Schaalsee Zarrentin : Die Ur-Maräne ist wieder im See

Vorsichtig übernehmen die Fischer vom Schaalsee die kostbare Fracht, um später ihre Schützlinge liebevoll an verschiedenen Stellen im See zu verteilen.  Fotos: Pohle (2)
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Vorsichtig übernehmen die Fischer vom Schaalsee die kostbare Fracht, um später ihre Schützlinge liebevoll an verschiedenen Stellen im See zu verteilen. Fotos: Pohle (2)

Tausende Exemplare der Schaalseemaräne schwimmen wieder im Schaalsee / Chancen der gefährdeten Art verbessern sich

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09. Juni 2015, 08:00 Uhr

Es kommt selten vor, dass alle Fischer des Schaalsees an einer Stelle sind. Wenn sie dann alle auch noch ein wenig aufgeregt sind und auch noch der Chef des Biosphärenamtes Klaus Jarmatz aus dem Lächeln kaum noch herauskommt, dann muss etwas ganz Besonderes angekündigt sein.

Die Stars des Tages, um die sich die Aufregung drehte, waren so um die vier Zentimeter klein, wendig und kamen zu Tausenden in einem Spezialtank. Aus den Winzlingen sollen in einigen Jahren möglichst prächtige Exemplare der Großen Maräne (lat. Coregonus holsatus) heranwachsen. Wenn sie denn überleben im wilden Schaalsee. Damit die kleinen Fische, die untrennbar zum Schaalsee gehören, besser gedeihen, wurden sie von den Fischern liebevoll über den Schaalsee verteilt.

Rund 14000 vorgestreckte Exemplare dieser ursprünglichen „Schaalseemaräne“ wurden durch die drei ansässigen Fischereibetriebe im See verteilt. „Die Tiere hat der Fischer Hans-Werner Thomas vom Drewitzer/Alt Schweriner See angeliefert. Im letzten Winter hatte er von den dort lebenden Groß-Maränen Laich gewonnen und erbrütet. Die geschlüpften Fischlarven wurden dann ca. 3 Monate bis auf eine Größe von 4 cm vorgestreckt und nun an den Schaalsee ausgeliefert“, schreibt dazu Elke Dornblut vom Biosphärenamt. Nur noch im Drewitzer See/ Alt Schweriner See habe sich nach aktuellen genetischen Untersuchungen von Dr. Ralf Bastrop (Universität Rostock) noch ein stabiler reproduktiver Bestand der Ursprungsart der Schaalseemaräne erhalten. Dieser See wurde in den 30er Jahren mit Maränen aus dem Schaalsee besetzt. Die dort lebende Population sei daher möglicherweise ohne Alternative für die Wiedereinbürgerung der ursprünglichen Maränenart geeignet.

Es geht nicht nur um den wohl schmeckenden Fisch, der in den kommenden Jahren gefangen und verkauft werden kann. Es geht auch um die Erhaltung einer wichtigen Art. Und so gehört die Freisetzung der Fische zum
länderübergreifenden Projekt zur wissenschaftlich begleiteten Wiedereinbürgerung der Schaalseemaräne Das Artenschutzprojekt, wird über die Fischereiabgabe der Länder M-V und S-H finanziert. „Mit im Boot“ sind u.a. die Fischer vom Schaalsee sowie vom Drewitzer/Alt Schweriner See sowie die Fischereibehörden der Länder. Das ganze Projekt mit allen nur denkbaren Kontrollen und Beobachtungen ist bis 2017 ausgelegt.

Nach der Roten Liste der Südwasserfische gilt die Maräne als extrem seltene und stark gefährdete Art. Da sie zudem nach europäischen Recht (Flora-Fauna-Richtline Anhang V) geschützt ist, hat Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art.

Weiter schreibt das Amt dazu: „Noch bis etwa 2001 erfolgten regelmäßig Besatzmaßnahmen des Sees mit der Großen Maräne. Allerdings wurden dabei Arten mit unterschiedlicher genetischer Herkunft verwendet. Dies hat mutmaßlich zu einer Beeinträchtigung und ggf. Verdrängung der ursprünglichen Schaalseemaräne geführt. Die eigentliche endemische „Schaalseemaräne“ gilt im Schaalsee als verschollen, wie 2014 durchgeführten genetische Untersuchungen gezeigt haben.“

Bis die jetzt ausgesetzten Exemplare in einem Kescher und dann in der Pfanne landen vergehen nach Schätzungen der Fischer und des Restaurantbetreibers Johann-H. v. Bernstorff gute fünf Jahre. Dann aber.....

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