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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 19:51 Uhr

Wittenburg : Dienstbare Geister des Friedhofs

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Doris Redetzki und Alexander Iltschenko sorgen auf dem Wittenburger Gottesacker seit vielen Jahren für Sauberkeit und Ordnung

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Sie seien die guten Geister, die man fast nicht wahrnehme, die aber dennoch täglich unermüdlich für Sauberkeit und Ordnung auf dem Friedhof sorgten, hatte es zu Beginn 2017 auf dem Neujahrsempfang der Stadt geheißen. Gemeint  waren mit diesen lobenden Worten die beiden Friedhofsgärtner Doris Redetzki und Alexander Iltschenko, die  damals als Dank mit einem bunten Präsentkorb bedacht worden waren.

„Seit November 1999 arbeite ich in dem Beruf, zu dem ich dank der früheren Pastorin Judith Braun gekommen bin“, erinnert sich die 56-jährige Boddinerin im SVZ-Gespräch. Als gelernte Köchin und Tischlerin-Gehilfin, sei sie „da eher so zufällig  rein gerutscht“, gesteht sie schmunzelnd. Das Leben habe sie beruflich an diesen Ort gestellt, rund 4,8 Hektar groß mit seinen mehr als 4000 Gräbern. „Die Leute loben uns oft für unsere Arbeit, dass wir unermüdlich  Müll und Laub wegräumen, die Container leeren, dafür bedanken sie sich. Es geht hier bei uns alles ein bisschen familiär zu“, betont Doris Redetzki und weist darauf hin, dass auch die Kirchengemeinde Bestattungen durchführe. „Tod und Trauer gehören nun einmal zum Leben dazu“, sinniert die Fachfrau.

Friedhöfe sind auch Visitenkarten

Friedhöfe, in diesem Fall der der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, gelten auch als Visitenkarte selbiger. Sie erinnern uns Menschen nicht nur an unsere Endlichkeit, sie können auch wie ein aufgeschlagenes Buch des Lebens über Geschichte und Kultur einer Region Aufschluss geben. Sie sind der Ort, an dem Menschen die Möglichkeit haben, ihre Verbundenheit und Liebe zu den Verstorbenen über den Tod hinaus auszudrücken. Gut gestaltete Friedhöfe nehmen in diesen seelischen Ausnahmesituationen eine wichtige Rolle ein: Nicht nur für die Verstorbenen als letzte Ruhestätte, sondern auch für die Hinterbliebenen als Ort der Zuflucht, des stillen Gedenkens sowie der Trauer und ihrer Bewältigung. Wenn sonst unser Dasein von Ungewissheit geprägt ist, vermittelt ein Friedhof eine Ahnung letzter Gewissheit.

„Der Friedhof ist auch ein Ausdruck der Gefühle der Trauernden.  Hier finden sie Halt. Das ist ein wichtiger Ort für unsere Gesellschaft. Wir sind jeden Tag bei Wind und Wetter draußen“, erzählt Alexander Iltschenko, der gebürtige Kasache, der seit 1997 in Deutschland lebt, weil seine Frau eine Spätaussiedlerin ist. Auch er liebe die Arbeit an der frischen Luft, den Kontakt mit Menschen, die Gespräche, das Trösten und  Gestalten sowie Umsetzen von Ideen.  „Dass wir weitestgehend eigenständig handeln können, weil man uns vertraut, gefällt mir sehr“, verrät der 48-jährige Techniker, der früher einmal Maschinenbau gelernt hat.  Seit neun Jahren sei er nun als Friedhofsgärtner angestellt. Mit seinem obersten Chef, Pastor Martin Waack und der Verwaltungsmitarbeiterin Sabine Reich, verbinde ihn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die er nicht mehr missen  möchte. „Ich habe meinen Platz gefunden.“

Keine Angst vor dem Tod

„Ob der Tod ihr eigentlich  Angst mache?“, wollen wir abschließend von Doris Redetzki wissen. Sie schweigt, denkt kurz nach, schaut aus dem Fenster und meint schließlich: „Angst davor würde mir die Lebensfreude rauben. Doch seine Gewissheit erinnert mich stets daran, dass meine Zeit auf Erden begrenzt ist. Deshalb versuche ich, meine Tage  so gut wie möglich zu nutzen. Aus ihnen zu lernen, worauf es wirklich ankommt. Das Wichtigste im Leben kann man ohnehin nicht kaufen. Das da wären, Liebe, Vertrauen, wahre Menschlichkeit und Freundschaft.“

Worte, die verblüffen und doch wieder nicht. Wahrscheinlich sorgt der tägliche Umgang mit der Vergänglichkeit dafür, dass die Kompassnadel bei der inneren Suche hilft, den  Reichtum in sich selbst  zu entdecken.

Denn wohl erst dann werden das Herz ganz, die Seele weit und das (Nach)Denken stark.

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