Bruchmühle Vellahn : Die Kunst, ein Denkmal zu retten

Bei Volkmar Kurkhaus scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Seine Bruchmühle ist eine Reise in die Vergangenheit.
Bei Volkmar Kurkhaus scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Seine Bruchmühle ist eine Reise in die Vergangenheit.

Volkmar Kurkhaus lebt seit 1984 in der historischen Bruchmühle bei Vellahn und kämpft gegen deren Verfall.

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22. November 2017, 12:00 Uhr

Es erde ihn, in einem alten Haus zu wohnen, gesteht Volkmar Kurkhaus. Der heute 69-Jährige hat sich 1984 hoffnungslos in die Bruchmühle verliebt, wie der gebürtige Zeitzer weiter verrät. „Seitdem haben sich meine Perspektiven geändert, ich wertschätze jeden noch so kleinen Luxus“, sagt der Sachsen-Anhaltiner im SVZ-Gespräch, der sich dem 1610 erstmals erwähntem Gemäuer innerlich verbunden fühle. Weil er mittlerweile lebe, was ihm sein Herz sagt.

„Während des 30-jährigen Krieges wurde sie komplett zerstört, jedoch später wieder aufgebaut. Die Mühle erhielt 1840 während einer Restauration ihr heutiges Aussehen, wobei die Einrichtung vollständig erhalten blieb. 1880 ersetzte eine Turbine das ursprünglich oberschlächtige Wasserrad, das seit acht Jahren wieder vorhanden ist. Später folgten Dieselmotor und Elektroantrieb. Anfang der 70er-Jahre stellte die Kornmühle ihren Betrieb ein, die Technik blieb weitestgehend erhalten“, berichtet der Senior, den man nur in grüner Latzhose und blau-weiß-gestreiftem Fischerhemd kennt.

Ein Klassentreffen war der Auslöser

Ein Klassentreffen in Schwerin und die Begegnung mit dem späteren Landeskonservator Dieter Zander waren die Initialzündung für die Suche nach einem geeigneten Objekt in Mecklenburg-Vorpommern. „Ich bin durchs ganze Land gereist, etwa fünf Jahre lang und habe mir mindestens 15 Immobilien angeschaut, bis es mich nach Vellahn verschlug. Ina Hildebrandt, die Vorbesitzerin und eine gebürtige Barkholz, bei denen seit dem 17. Jahrhundert die Mühle in Familienbesitz war, hatte noch bis 1972 das Korn der Bauern zu Schrot gemahlen.“

Dass sich der Zahn der Zeit und die Jahreszeiten bereits arg an dem historischen Denkmal zu schaffen gemacht haben, ist unübersehbar. Die Kunst, diese in die Natur so harmonisch eingebettete  Liegenschaft zu retten, verlangt ein sensibles Händchen. „Die Mühle soll behutsam restauriert werden, möglichst mit alten Materialien. Der Betrachter soll das Gefühl haben, die Müllerin ist nur mal kurz weg und kommt gleich wieder“, erklärt Kurkhaus, der früher als freischaffender Grafiker und Innenarchitekt über mehr Geldmittel verfügte, um seine nunmehr über 400 Jahre alte Wassermühle zu bewahren. Die Ziegel, originale Biberschwänze,  beispielsweise sammelte er mit Freunden und Weggefährten in der Umgebung zusammen, als sie keiner mehr haben wollte. Kredite sind für den Lebenskünstler keine Option. Wie solle er die denn noch zurückzahlen, fragt Kurkhaus nicht ganz unberechtigt. Denn mindestens 60 000 Euro wären alleine für die marode Technik nötig, damit sich die Mühlenräder wieder bewegten. Den Mühlteich hat Kurkhaus auf seine Kosten wieder ausbaggern lassen, als dieser verlandet war. Kürzlich fand sogar im Vellahner Gotteshaus ein Benefizkonzert statt, das Freunde organisiert hatten. 400 Euro waren da zusammengekommen. Geld, das Kurkhaus für Dachpappe und Kleber verwenden kann, um die notdürftigsten Löcher im Dach zu flicken. Besonders das an der Rundung sei undicht, sagt Kurkhaus. Der Gesamtzustand des Gebäudes sei eigentlich gar nicht so schlecht, wie es vielleicht den Anschein habe. „Viel, was mit Holz gemacht werden muss, bekomme ich selber hin. Mein Vater war Tischler, da habe ich viel mit den Augen geklaut“, weiß der Mühlenbesitzer weiter zu berichten.

Auf dem Lehmherd köchelt ein Gulasch

„Werkstatt für Kultur“ prangt auf einem Schild am Haus. Neben der Tür zur urigen Küche räkelt sich eine rotbraune Katze. Auf dem alten mit Holzscheiten befeuerten Lehmherd köchelt ein Gulasch. Mit ein bisschen Fantasie  lässt sich erahnen, wie unter diesem altehrwürdigen Dach einst gelebt, geliebt und gestritten wurde. Der abgegriffene Tisch in der Müllerstube hätte, wenn er könnte, sicher vieles auszuplaudern. Nun müssen die Hände ertasten, was heute die Vergangenheit genannt wird.

„Der Tisch steht wieder dort, wo er schon vor ein paar Hundert  Jahren  stand. Hier sieht man beispielsweise noch das   Muster zum Nähen von Kleidung, dass das   Rädchen hinterlassen hat“, freut sich Kurkhaus, der es mag, mit den alten Dingen sein Leben zu teilen. „Wenn man genau  hinhört, erzählen sie alle ihre Geschichte“, schmunzeln Kurkhaus. Und er gibt sie gerne zum Besten. Jedem, der vorbeischaut oder anruft. Wer mag, wird auch rumgeführt, durch die Jahrhunderte, in eine Zeit, die in der Bruchmühle stillzustehen scheint. Thorsten Meier

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