Schweinezucht Neuhaus : Rosiener fürchten weitere Belästigungen : Die Wahl zwischen Lärm und Gestank

Die Maisernte für die Biogasanlage in Darchau läuft. In Neuhaus in der Parkstraße musste gestern der Traktor auf den Gehweg ausweichen. Die Leerfahrten über die Parkstraße  sind laut städtebaulichem Vertrag gar nicht erlaubt und müssten über den  Wirtschaftsweg an der alten Ziegelei erfolgen, es sei denn, er ist gerade nicht befahrbar. Maria Nielsen
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Die Maisernte für die Biogasanlage in Darchau läuft. In Neuhaus in der Parkstraße musste gestern der Traktor auf den Gehweg ausweichen. Die Leerfahrten über die Parkstraße sind laut städtebaulichem Vertrag gar nicht erlaubt und müssten über den Wirtschaftsweg an der alten Ziegelei erfolgen, es sei denn, er ist gerade nicht befahrbar. Maria Nielsen

In Rosien will der Betreiber der Ferkelaufzucht und Biogasanlage den Tierbestand moderat erhöhen, von bisher 850 Großvieheinheiten auf dann 960. Die Kapazität der Biogasanlage aber soll um etwa das Fünffache steigen.

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26. September 2012, 06:32 Uhr

Neuhaus/Rosien | Bürgerversammlung im "Hotel Hannover": über 60 Männer und Frauen sitzen an Tischen und hören den Ausführungen zu, die die geplante Erweiterung der Ferkelaufzucht und Biogasanlage in Rosien betreffen. Hier will der Betreiber, Coen Verhaegh, den Tierbestand moderat erhöhen, von bisher 850 Großvieheinheiten auf dann 960. Die Kapazität der bestehenden Biogasanlage aber soll um etwa das Fünffache steigen. Für Verhaegh stellt die Erweiterung eine Optimierung seines Betriebes dar, wie er sagt.

Rosiener leiden seit Jahren unter fiesem Gestank

Für die Rosiener gibt es bisher nur eine Assoziation mit der Schweinezucht Neuhaus GmbH, nämlich Gestank. Sie leiden seit Jahren darunter. Und sie haben es in der Hand, ob die Erweiterung der Biogasanlage genehmigt wird oder nicht. Denn für so eine große Biogasanlage ist eine Bauleitplanung erforderlich. Darüber müssen die Ratsmitglieder abstimmen. Die Mehrheitsfraktion im Rat aus SPD/BAN und Linken hat immer klargestellt, nichts gegen den Willen der Rosiener Bürger auf den Weg bringen.

Am Ende der zum Teil ermüdenden Ausführungen schält sich immer deutlicher heraus: die Rosiener haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Bitten sie die Mehrheitsfraktion, keine Satzung für einen Bebauungsplan zu beschließen, kann Verhaegh die Biogasanlage nicht erweitern. Er kann aber den Tierbestand erhöhen . Bettina Blankenhagen aus dem Bauamt machte deutlich: ohne Bauleitverfahren, sprich ohne Erweiterung der Biogasanlage, wird es wohl weiter stinken. Mit einer Bauleitplanung schwindet dann wahrscheinlich der Gestank, aber die Beeinträchtigungen durch eine vielfach erweiterte Biogasanlage steigen, wie die Lärmbelästigung durch erhöhte Transportzahlen. Coen Verhaegh hatte am Abend im "Hotel Hannover" allerdings unterstrichen, er werde auf jeden Fall eine Luftwaschanlage bauen, die die Geruchsbelästigung erheblich mindern würde. Manfred Römer aus Rosien erinnerte sich hingegen, dass ihm der Landwirt das schon vor mehr als einem Jahr versprochen hatte.

Natürlich möchte der Betreiber der Schweinezucht Neuhaus, dass seine Pläne verwirklicht werden können, er hat schon viel in die Planungen investiert. Aber auch der Verwaltung ist anzumerken, dass sie das Vorhaben für gut befindet. Sie ist besonders daran interessiert, dass Verhaegh auf seine Kosten die Gemeindestraße instand setzt.

Alles richten soll ein städtebaulicher Vertrag zwischen Gemeinde und Betreiber, der genau enthält, was der Betreiber der Anlage darf und was nicht, wann zum Beispiel die Transporte durchgeführt werden dürfen. Oder welche Schadenersatzzahlungen anfallen, wenn der Betreiber sich in Punkten nicht an den Vertrag hält. Die Gemeinde Amt Neuhaus hat Erfahrungen mit der Ausarbeitung so eines Vertrages. Eine städtebaulicher Vertrag besteht zwischen ihr und der Agrarvereinigung Darchau. Bis ins Detail ist alles geregelt. Nicht geregelt ist, wer eigentlich überprüft, ob die Vorgaben eingehalten werden. Zum Beispiel sollen Leerfahrten "bei bestehender Befahrbarkeit über den Wirtschaftsweg an der alten Ziegelei durchgeführt werden und nicht durch das besonders kritische Nadelöhr von Neuhaus Parkstraße/Lange Reihe" heißt es. Demnach müsste der Wirtschaftsweg zurzeit nicht befahrbar sein, denn gestern donnerten die Traktoren mit leeren Anhängern durch die Parkstraße. Wer das wohl überprüft hat?

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