Boizenburg : Die Simulation kurzer Nächte

Liebevoll muss der Babysimultator im Arm gehalten werden, damit es kein „Schreikonzert“ gibt.
Liebevoll muss der Babysimultator im Arm gehalten werden, damit es kein „Schreikonzert“ gibt.

Drei Jugendliche stellten sich in Boizenburg der schwierigen Aufgabe eines Babypraktikums

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03. April 2018, 12:00 Uhr

Etwas müde und abgekämpft wirkten Annabelle, Eileen und Benjamin, als sie sich am Donnerstagmorgen im Versammlungsraum des Jugendfreizeithauses „Luna“ in Boizenburg trafen. Sie hatten jedoch auch allen Grund dazu. Schließlich haben sie sich bereits am Montag dazu bereiterklärt vier Tage ihrer Ferien zu opfern, um ein Babypraktikum zu absolvieren. Im Zuge dieser Übung bekommen Jugendliche die Chance, zu erleben, wie das Leben mit einem Neugeborenen ist. Dazu verteilte Andrea Milkau von der DRK-Schwangerenberatung in Hagenow echten Babys nachempfundene Simulatoren an die Heranwachsenden und wusste gleich mit der Übergabe zu berichten: „Vor den schlaflosen Nächten haben die meisten Respekt.“

Benjamin und Annabelle, die Schüler an der Rudolf-Tarnow-Schule sind und von ihrer IB-Schulsozialarbeiterin Simone Siebrecht über das Praktikum informiert wurden, ließen sich durch diesen Umstand jedoch nicht abschrecken. „Ich passe schon viel auf kleine Kinder auf und wollte mal sehen, wie es ist, wenn man sich den ganzen Tag um ein Baby kümmern muss“, erklärt die 15-jährige Annabelle den Grund ihrer Entscheidung. „Bei mir war es mein Vater. Der will einmal sehen, ob ich Verantwortung übernehmen kann und wie ich mit ihr umgehe“, verkündet der 14-jährige Benjamin, der gleich seine Freundin Eileen, die eigentlich im niedersächsischen Hohnstorf zu Hause ist, mit ins Boot geholt hat. Auch ihr war der Respekt vor der Aufgabe der nächsten vier Tage anzumerken, aber auch ebenso die Neugier auf die eigene Leistung.

Und ebendiese wurde von Milkau bei der Auswertung am Donnerstag auch gleich anerkennend hervorgehoben: „Egal, was die Daten, die der Simulator während der Zeit gesammelt hat, aussagen, von mir bekommt ihr jetzt schon die volle Punktzahl.“ Schließlich wusste die DRK-Mitarbeiterin um die Mühe, die alle Teilnehmer aufwenden mussten. So ist es allen gelungen, ihr Kind, dass sie sofort am Montag mit einem Namen versehen und einer Geburtsurkunde ausgestatten haben, so zu behandeln, dass es sich, auch wenn es real gewesen wäre, wohlgefühlt hätte. Dennoch sind sich die drei Jugendlichen auch darüber einig: „Noch könnte ich nicht für ein Baby sorgen.“ Eine Reaktion, die gerade Milkau nachvollziehen und gutheißen kann, da sie die Jugendlichen nicht nur vor schlaflosen Nächten bewahren, sondern ihre Jugend genießen lassen möchte.

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