Lehsen : Die Motel als fieser „Landräuber“

Früher habe es hier zwei Eisvogelpärchen gegeben. Die seien längst weg, weil sie hier keine Bruthöhlen mehr graben könnten. Auch Forellen seien verschwunden, moniert Wilfried Gäbler und zeigt auf die Motel-Uferabbrüche hinter seinem Haus.  Fotos: Thorsten Meier
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Früher habe es hier zwei Eisvogelpärchen gegeben. Die seien längst weg, weil sie hier keine Bruthöhlen mehr graben könnten. Auch Forellen seien verschwunden, moniert Wilfried Gäbler und zeigt auf die Motel-Uferabbrüche hinter seinem Haus. Fotos: Thorsten Meier

Lehsener Wilfried Gäbel wirft Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale Untätigkeit vor/ dieser weist Anschuldigungen zurück

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02. April 2015, 08:00 Uhr

„Seit 2003 bis zum heutigen Tag hat mir die Motel mindestens 280 Quadratmeter meines rund 2500 Quadratmeter großen Landes geraubt“, schimpft Wilfried Gäbel. Der 71-Jährige beäugt den Nebenfluss der Schilde jeden Tag mit ein bisschen mehr Misstrauen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Motel sich zwei Meter weiter in die Ufer gefressen und so ihre Breite nahezu verdoppelt. Auch in Lehsen, wo der Fluss mäandert. Naturbelassen fließt er dort in Schleifen und damit langsamer als in den von Menschenhand begradigten Abschnitten. Doch dadurch gräbt sich das Wasser in die Ufer. Und lässt so langsam aber stetig Böschungen und Uferkanten abbrechen.

„Früher gab es hier mal zwei Eisvogelpärchen, über die wir uns als sehr scheue Mitbewohner riesig gefreut hatten. Die sind längst weg, weil sie hier keine Bruthöhlen mehr graben können. Auch Forellen konnten wir früher regelmäßig beobachten“, erinnert sich Gäbel enttäuscht. Mindestens zehn Mal habe er schon auf das Problem aufmerksam gemacht, doch nichts passiere. Er habe auch schon aus Verzweiflung selbst versucht, die Ufer wieder zu befestigen, beispielsweise mit Rasenschnitt und Steinen. Stattdessen müsse er nach wie vor Grundsteuern und Beträge für sein Bodeneigentum bezahlen, obwohl es um mindestens 280 Quadratmeter kleiner geworden sei. Der zuständige Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale stelle sich taub.

Das will die Körperschaft des öffentlichen Rechts so nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen. Man kenne das Problem schon seit langem und wisse natürlich um den Ärger des Lehseners, sagt Diplom-Ingenieur Andreas Schwebs. Er ist Geschäftsführer des gescholtenen Verbandes und habe bereits mehrfach das Gespräch zu Wilfried Gäbel gesucht.

„Wir haben 2014 auf beiden Seiten in einer Länge von etwa 1,5 Kilometern die Böschungen mit Wasserbausteinen gesichert und gefestigt. Denn auch der Eigentümer auf der anderen Seite hat bisher rund 300 Quadratmeter Land verloren. Dafür haben wir nach Rücksprache in der Verbandsversammlung ungefähr 20 000 Euro aus den Rücklagen genommen, um die Ufer nach anerkannten Regeln der Technik zu sanieren.“ Die Motel sei ein natürliches Gewässer. Im Landeswassergesetz stünde, wie mit ihr umzugehen sei, betont Schwebs weiter.

„Paragraf 57 regelt darin beispielsweise eindeutig die Bildung eines neuen Gewässerbettes.

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