zur Navigation springen

Pferdezucht : Die „Vorzeigetypen“ von Redefin

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die spannende Zeit in der Deckstation beginnt

von
erstellt am 27.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Für Fehrbellin ist das Ganze noch recht aufregend. Der dreijährige Hengst darf in diesem Jahr zum ersten Mal in den Einsatz, den Deckeinsatz – Er ist ein Neuling auf diesem Gebiet. Auf dem Landgestüt Redefin entwickelte sich Fehrbellin vom Fohlen zu einem „Vorzeigetyp“. Er ist nun für die Pferdezucht in Mecklenburg-Vorpommern und deutschlandweit vorgesehen. Seine Nachkommen sollen einmal exzellente Dressur- und Springpferde werden.

Fehrbellin ist einer von insgesamt 31 Zuchthengsten, die das Landgestüt führt. In der EU-Besamungsstation Redefin ist Hans-Joachim Frahm als Deckstellenleiter für die Pferde verantwortlich. Er weiß genau, was ein geeigneter Hengst für diese Aufgabe mitbringen muss: „Sie müssen erst einmal eine Leistungsprüfung ablegen“, erklärt der 58-Jährige. Dann erst dürfen sie decken. „Wie erfolgreich die Zucht dann wird, lässt sich aber erst über die Nachkommen feststellen“, so der Redefiner weiter. Erst, wenn die Nachzucht in den Sport geht, sich in Wettbewerben unter Beweis stellt, lässt sich die „Qualität“ bewerten. „Für Züchter ist das ein langer Weg.“ Auch wenn Fehrbellin, der junge Hoffnungsträger, einen bravourösen Veranlagungstest vorweisen kann, er bestes Dressurblut in sich trägt und mit seinem Springtalent überrascht – „Über einen dreijährigen Zuchthengst lässt sich anfangs leider nur wenig sagen“, erzählt der Deckstellenleiter. „Er muss sich noch beweisen.“

Für Hans-Joachim Frahm und seinen Kollegen und Stellvertreter Mario Kabbe geht es jetzt in die „heiße Phase“. Sie stehen direkt vor der „Decksaison“, die meist im Februar beginnt und bis Juli andauert. „Hier sind die Stuten aufnahmefähig“, erklärt Gestütsleiterin Antje Kerber. Im vergangenen Jahr kam es in dieser Zeit zu mehr als 400 Deckeinsätzen. „Das ist eine sehr erfreuliche Zahl“, so Kerber weiter. Die Saison 2015 habe eine höchst erfreuliche Steigerung der Bedeckungszahl gebracht. „Und wir hoffen natürlich, dass sich der Trend auch fortsetzt.“ Die Pferdezucht befand sich noch vor ein paar Jahren in einem Tief. In den Jahren von 2011 bis 2014 gab es bundesweit einen enormen Rückgang. „Vom Jahr 2014 zu 2015 verzeichnen wir dann aber eine Steigerung von satten 27 Prozent, das ist echt gewaltig“, erzählt Kerber.


Jeden Tag gehen neue Bestellungen ein


Mit Vorfreude auf die kommende Zeit, bereitet das Gestüt nun die Deckstation für ihre Einsätze vor. „Erfahrungsgemäß hat sich die Hauptsaison ein wenig nach hinten verschoben, die aktive Zeit beginnt Mitte März“, erzählt Mario Kabbe. Bis jetzt wurde erst eine Stute besamt. Doch die beiden Pferdewirte haben auch so allerhand zu tun. Auf ihrer Station befinden sich derzeit 16 Hengste in zwei Ställen.

Morgens um sechs beginnt der Arbeitstag der Redefiner. Dann heißt es Pferde versorgen, Ställe ausmisten und auch Untersuchungen stehen an. „Wir testen jedes Sperma unter dem Mikroskop, die Dichte, die Menge und die Bewegung, das wird dann in den Akten festgehalten“, erklärt der Deckstellenleiter. In der aktiven Zeit gehen dann zusätzlich jeden Tag die Bestellungen der Züchter ein, die bis zum Nachmittag versandfertig aufbereitet werden müssen.

Die Pferdezucht ist ein Arbeitsprozess, der kaum noch auf natürlichem Wege durchgeführt wird. „In Mecklenburg-Vorpommern werden rund 80 Prozent abgesamt, portioniert und versendet. Ganz unromantisch also“, so die Gestütsleiterin. Rund 20 Prozent seien nur noch „Natursprungbedeckungen“ und ein Prozent gehe tiefgefroren an die Kunden. Trotz allem könnten sich die beiden Pferdewirte kaum eine bessere Arbeit vorstellen. „Wir freuen uns über jede Stute, die trächtig wird. Wenn man sieht, es hat gut geklappt, dann ist man auch zufrieden“, erzählt Hans-Joachim Frahm, der bereits seit seiner Lehrzeit 1974 hier am Landgestüt ist.


Zuchthengste für MV und die ganze Welt


Der größte Teil der Züchter, die Interesse an den Hengsten haben, stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch deutschlandweit sind die Pferde gefragt, vereinzelt sogar im Ausland. Am 5. März werden sich die 31 Hengste noch einmal vor allen Interessierten der Pferdezucht zeigen, dann findet die große Hengstpräsentation in Redefin statt. Für Hans-Joachim Frahm und Mario Kabbe mit die spannendste Veranstaltung in der Deckzeit, von der viel abhängt. Hier werden ihre Tiere begutachtet und bewertet. „Es ist wichtig, dass sich die Hengste gut präsentieren“, so der Pferdewirt. „Es werden hohe Erwartungen in uns gesetzt. Und die Konkurrenz ist groß“, fügt sein Kollege hinzu.

Bei dieser Veranstaltung müssen sich Fehrbellin und seine Mitstreiter von ihrer besten Seite zeigen. Die beiden Pferdewirte sorgen in den kommenden Tagen noch für den nötigen Feinschliff. Und dann sind die „Vorzeigetypen“ von Redefin bereit für die diesjährige Saison, in der sie wieder für interessante Nachkommen sorgen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen