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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 06:51 Uhr

Neuhaus : Die Opfer gehen uns heute noch an

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gedenkveranstaltung zum Kriegsende im Amt Neuhaus in der Oberschule / Schüler stellen Ergebnisse ihrer Spurensuche vor

von
erstellt am 11.Mai.2015 | 13:03 Uhr

Was bedeutet erinnern? Jemanden nicht zu vergessen. Aufmerksam machen. Zu Bedenken geben. Diesen Aufgaben haben sich die neunzehn Konfirmanden der Kirchgemeinden unter der Leitung von Pastor Matthias Schieferdecker und vier Schülern aus der Geschichts-AG der Neuhauser Oberschule unter der Leitung von Herrn Nitsche gestellt. In einer gemeinsamen Veranstaltung der Oberschule, des Vereins für Bürgerbegegnung und der evangelischen Kirchengemeinden haben die Schüler ihre Spurensuche zum Kriegsende im Amt Neuhaus vorgestellt.

„Dass junge Menschen aus meiner Gemeinde die Erinnerung wach halten, finde ich richtig und wichtig“, lobt Bürgermeisterin Grit Richter das Engagement der Schüler. Ihr Einsatz hat auch den Dipl.-Pädagogen Hans-Wolfgang Lesch (ehemals Leuphana-Uni Lüneburg) begeistert und ihn für eine Mitarbeit bei dieser Gedenkveranstaltung gewinnen können. In seinem Einführungsvortrag „Gegen das Vergessen: Geschichte erinnern – Zukunft gestalten“ geht er der Gestaltung von Erinnerung als individuellem und kollektiven Gedenken anhand der drei Denkmäler (Germania, Kirchhof und Friedhof) in Neuhaus nach. Das Kriegsende im Amt Neuhaus habe sehr viele Opfer gefordert, diese „Opfer gehen uns heute noch an“, so Lesch.
70 Jahre Befreiung vom Faschismus: Aus diesem Anlass haben Jonas Prey, Julian Baumgärtner, Sylvio Michel und Niclas Wendt – inspiriert durch die Arbeit von Werner Hüls, wie sie anmerken - Zeitzeugen nach ihrem Erleben des Kriegsendes mit der Videokamera befragt. Bernhard und Bärbel Jakobus, Georg Kröpke und Gisela von Rautenkranz berichten von erbittertem Kampf der Wehrmacht gegen die vorrückenden Alliierten, dem u.a. viele – noch zum Wehrdienst eingezogene Jugendliche - zum Opfer fallen, dem Leid der Flüchtlinge, die in Neuhaus und Umgebung strandeten, zerschossenen Häusern und Existenzen, Tieffliegereinsätzen, Angst, Schrecken, Gewalt und Not. „Es war eine grausame Zeit, die ich niemandem wünsche“, so Gisela von Rautenkranz im Interview. Besonders unter die Haut geht der Vortrag von Schüler Sylvio Michel, der das schriftlich gefasste Interview mit Dörte Haase vorliest. Für Momente des Innehaltens und eigenen Erinnerns sorgen Solveig Hachtmann und Sophie Bösche (Quer- und Blockflöte) mit einem Largo von Johann Pepusch und dem Klagelied des Hirten Pan „Syrinx“ aus der Feder von Claude Debussy.

Swetlana Senk und fünf ihrer Kinder, Maria aus Polen und ihr Baby, Hilda Richter aus Neuhaus mit ihren Kindern Herbert und Helga, Auguste und Meta Kast, Johanna und Edith Januschewski – mit individuell gefertigten Namensschildern erinnern die neunzehn Konfirmanden an die fünfzehn namentlich bekannten Opfer des Granatenangriffs auf den unterirdischen Schutzbunker im Hof des Neuhauser Kantorhauses in der Nacht auf den 1. Mai 1945 (dem Tag, der Neuhaus das Ende des Krieges brachte), verlesen ihre Namen und die wenigen überlieferten persönlichen Daten.

Den kompletten Beitrag finden Sie im e-paper Programm unserer Zeitung und natürlich in der Printausgabe am Dienstag.


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