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Schicksalsschlag in Redefin : „Dieses Auto war unser ganzer Stolz“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach ungeklärtem Fahrzeugbrand stehen die Schukats aus Redefin mit sechs Kindern vor Riesenproblemen.

von
erstellt am 07.Okt.2017 | 06:30 Uhr

Es war ihr „Schwarzer“, ihr Traumauto mit acht Sitzen, viel Platz und sogar einer Klimaanlage. Jetzt steht der schon ein paar Jahre alte Renault Trafic als Wrack auf ihrem Grundstück in Redefin. Halb verbrannt, Schrott, nicht mehr zu gebrauchen. Am Abend des 2. Oktobers fing das Auto an zu brennen. Einfach so. Als Andreas und Monique Schukat von den wild an den Fensterscheiben klopfenden Nachbarn gegen 20 Uhr alarmiert werden, ist schon nichts mehr zu machen. Vater Andreas (51) versucht dennoch das Unmögliche, rennt wie wild und in Socken mit seinem grünen Wassereimer hin und her, will noch Papiere, Geld und Kindersitze aus dem Auto retten, doch es ist zu spät. Auch die Hilfe einiger Nachbarn bringt nichts mehr. Die Ursache für den Brand ist auch nach Tagen völlig unklar. Auch die Polizei sah keine Zeichen für eine Fremdeinwirkung.

Seitdem steht die Familie unter Schock, denn sie wohnt auf einem Dorf und hat sechs Kinder. Das Auto, das noch nicht abbezahlt war, hatte für die Schukats eine Riesenbedeutung. Es war ihre Unabhängigkeit, ihre Möglichkeit mal rauszukommen und für Vater Andreas auch wichtig, um zur Arbeit nach Zarrentin zu fahren. Im Moment geht das alles nicht, auch weil er sich bei seinem Rettungsversuch am Arm verletzt hat. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Die Versicherung will sich kümmern, doch das alles wird dauern, und im besten Fall bekommen wir den Zeitwert des Wagens wieder. Doch damit werden wir kein Auto bekommen das wir brauchen. Und einen neuen Kredit können und wollen wir uns nicht leisten“, ist Mutter Monique (35) im Gespräch mit unserer Zeitung realistisch. Es gibt bisher keine Lösung. Sie wollen aber auch nicht, dass ihre Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren darunter leiden. Und so haben sie am Tag nach dem Brand auch den 3. Geburtstag eines ihrer Kinder dennoch gefeiert, obwohl die Stimmung gedrückt war. Auf die Idee, andere um Hilfe zu bitten, wären die beiden nie gekommen. Das haben Freunde für sie gemacht, wie Annett Peters aus Belsch, die gleichfalls sechs Kinder hat und sich sehr gut in die Lage hineinversetzen kann. „Die Schukats haben es wirklich verdient, die sind so bescheiden, immer freundlich, hilfsbereit, denen muss man helfen. Ich habe in meiner Verzweiflung gleich einen Aufruf bei Facebook gestartet, der auch von vielen geteilt wurde“, erzählt sie unserer Zeitung unter Tränen.

Auch Redefins Bürgermeisterin Roswitha Böbel kann nur Gutes über die Familie sagen. „Das Schicksal nimmt viele im Dorf mit, auch wir als Gemeinde überlegen, wie wir helfen können.“

Verbrannt ist mit dem Auto einiges, fünf Kindersitze zum Beispiel. Doch die Familie, in der trotz der Arbeit beider Eltern, Mutter Monique arbeitet für ein Sanitätshaus, jeder Cent umgedreht werden muss, hat noch mit anderen Sorgen zu kämpfen. Beispielsweise mit den Gerüchten, die einige verbreiten. „Was wir nicht alles gehört haben, mein Mann soll betrunken gewesen sein. Dann soll er das Auto vorgefahren haben. Nichts davon stimmt, das Auto ist während des Brandes allein in die jetzige Position gerollt.“

Gefreut haben sich die Schukats über die tatkräftige Hilfe ihrer direkten Nachbarn, geärgert über einige Gaffer.

Doch da gibt es auch die Hilfe, die über den Vellahner Chor „Vocapella“ angeboten wird. In dem singt Monique Schukat nämlich mit. Auf Hilfsangebote reagiert die Familie verlegen. Sie sind es gewohnt ihre Sorgen selbst zu lösen. Die Kinder gehen ihnen über alles. Und so sollen die Kleinen auch nicht mit auf das Foto, der Anblick ihres verkohlten Autos sei schon schlimm genug.

Jetzt warten alle auf den Gutachter und auf die Ergebnisse der Versicherung. Doch viel Gutes erwarten sie nicht.

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