"Die Ossis von Namibia" - Filmabend in der Synagoge

Viele der erwachsenen 'Ossis' arbeiten heute als Anwälte und Journalisten.privat
Viele der erwachsenen "Ossis" arbeiten heute als Anwälte und Journalisten.privat

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15. April 2010, 07:53 Uhr

Hagenow | Am Donnerstag, 22. April, um 19 Uhr wird in der Alten Synagoge in Hagenow der Dokumentarfilm "Die Ossis von Namibia" von Klaus-Dieter Gralow, Hans Thull und Roger Pitann gezeigt. Ein Gespräch mit dem Filmemacher Klaus-Dieter Gralow wird sich anschließen.

Im Zentrum des Films stehen die Biographien junger Namibier, die in der DDR aufwuchsen. Ihr Herkunftsland wurde seit dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft im Ersten Weltkrieg von Südafrika verwaltet. Trotz internationaler Beschlüsse, Namibia in die Unabhängigkeit zu entlassen, hielt Südafrika das Land auch in 1970er und 80er Jahren weiterhin besetzt.

Kinder wurden der Heimat mehr und mehr entfremdet

Der Guerilla-Krieg der Befreiungsarmee SWAPO gegen die südafrikanische Armee dauerte jahrzehntelang an. Tausende Menschen flohen ins Ausland. Der SWAPO-Führer Samuel Nujoma bat daraufhin sozialistische und kommunistische Länder, Waisen und Kinder von Kriegsflüchtlingen aufzunehmen. Etwa 430 drei- bis siebenjährige Kinder gelangten zwischen 1979 und 1987 in der DDR, wo sie u. a. im Jagdschloss Bellin bei Güstrow untergebracht wurden. Die Kinder erhielten in der DDR eine gute Schulausbildung und wurden darauf vorbereitet, die Führungselite in einem freien Namibia zu bilden. Obwohl neben der deutschen Sprache auch Sprache und Kultur der namibischen Heimat vermittelt werden sollten, wurden die Kinder ihrer Heimat doch mehr und mehr entfremdet. Sie verinnerlichten die deutsche Kultur und Sprache.

Nach der Wende überstürzte Rückkehr nach Namibia

Nach der friedlichen Revolution in der damaligen DDR im Herbst 1989 und der lang ersehnten namibischen Unabhängigkeit am 21. März 1990 kam es für die Kinder und Jugendlichen zu einem scharfen Bruch. Sie mussten im August 1990 überstürzt nach Namibia zurückkehren, teils ohne ihre Schulausbildung angeschlossen zu haben. Im Film kommen die Betroffenen selbst zu Wort, die nach ihrer Rückkehr nach Afrika als "Ossis von Namibia" bezeichnet wurden.

Viele der nun erwachsenen "Ossis" fanden teils sehr qualifizierte Arbeit als Anwalt, Journalistin, Vermesser, Brauer, Arzthelferin oder Krankenschwester. Andere aber leben auf der Straße oder sind an Aids gestorben. Ihre Schicksale sind sehr unterschiedlich, die Zeit in der DDR hat sie aber alle gezeichnet.

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