zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 07:09 Uhr

Brahlstof : Die Waldmacher

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

„Firma A + E“ bringt unter anderem Eichen-, Linden- und Buchenpflanzen in den Boden / Im Auftrag der Kunden bundesweit auf Tour

von
erstellt am 27.Okt.2014 | 16:47 Uhr

In Christian Schlaks Büro klingelt permanent das Telefon. Aufträge und Bestellungen gehen in diesen Tagen im Stundentakt ein. Hochkonjunktur bei der A + E GmbH in Brahlstorf. Herbstzeit ist auch die Saison des Bäumepflanzens im Wald. Diese Aufgabe übernimmt das 2006 gegründete Unternehmen bundesweit.

„Wir sind so eine Art Bindeglied zwischen den Forstämtern und privaten Waldbesitzern einerseits und den Baumschulen andererseits“, sagt Geschäftsführer Schlak. „Gibt es irgendwo etwas Aufzuforsten, kommen wir in Spiel.“ Mittlerweile haben die Mitarbeiter des Unternehmens fast 14 Millionen kleine Forstpflanzen wie Eichen, Buchen, Linden, Kiefern oder Douglasien fast überwiegend per Hand in die Erde gebracht. Die Pflanzfläche entspricht  etwa der Größe von 2800 Fußballfeldern. Laut aktuellem Auftragsbuch werden es allein in den nächsten zwei Monaten 885 000 Setzlinge sein, die beispielsweise nahe Potsdam, Goslar, Wuppertal, Radelübbe oder Ludwigslust in den Boden kommen. Außerdem müssen noch 45 Kilometer Zaun zum Schutz vor Wildverbiss errichtet werden. 

Den Job erledigen zumeist Saisonkräfte. In wenigen Tagen werden es etwa 70 sein, die für die Nordfiliale der  A+E arbeiten. Die Waldarbeiter stammen überwiegend aus der Slowakei, Rumänien, Bulgarien und Polen.  „Obwohl wir Mindestlohn zahlen, sind nur wenige Deutsche dabei“, sagt Schlak. „Es finden sich nur wenige, die wie beim Zirkus mehrere Wochen umherreisen wollen.“ Denn so ähnlich läuft das Prinzip bei den Forstdienstleistern. Kommt ein  Auftrag , machen sich je nach Volumen ein oder mehrere Gruppen im Kleinbus und ausgestattet mit Pflanzutensilien und waldtauglicher Kleidung  auf dem Weg zum jeweiligen Zielort. Dort werden Wälder komplett  neu oder nach Wind- und Schneebruch wieder aufgeforstet. Außerdem werden deutschlandweit Bäume zum Ausgleich für Biogas-, Windrad- und Solaranlagen  durch die Mitarbeiter gesetzt.    In die Erde gebracht werden vorwiegend heimische Gehölze, die als gebündelte Setzlinge in der Regel von der nächstgelegenen Baumschule angeliefert bzw. abgeholt werden.  Wenn es sein muss, läuft die Arbeit auch  sonntags.  

Der erste Teil der  Pflanzsaison dauert bis Weihnachten, von März bis Mitte Mai folgt der zweite. Im Sommer erfolgen Pflege- und Mäharbeiten. Die „Waldmacher“ von Brahlstorf geben sogar eine „Anwuchsgarantie“.  85 Prozent der gesetzten Pflanzen müssen bis zum Sommer nach der Herbstpflanzung angewachsen sein. Falls nicht, kann der Auftraggeber Ansprüche geltend machen.

Neben dem Standort  Brahlstorf bestehen noch Niederlassungen  im Westerwald, im Vogtland und Bulgarien. Die drei Geschäftsführers kannten sich bereits aus der Forstbranche, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagten.

„Um die Jahrtausendwende war zu merken, dass die Forstämter immer mehr Waldarbeiterstellen abbauten.  Die Baumschulen wurden beauftragt, nicht nur Pflanzen zu liefern, sondern auch gleich die Pflanzungen vorzunehmen. Viele der gelernten Gärtner wußten aber nicht viel über die forstlichen Gegebenheiten. Da erkannten wir die  Marktlücke.   Wir kannten  den Wald und wir kannten uns mit Baumschulen aus“, erinnert Schlak sich, der aus Lübtheen stammt, Forstwirtschaft studierte und zwischenzeitlich mehrere große Forstbaumschulen wie  die in Pinneberg leitete.   Zum Unternehmensstart sorgte ausgerechnet ein Orkan für  wirtschaftlichen Schwung.  „Kyrill“ hatte 2007 vor allem in den Wäldern eine Schneise  gezogen. Der Bedarf an Wiederaufforstung war danach  immens.

Auch der bislang größte Auftrag des Unternehmens geht auf einen Sturm zurück. Die Schäden, die Orkan „Xynthia“ im Frühjahr 2010 anrichtete, führten dazu, dass die Firma für das Forstamt Brilon im Hochsauerland 661 000 Pflanzen innerhalb von sechs Wochen in den Boden brachte. 

Zukunftssorgen für das Unternehmen sehen  Schlak und seine neun Festangestellten in Brahlstorf nicht. „ Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt und es wird sicherlich weiterhin gut laufen. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung gewinnt weiter an  Bedeutung.  Es gilt, mehr Rücksicht auf die sensiblen Waldstandorte zu nehmen. Die Alternative zu Humusverletzungen und Bodenverdichtungen durch schwere Forstmaschinen ist  und bleibt Handarbeit.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen