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Lüneburg/Neuhaus : Die Sitzung, die Geschichte schrieb

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Auseinandersetzungen im Kreistag zur Brücke werden im Landkreis auf Jahre ihre Spuren in der politischen Landschaft hinterlassen

von
erstellt am 21.Jul.2015 | 20:11 Uhr

Sie haben am Montag alles, wirklich alles versucht, die Befürworter der Brücke aus dem Amt Neuhaus. Vom normalen Protest mit Plakaten und Flugblättern vor der Sitzung, über das Verteilen von frisch gebackenen Broten aus der Elbtalaue, bis hin zum Auftritt des Chores. Und auch die Bürgerfragestunde im Kreistag wurde von den Brückenbefürwortern deutlich dominiert. Gebracht hat es am Ende nichts.

Zu denen, die auch wirklich alles versucht haben, die Planungen am Laufen zu halten gehörte die CDU-Fraktion. Erst versuchte sie noch in letzte Minute, das Thema Brücke von der Tagesordnung zu bekommen, wurde aber überstimmt. Dann ging die CDU zum direkten Angriff (SVZ berichtete) über. Und die Angriffe gingen in vielen Fällen schon bis ins Persönliche. So konfrontierte die CDU jeden SPD-Abgeordneten mit dem Ergebnis der Bürgerbefragung zur Brücke vom Januar 2013 aus seinem Wahlkreis, um ihm oder ihr die Frage zu stellen, ob sie denn gegen die Mehrheit des Bürgerwillens verstoßen wolle.

Diese Bürgerbefragung spielte immer wieder eine ganz wichtige Rolle. Während die CDU und auch Gisela Plaschka von der FDP das Ergebnis ganz klar bei 71,9 Prozent für die Brücke sahen, schätzten die SPD und die Grünen das Thema anders ein. Sie sprachen von einer eingeschränkten Mehrheit, da es ja eine dritte Frage mit der Deckelung des Kreisanteils auf zehn Millionen Euro gab.

Nächster wichtiger Streitpunkt in der Debatte waren die Unterhaltskosten, die dem Kreis drohen würden. Da war von mindestens 800 000 Euro im Jahr die Rede, die sich der Kreis jedenfalls nicht leisten könne.

Die Kreistagsdebatte am Montag in Lüneburg war so grundsätzlich, dass sie noch lange Spuren hinterlassen wird. Und schon in der Sitzung wurde von verschiedenen Seiten gemutmaßt, dass der Wähler bei der Wahl im September 2016 das zu würdigen wissen werde.

Beachtet wurden die starken Worte in der Sitzung. Meinhard Perschau von der CDU sprach von „dunkelsten Sitzung, die es in diesem Kreistag je gegeben hat. Neuhaus bleibt ein Anhängsel. Wir lehnen Brücken ab, im Zweiten Weltkrieg wurden sie gesprengt“, erklärte er unter stürmischen Prostest von SPD und Grünen. Prof. Dr. Hinrich Bonin von der SPD mahnte dann auch, dass ihm das ganze Thema viel zu ernst sei, um es emotional abzuarbeiten. Er, für sich, habe das Thema rational entschieden. Oliver Glodzei von den Grünen versuchte sich dem Thema spöttisch und mit Übertreibungen zu näheren. Selbst mit einem Holzsteg über die Elbe würde es von der Finanzierung her nicht klappen. Das Ganze sei doch nur der Versuch der CDU, eine neue Wahlkampf-Finanzierung zu schaffen um „die rot-grüne Hexe in den Oppositionsofen zu schieben.“

Drastische Worte fand aber auch Wilhelm Castens von der CDU: „Was tun wir den Bürgern eigentlich an, welche Hoffnungen nehmen wir ihnen. Wir zahlen Eintritt, um uns gegenseitig im Landkreis zu besuchen. Keine Fähre kann eine Brücke ersetzen.“

Bittere Ironie verströmte auch Dieter Hublitz als ehemaliger Bürgermeister von Neuhaus und CDU-Mitglied. Er gab am Ende den symbolischen Spaten, der den Bau der Brücke symbolisieren sollte, an den SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz-Josef Kamp zurück.

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