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Im Videowagen des Autobahnpolizeireviers Stolpe : Dieser BMW überführt sie alle

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Aus einer Nebenstraße bei Dersenow fährt ein Laster auf die B 5 auf, zwingt einen Kleintransporter und einen dahinter fahrenden BMW zum Abbremsen. Pech für den Brummi-Fahrer: Der BMW ist ein Videofahrzeug der Polizei.

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erstellt am 25.Jul.2013 | 05:18 Uhr

Ludwigslust | Gestern Vormittag auf der B 5 in der Nähe von Dersenow. Aus einer Nebenstraße fährt ein Laster auf die Bundesstraße auf, zwingt einen Kleintransporter und einen dahinter fahrenden BMW zum Abbremsen. Pech für den Brummi-Fahrer: Der BMW ist ein Videofahrzeug der Polizei. Die "Tat" des Lkw-Fahrers wurde aufgezeichnet.

Am Steuer des Polizeiwagens sitzt Polizeiobermeisterin Melanie Wegendorf, neben ihr Polizeihauptmeister Burghard Werner. Beide gehören zum Autobahnpolizeirevier Stolpe. Aufgabe des Teams an diesem Vormittag ist es, mögliche Verkehrssünder zu stellen. Burghard Werner: "Wir prüfen unter anderem die Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, aber auch die Einhaltung der Sicherheitsabstände." Kein Wunder, denn das Nichteinhalten des erforderlichen Sicherheitsabstandes war 2012 im Landkreis Ludwigslust-Parchim Hauptunfallursache: 758 Zusammenstöße musste die Polizei deshalb registrieren. 496 Unfälle waren auf unangepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Vorfahrtsfehler führten zu 310 Unfällen.

Lasterfahrer erzwingt sich die Vorfahrt

Zum Glück verursachte der Lasterfahrer auf der B 5 gestern keinen Unfall. Doch weil er sich die Vorfahrt erzwungen hat, stoppen die Beamten das Gefährt in Dersenow. Dessen Fahrer meint zunächst: "Der Wagen war doch noch weit weg." Als Polizeihauptmeister Werner dann aber anbietet, sich das Video anzusehen, verzichtet der Lkw-Mann: "Nee, Sie haben wohl doch Recht." Burghard Werner belässt es bei einer mündlichen Verwarnung, weil es keine unmittelbare Gefahr gab. "In einer solchen Situation kommt es auch darauf an, mit den ,Verkehrssündern’ nicht von oben herab zu reden", weiß Polizist Werner. "Man kann alles auf freundliche Art und Weise klären. Ich bin sicher, dass der Mann künftig auf die Vorfahrt achtet."

Doch nicht immer können es die Beamten bei mündlichen Verwarnungen belassen. "Wir haben dieser Tage einen Pkw mit Wohnanhänger gestoppt, der im Durchschnitt mit 123 Km / h unterwegs war, also 36 km / h schneller als erlaubt", sagt Polizeiobermeisterin Melanie Wegendorf. "Wir haben den Wagen gestoppt und dem Fahrer klar gemacht, dass ihm jetzt ein Fahrverbot droht.

Der 5er BMW (240 PS) der Beamten ist mit modernster Videotechnik ausgestattet. Dazu gehören unter anderem zwei Kameras, die nach vorne und hinten gerichtet sind. Um die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs festzustellen, wird auf einer Strecke von mindestens 300 Metern (Handmessung) gestoppt. Auf einem Videobildschirm im BMW sind neben dem gemessenen Fahrzeug u. a. auch die zurückgelegte Wegstrecke, Datum und Uhrzeit sowie natürlich die Geschwindigkeit abzulesen. Der Computer errechnet dann die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der zurückgelegten Wegstrecke. Nach Abzug eines Toleranzwertes von 5 Km / h steht der Wert fest, um den die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten wurde. Übrigens spricht der jeweilige Beifahrer im BMW die wichtigsten Daten, darunter Ort der Messung und Kennzeichen des Fahrzeugs, auf Band. Video- und Tonaufnahme sind als Beweismaterial auch vor Gericht verwendbar.

Spezielles Fahrtraining für Videowagen

Allerdings: Verstöße werden durch die Videowagenbesatzung erst dann geahndet, wenn sie im Bußgeldbereich liegen. Nur in einem solchen Fall werden sie auch aufgezeichnet. Drei Männer und eine Frau des Stolper Autobahnpolizeireviers sind für das Videofahrzeug speziell ausgebildet. Sie absolvieren mindestens einmal im Jahr ein Fahrsicherheitstraining. Melanie Wegendorf: "Dabei werden auch Gefahrensituationen, bei denen man in Sekundenbruchteilen reagieren muss, nachgestellt."

Inzwischen hat der BMW, aus Boizenburg kommend, die A 24 bei Gallin erreicht. In der dortigen Baustelle gibt es auch an diesem Vormittag eine stationäre Geschwindigkeitskontrolle (Fahrtrichtung Berlin). In knapp zwei Stunden sind hier bereits 406 Fahrzeuge gemessen worden, die schneller als erlaubt (60 Km / h) waren. Autobahnpolizist Siegfried Lasch, Kollege der BMW-Besatzung, sagt: "Das bisher schnellste Fahrzeug heute wurde mit 122 Km / h gemessen."

Weiter geht es mit dem Videofahrzeug der Polizei über die Autobahn bis zum Abzweig Neustadt-Glewe. Auch wenn die Fahrzeugführer an diesem Tag die vorgeschriebenen Abstände einhalten - es ist nicht immer so. Burghard Werner: "Vor kurzem haben wir zwischen dem Parkplatz Stolpe und der Abfahrt Suckow einen Autofahrer gehabt, der auf dieser kurzen Strecke (ca. 20 Kilometer - d. R.) gleich viermal den Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat." Übrigens stoppen die Beamten Verkehrssünder zwar und machen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam, aber die Strafe folgt später. Der Fall geht an die zuständige Bußgeldstelle, die Sanktionen einleitet.

Fazit gestern: Die überwiegenden Mehrheit der Kraftfahrer verhielt sich vorbildlich. Allerdings ist es nicht immer so, wie die Polizisten leider immer wieder feststellen müssen.

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