachentöter

vom

Ruhig ist es in Döbbersen, ganz, ganz, ruhig. Dabei gibt es, wenn man es denn weiß, in dem herrlichen mecklenburgischen Flecken viele Besonderheiten. Den historischen Schlüssel dazu hat die Pastorin Judith Braun.

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2011 | 04:45 Uhr

Döbbersen | Ruhig ist es in Döbbersen, ganz, ganz, ruhig. Außer zwei Anglern, die an der Schilde ihr Glück versuchen, ist niemand in dem kleinen Dorf, das mit etwa 60 Einwohnern zur Gemeinde Wittendörp gehört , zu sehen.

Dabei gibt es, wenn man es denn weiß, in dem herrlichen mecklenburgischen Flecken viele Besonderheiten. Den historischen Schlüssel dazu hat die Pastorin Judith Braun. Und schon der altertümliche große Schlüssel ist etwas Besonderes. So in die Hosentasche passt er nicht. Aber er öffnet die große Kirchentür der St. Vitus Kirche zu Döbbersen. Das in Weiß gehaltene Innere der geräumigen, 1255 geweihten Kirche stellt die besonderen Schätze des Raumes sofort in den Blickpunkt des Betrachters. Nichts lenkt von den historischen Werten in diesem Gebäude ab.

Mit leuchtenden Augen zeigt Judith Braun auf ein kleines zartes Wandbild. Es ist eine Wandmalerei aus dem 13. Jahrhundert, dabei handelt es sich um eine Darstellung von Georg dem Drachentöter.

"Dieses Bild liebe ich ganz besonders", so die Pastorin. Jahrelang beachtete die ergraute Malerei niemand. Bei Pastor Traugott Ohse, so wusste sie, stand es Mitte der 50er Jahre schon einmal im Blickfeld. Aber zum Restaurieren fehlte die Kraft und das Geld. Dann wurde das Kleinod jahrelang praktisch von der Liedertafel verdeckt und vergessen. Mit Beginn der Restaurierung im Jahr 2001 ließ Judith Braun dann nicht mehr locker. "Bis zu meinem nächsten runden Geburtstag, so habe ich allen erzählt, möchte ich, dass sich wieder alle an der restaurierten Wandmalerei erfreuen können." Sie musste nicht so lange warten. "Die Restauratoren und Matthias Bresien und Ulrike Triebel haben mit großem Einsatz, dieses für uns alle wiederentdeckte historische Bild gereinigt", erzählt sie. Und so sind jetzt Georg, der Drachentöter und die Prinzessin, die dem Drachen geopfert werden sollte, an der Südseite der Kirche deutlich aber zart zu erkennen. "Da ist nichts nachgemalt worden", so Judith Braun, "es wurde aber ganz fachmännisch gereinigt. Das Besondere und Einmalige an dieser Zeichnung ist: Sie wurde nie übermalt und so kann der Besucher die Originalfarbgebung von vor über 700 Jahren sehen. "Der Drachen selbst ist jedoch verloren gegangen", erklärt die Pastorin, "aber der verkörperte ja auch das Böse. So nehmen wir diesen Verlust hin", sagt sie mit einem Lächeln.

Wenn auch Georg zurzeit ganz im Mittelpunkt steht, hat die Kirche noch weitere Schätze an den Wänden zu bieten. So blicken von der Südseite Luther und Melanchthon und von der Nordseite Mose und Aaron auf die Besucher. Auch sie werden sich in den kommenden Jahren, so wie Geld da ist", sagt die Pastorin, "einer kosmetischen Pflege unterziehen".


Im Juli großes Fest in der Gemeinde

Demnächst aber wird erst einmal der wiedergefundene Drachentöter gefeiert. "Aus Freude über diesen Schatz feiern wir eine Georgsfest", informierte Judith Braun. "Wir laden alle Interessierten am Sonnabend, dem 9. Juli, um 14 Uhr zu einen Gottesdienst in die Kirche zu Döbbersen ein." Dann kann natürlich auch das Wandbild mit gebührendem Respekt betrachtet werden.

Nach dem Gottesdienst, bei dem es auch eine kleine Aufführung gibt, findet ein Georgsmarkt auf dem Pfarrhof mit vielen Überraschungen statt. Um 18 Uhr gibt die Familie Fehm aus Döbbersen mit ihren Freunden ein barockes Georgskonzert in der Kirche zur Sanierung der Orgel. Danach geht es auf dem Pfarrhof weiter.

Am Sonntag (10. Juli) , so der Hinweis der Pastorin, findet in Döbbersen der berühmte Wald- und Seenlauf statt. Beginn ist 10 Uhr. Einschreibungen sind ab 8.30 Uhr möglich. Nach dem Lauf ist der kleine Markt auf dem Pfarrhof geöffnet.

Alle Interessenten sind zu den Veranstaltungen an den beiden Tagen eingeladen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen