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Hagenower Kreisblatt

20. Oktober 2017 | 20:12 Uhr

Neuhaus : Die Wintergäste sind gefiedert

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Landwirte mit bewirtschafteten Flächen in einer festgelegten Gebietskulisse werden für die Fraßschäden entschädigt

von
erstellt am 27.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Die Touristen bleiben über den Winter aus, die Betten sind leer. Dafür finden sich zigtausende, gefiederte Gäste über die Wintermonate in der Elbtalaue ein: Saat- und Blässgänse, Singschwäne und seltene Zwergschwäne überwintern hier. Sie lieben Raps und Wintergetreide, lassen sich in großen Gruppen auf den Feldern und Wiesen nieder.

Die Elbtalaue ist ein wichtiger Lebensraum für die Rastvögel. Es gibt in Niedersachsen zwar noch andere Rastgebiete, aber der überwiegende Teil der Saat- und Blässgänse hält sich im Elbetal auf. Auf dem Gebiet der Gemeinde Amt Neuhaus rasten die Vögel hauptsächlich in der Haarer Feldflur und in der Gegend zwischen Tripkau, Rassau und Bitter. Auf der linkselbischen Seite sind es die Gartower Marsch und die Lüneburgr Elbmarsch bei Radegast und Barförde. Die Höchstwerte der gezählten Vögel in den letzten neun Jahren lagen bei 75  000 Bläss- und 40  000 Saatgänsen. Auch bis zu 2300 Singschwäne überwintern hier, bei den selteneren Zwergschwänen sind es in Hochzeiten 1500. Ob es sehr viele Vögel sind oder eher wenige, ist immer sehr unterschiedlich und liegt natürlich an der Witterung.

Was bei Ornithologen und Naturfreunden große Begeisterung auslöst, hat die Landwirte nicht immer gefreut, kann es doch durch die Fraßschäden zu nicht unerheblichen Ernteausfällen kommen. Man hat versucht, die Vögel von bestellten Äckern zu vertreiben, aber das war meist nicht von Erfolg gekrönt. Die Gänse und Schwäne fliegen auf, setzen sich aber in näherer Umgebung wieder nieder und müssen durch den Energieverlust, den das Auffliegen bedeutet, im Ergebnis doch wieder mehr fressen.

„Wir waren auch gar nicht in der Lage, die Vögel zu verscheuchen, denn die Flächen sind groß und sind sie zudem nass, kann man nicht rauf“, so Klaus Niederhoff, der zusammen mit seinem Sohn in Stapel einen Marktfruchtbetrieb führt.


Landwirte erhalten Schadensausgleich


Er ist froh über das Gastvogelmangement und den Vertragsnaturschutz, der betroffenen Landwirten in Vogelschutzgebieten einen Schadensausgleich gewährt. „In einem aufwendigen Verfahren ist eine Gebietskulisse festgelegt worden. Innerhalb dieser Kulisse, die auch immer wieder angepasst wird, kann der Landwirt, der hier Flächen bewirtschaftet, einen Antrag auf Schadensausgleich stellen“, so Klaus Niederhoff. Das Programm läuft jeweils für fünf Jahre, inzwischen zum dritten Mal.

Die Gebietskulisse in der niedersächsischen Elbtalaue umfasst 11  000 Hektar, wobei nicht für jeden Hektar eine Entschädigung beantragt wird. Für den Winter 2015/2016 wurden aber immerhin 1,7 Millionen Euro an betroffene Landwirte ausgereicht.

Bisher wurde an jeden Landwirt mit Flächen im betroffenen Gebiet gezahlt, wenn er denn einen Antrag gestellt hat. In Zukunft sollen die entstandenen Schäden begutachtet und geschätzt werden und je nach Schadensausmaß Zahlungen erfolgen. Die Nordischen Gastvögel ficht das alles nicht an, sie machen sich ab Anfang März wieder auf in ihre Brutgebiete in der arktischen Tundra.

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