Kaarssen : Die Wiederbelebung eines Ortes

Freudig stehen die „Neu-Kaarßener“ Sina Dürkop und Tobias Scheibner vor der alten Post, die jetzt die Räume ihrer Praxis beinhaltet.
Freudig stehen die „Neu-Kaarßener“ Sina Dürkop und Tobias Scheibner vor der alten Post, die jetzt die Räume ihrer Praxis beinhaltet.

Kaarßen bekommt nach einem Optiker nun auch eine Physiotherapiepraxis und erwacht deswegen etwas aus dem Dornröschenschlaf

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01. April 2018, 05:00 Uhr

Schön war es in Kaarßen. Hatten doch die Einwohner des Ortes an der Bundesstraße 195 die Gelegenheit, alles Notwendige zu Fuß zu erreichen. Da ging der Weg zunächst zur Post, um sich danach sein Brot vom Bäcker und die Wurst aus dem Konsum zu holen. Sogar ein Blumenstrauß für die Frau konnte zwischendurch noch schnell besorgt und in den Fahrradkorb gelegt werden. Auch mit Fragen bezüglich des Geldes haben sich die Kaarßener beruhigt an die Mitarbeiter der Bankfiliale im Ort gewendet.

Doch diese Zeiten sind lange verjährt. Nun ist in dem Dorf im Oberamt, der sogar einmal Schulstandort war, nicht mehr viel los. Das Fußballturnier vom ansässigen Sportverein ist bloß noch eine schöne Erinnerung. Im Konsum, der die Wendezeit überdauerte, finden sich jetzt antike Möbel und allerlei mehr. Schließlich schloss auch der Bäcker, der zum Ende eine gewisse Grundversorgung für den Ort gewährleisten wollte, altersbedingt die Tür zu seinem Verkaufsraum. Zwei Jahre ist dies auch schon wieder her.

Aus diesem Grund mag es für viele Kaarßener den Anschein gehabt haben, dass die Bürgersteige des Ortes nahe der Elbe tagsüber gar nicht mehr herunter geklappt wurden. Der Arzt und die zwei Friseure hielten sich zwar tapfer, aber wenn anderweitige Sachen erledigt werden mussten, war der Weg nach Neuhaus, Dömitz oder Lübtheen unabdingbar.

Doch seit noch nicht allzu langer Zeit ist für den Ort im Oberamt und dessen Einwohner ein gewisser Silberstreif am Horizont zu sehen. Dieser kommt zwar aus einer ganz anderen Sparte als erhofft und erwartet, veranlasst aber auch den Kaarßener Wolfgang Schley zu der Aussage: „Es ist schön, dass hier wieder etwas Leben rein kommt und vor allem etwas passiert.“ In Kaarßen hat sich neben dem erst kürzlich niedergelassenen Optiker nun auch ein Paar dazu entschlossen, eine Physiotherapiepraxis mit Kosmetik und Fußpflege zu eröffnen. Ein Entschluss, den Schley im Gespräch mit der SVZ begrüßt: „Gerade die Physiotherapie ist ja sehr gut für die Leute hier und kann gleich von Beginn an helfen.“

Hinzu kommt, dass sich die Inhaber Sina Dührkop und Tobias Scheibner nicht nur unternehmerisch nach Kaarßen verirrt haben. Sie ziehen auch direkt über ihre Praxis ein und bereichern somit auch das Alltagsleben des Ortes. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sind sich die beiden, die zuvor bereits selbstständig im niedersächsischen Adendorf gearbeitet haben, einig.

Dührkop kommt dabei sogar zurück zu ihren Wurzeln. Ist die 29-Jährige doch in Hagenow geboren, bevor sie wegen der Arbeit durch ganz Norddeutschland und sogar auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs war. Scheibner hingegen ist ganz neu im Amt. Der 30-Jährige stammt ursprünglich aus dem Erzgebirge, ist sich aber sicher: „Hier ist die Welt noch in Ordnung. Wir sind sehr posititv aufgenommen worden und freuen uns, hier in Kaarßen zu sein.“

Außerdem freut sich das Paar natürlich auf die Eröffnung ihrer Praxis am 4. April. Dabei hat es unbewusst sogar einen gewissen Bogen geschlagen, um bereits vergangene Zeit wieder etwas aufleben lassen zu können. Den Weg zur neuen Praxis dürften nämlich vor allem ältere Kaarßener kennen. Denn wo jetzt die Massageliegen stehen, wurden früher, in der ehemaligen Post, Briefe abgestempelt.

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