Vellahn : Die Sache mit dem Kalk-Speicher

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Wieviel Teilhabe am Windpark ist für eine Gemeinde erlaubt? Die Skepsis der Bürger ist mit Händen zu greifen

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12. November 2015, 12:00 Uhr

In dem Vellahner Ortsteil ist in diesen Tagen ein neues Kapitel in dem Buch der vielen unendlichen Geschichten zur Windkraft geschrieben worden. Ausgang? Ungewiss. Denn zu vieles bleibt Planung, zu lang sind die Zeiträume, zu aufwändig die bürokratischen Hürden.

Eigentlich sollte die Gemeindevertretung Vellahn mit einem Unterstützungsbeschluss zu einem so genannten Zielabweichungsverfahren  das Projekt auf die nächste Stufe befördern. Daraus wurde jedoch im letzten Moment nichts, weil es Warnung vom Städte- und Gemeindetag gab (SVZ berichtete bereits).

Worum geht es? Die Lindenhof GmbH aus Kloddram will als landwirtschaftlicher Betrieb und Investor nahe Kloddram einen Windpark bauen, zwischen dem Ortsteil Albertinenhof, Ruhetal und Zühr. Aktuell ist von elf Anlagen die Rede, die mit ihren Rotorblättern die Höhe von 200 Metern erreichen werden.  Nach derzeitiger Gesetzeslage darf es den Park nicht geben, weil die gültige Regionale Planung, dieses Gebiet gar nicht dafür vorgesehen hat. Genau das soll sich mit der neuen Planung aber gerade ändern. Damit man aber trotzdem planen kann, muss das Zielabweichungsverfahren her.

Damit das aber überhaupt Sinn macht, reichen einfache Windräder und ein lokaler Investor nicht. Daher haben sich die Befürworter des Projektes die Sache mit einem Kreislauf über besonders wirksame Speicher einfallen lassen. Überflüssiger und nicht abzuleitender Strom soll in diesen Speichern umgewandelt werden, um später als verlässliche Wärmequelle zur Verfügung zu stehen. Die Rede ist von Containern, die sich das umkehrbare Prinzip von Kalk brennen und Kalk löschen zu Nutze machen. Das Ganze wird von der Lüneburger Universität wissenschaftlich betreut und soll marktreif sein. Mit diesen Containern ließen sich die Schule, der Kindergarten und sogar das Schwimmbad beheizen. Interessant ist auch, dass die Einwohner von Kloddram über jährliche Zahlungen direkt beteiligt werden sollen. Und auch die Gemeinde könnte nach einem Modell am Umsatz beteiligt werden. Als Gewinn winken Hunderttausende Euro. In der zweiten Variante würde die Gemeinde Anteile kaufen und bekäme noch mehr Gewinn. Soweit die Rechnungen und Modelle.

Bei den Bürgern, denen das alles in dieser Woche umfassend vorgestellt wurde, war die Skepsis spürbar. Es gab sehr viele Fragen. Zur Abstandsregelung  (aktuell sind es 1000 Meter zu Wohngebäuden), zum Lärm, zum Schattenwurf, zu Vorhaben der anderen Gemeinden, zu drohenden Wertverlusten der Häuser. Alles wurde sehr sachlich gefragt und auch beantwortet.  Spürbar war, der Investor will das Projekt, die Bürger zögern und warten ab. Das gilt auch für Beteiligungsformen, die ihnen sehr umfangreich angeboten wurden. Ein ausgewählter Kreis kann sich an dem Projekt beteiligen, zu versprochenen Zinsen im Bereich von immerhin bis zu fünf Prozent. 

Und die Gemeinde? Die hatte sich schon per Beschluss   grundsätzlich zur Windkraft bekannt. In letzter Minute vertagte sie sich aber, weil sie von den Juristen des Städte- und Gemeindetages in ungewöhnlich deutlicher Form vor den Tücken einer Beteiligung gewarnt wurde.

Nun wird hinter den Kulissen schon in dieser Woche neu beraten, werden Informationen eingeholt. Und noch in diesem Jahr, so bestätigte  es Bürgermeister Ulrich Stein gestern, will sich die Gemeindevertretung zum Thema Windpark Kloddram noch einmal verständigen.

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