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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 11:30 Uhr

Bresegard : Die Kranich-Lady von Bresegard

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Seniorin fühlt sich verpflichtet, Lebensraum von Zugvögeln zu erhalten. Mit zigtausenden Fotos dokumentiert sie ihre Beobachtungen

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2017 | 11:45 Uhr

Die Kamera hat Karin-Ose Röckseisen auf ihren Touren immer griffbereit. Die 78-jährige ist seit Kurzem offiziell eine eingetragene Kranichbeobachterin. „Den Titel habe ich bekommen, weil ich liefere und meine Kranichsichtungen dem Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG) melde“, so Röckseisen. Zigtausende Fotos hat sie in den vergangenen Jahren geschossen, nicht nur von Kranichen, aber die grauen Vögel haben es ihr besonders angetan.

„Angefangen hat alles mit einem Schlüsselerlebnis am 1. Dezember 2009“, erinnert sich Röckseisen. „Wir hatten gerade den Hof in Bresegard bezogen, als morgens plötzlich ein Kranich auf dem Feld direkt vor dem Haus stand.“ Die Begegnung sollte der Startschuss für ihre Beobachtungen werden, die inzwischen, so gibt die Seniorin zu, ein gewaltiges und zeitintensives Hobby sind. So wie jetzt im März kämen schon mal sieben Stunden am Tag zusammen. „Um 4.30 Uhr klingelt mein Wecker“, so Röckseisen, „dann fahre ich meine erste Runde zwischen Bresegard, Redefin und Groß Krams.“ Sehen kann sie die Kraniche frühmorgens zwar noch nicht, aber hören reiche ihr völlig aus. Mittags und abends folgen weitere Touren und die Dokumentation. „Ich speichere alle meine Fotos und Videos mit Datum und Ort“, erklärt Röckseisen. „Nur jedes fünfzigste ist dabei so gut, dass es wissenschaftlich auswertbar ist.“

Vor allem Kraniche, die Ringe tragen, interessieren das LUNG. So bekommt die Behörde einen Überblick über die Flugrouten, Lebensräume und Anzahl der Vögel. Dass Kraniche auf ihrem Zug Richtung Norden auch rund um Bresegard halt machen, war schon bekannt, bevor Karin-Ose Röckseisen mit ihren Beobachtungen startete. So richtig seien sie aber nicht beachtet worden, meint die Vogelfreundin. Vielleicht, weil sie den Landwirten ein Dorn im Auge seien. „Viele Bauern pflügen ihre Felder sofort nach der Ernte oder legen sie trocken, dann finden die Kraniche keine Nahrung mehr bzw. fühlen sich nicht wohl. Das ist ein großes Problem.“ Daneben sei auch die Windkraft eine Bedrohung. „Wenn bei Bresegard Windräder gebaut werden, ist der Flugkorridor hier zerstört“, äußert sich Röckseisen besorgt. Pläne dafür gibt es schon. (SVZ berichtete)

Zurzeit hat die Kranich-Lady aber ihre Lieblinge noch direkt vor der Haustür. Um die 3000 habe sie allein dieses Jahr rund um Bresegard gezählt, während die Vögel nach Nahrung suchten oder ihre Balztänze aufführten. „Auch wenn die großen Gruppen langsam wieder abziehen, gibt es noch die Chance, die scheuen Vögel zu beobachten“, so Röckseisen. „Bis Ende März stehen sie auf den Äckern neben den Straßen zwischen Redefin und Bresegard.“ Interessierte sollten dann am besten ein Fernglas oder eine Kamera mit Teleobjektiv dabei haben, in respektvoller Entfernung am Straßenrand anhalten und die Vögel aus dem Auto beobachten. Dann könne man den Kranichen ungestört zusehen und schöne Fotos schießen. „Mit viel Glück entdeckt man ab und zu einen mit bunten Beinringen. Diese markierten Vögel sollten dann mit Angaben von Ort und Zeit der Beobachtung an die Vogelwarten gemeldet werden“, wünscht sich Röckseisen. So könnten nicht nur die Naturliebhaber, sondern auch die Fachleute von den Kranichbeobachtungen profitieren.

Kranichsichtungen und Fotos können sie melden an: Diplom-Biologe Thomas Heinicke vom Kranichinformationszentrum, Mail: thomas.heinicke@kraniche.de.



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