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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 17:01 Uhr

Rodenwalde : Die Milch-Ladies von Rodenwalde

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gleich sechs Hochleistungskühe des Betriebes haben die Schallmauer von 100000-Liter-Milch als Lebensleistung geschafft

von
erstellt am 29.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Sie heißen Piccolina, Stefanie, Annette, Maria, Carola und Nicole, wiegen alle so um die 750 Kilogramm und gehören nun offiziell zur Champions-Klasse bei den Milchkühen. Denn alle diese Rodenwalder Rinder haben in den vergangenen Monaten die Schallmauer von 100000 Litern Milch als Lebensleistung erreicht. „Das schaffen vielleicht ein Prozent aller Kühe, unser Durchschnitt liegt ungefähr bei 36000 Litern“, freute sich Hans-Peter Greve, Geschäftsführer und Inhaber des Milchhofes Rodenwalde.

Seine „Ladies“, so werden sie in dem Ortsteil von Vellahn tatsächlich genannt, sind allerdings mit ihren zehn  bis zwölf Jahren recht eigensinnig. Es dauerte gut 30 Minuten, bis die Hochleistungskühe aus dem Stall und   in eine  Linie gebracht waren. Die Mitarbeiter hatten ihre liebe Mühe, die schwarzbunten Kolosse im Zaum zu halten.

Offiziell gab es die Würdigung durch Annegret Wilken, sie ist Leistungsinspektorin beim Landeskontrollverband.  Ihr zur Seite stand Adolf Altmann, früherer Chef des Betriebes, der mit seinem Team die Grundlage für die heutigen Erfolge des Milchhofes gelegt hat.

Denn Rodenwalde gehört mit aktuell 1850 Milchkühen und noch einmal 800 Jungrindern zu den ganz Großen der Branche im Land. Inhaber Greve hat überhaupt kein Problem damit. „Die Tatsache, dass bei uns so viele Kühe diese Schallmauer durchbrochen haben, zeigt doch, dass auch Tiere in sehr großen Beständen gesund leben und bleiben können. Bei uns hat jede Kuh neun Quadratmeter zur Verfügung, der Biostandard legt gerade mal  fünf  Quadratmeter fest.“

Den größten Teil des Futters baue man selbst an, da, wo es gehe, würden die Kühe auch auf die Weide kommen. „Antibiotika, das Thema können wir uns gar nicht leisten. Nichts wird strenger kontrolliert als die Milch und das täglich. Sollte man da einmal Spuren von Antibiotika finden, wären wir mit 80000 Euro Strafe dran“, erzählt Greve mit Blick auf die Kritik von Tierschützern an der Massentierhaltung. Gerade die Größe seines Betriebes habe es ermöglicht, die vergangenen schwierigen Monate zu überstehen, in denen es nur 22 Cent pro Kilogramm Milch gab. Inzwischen werden so um die 33 Cent gezahlt. Rodenwalde liefert den Großteil seiner Milch, das sind täglich so um die 55000 Liter, zur Molkerei nach Wismar.

Und die Milch-Champions? Diese Kühe haben in ihrem Leben neun  bis elf Kälber zur Welt gebracht und geben pro Melkvorgang oft  12 Liter Milch und das dreimal am Tag. Die Tiere der Rasse „Deutsche Holstein“ (Schwarzbunte) werden von 37 Mitarbeitern betreut und zum Beispiel in Gruppen zu 200 Tieren gemolken. Nicht alle Melker sprechen mehr deutsch, der Anteil der polnischen Mitarbeiter ist gestiegen, die ersten haben sich mit ihren Familien bereits in der Nähe angesiedelt. „Wir haben in Deutschland irgendwann  keine Arbeiter mehr gefunden“, weiß Greve.

Prüferin Annegret Wilken lobt derweil den Betrieb und die Leistung der Kühe. Gäbe es wohl nur eine Kuh, die mal die Leistung von 175000 Litern erreicht hätte. In Rodenwalde ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass ein oder zwei der Milch-Champions mal in die Nähe dieser Leistung kommen.

Doch das ist kein Muss. Denn schon jetzt sind diese Rekordkühe älter als viele der anderen Kühe in den hochmodernen Ställen. Und gerade ist ein neuer Stall für 1,2 Millionen Euro fast fertig. Er soll die Jungrinder aufnehmen, die derzeit noch in alten Stallungen aus DDR-Zeiten stehen. Mangelnder Tierschutz und Größe des Bestandes, da besteht   für Greve überhaupt kein Zusammenhang. Und er verweist auf eine Studie aus Sachsen-Anhalt. Ergebnis: Projektbetriebe, die ihre Kühe tiergerecht hielten, wiesen geringe Tierverluste, eine lange Nutzungsdauer, eine hohe Lebenserwartung auf. Betriebsgröße und hohe Leistungen standen einer tiergerechten Haltung nicht per se entgegen, heißt in der Studie, die in der Zeitschrift „Elite“ jüngst veröffentlicht wurde.

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