Boizenburg : Die Kapelle als erstes Projekt

Sie sind auf der Suche nach Gleichgesinnten für einen Förderverein: Regina Hass (l.) und Alexander Jordt sowie Patricia Friedrich. Der Verein will sich als erstem Projekt der Sanierung dieser Kapelle auf dem Friedhof widmen.
Sie sind auf der Suche nach Gleichgesinnten für einen Förderverein: Regina Hass (l.) und Alexander Jordt sowie Patricia Friedrich. Der Verein will sich als erstem Projekt der Sanierung dieser Kapelle auf dem Friedhof widmen.

Neuer Verein will sich am 20. September gründen und wertvolle Grabmale und bauliche Anlagen des Friedhofes erhalten

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02. September 2020, 05:00 Uhr

Ein neuer Verein steht in den Startlöchern. Sein Interesse gilt einem besonderen Terrain. Seit rund 240 Jahren spiegelt es einen Teil der städtischen Geschichte und Erinnerungskultur. Dabei zeigt sich der etwa 50 000 Quadratmeter große Boizenburger Begräbnisplatz und Landschaftspark in einer Einzigartigkeit, die geschützt sein will. Fachleute sprechen von starken Argumenten, die im Dezember 1996 dazu führten, die
Boizenburger Anlage in die neu aufgestellte Denkmalliste des Landkreises aufzunehmen.

Ein Privileg, das landesweit wohl nur drei Friedhöfe erfuhren. Boizenburg überzeugte mit seinen ablesbaren Strukturen der Vergangenheit im Wegesystem, das mit seinem Gehölzstand beinahe schon lauschig über die sechs Etagen führt. Dazu kommen die erhaltenen historischen Bauten, wie Grabmale und Denkmäler sowie Gruften. Dies zusammen ergebe ein Spiegelbild über eine jahrhundertelange Entwicklung, in solch einer Vollständigkeit, wie sie nur noch selten anzutreffen ist.

Für Alexander Jordt ist das ein verpflichtendes Erbe, dem er nicht nur von Berufs wegen für die Nachwelt eine Zukunft geben will. Er ist Mitarbeiter der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, die ihrerseits als Trägerin festlegte, dass künstlerisch oder historisch
wertvolle Grabmale und bauliche Anlagen sowie jene von bedeutenden Persönlichkeiten erhalten werden sollten. Alexander Jordt identifiziert sich mit dieser Aufgabe. Er will sie auch im Ehrenamt unterstützen und weiß auch schon, wie das wirksam geschehen könnte. „Wir gründen einen Verein, der sich diese Ziele auf seine Fahnen schreibt. Außerdem soll er der Verdrängung des Todes aus dem öffentlichen Bewusstsein entgegenwirken und auf die Geschichte des Friedhofes und seine Kultur aufmerksam machen“, warb er bei Regina Hass und Patricia Friedrich erfolgreich um erste Mitstreiter. Sie sind bei der Gründungsversammlung dabei. Diese beginnt am Sonntag, dem 20. September, um 16 Uhr in der alten Aussegnungskapelle. Zeit und Ort sind für die Geburtsstunde der künftigen Gemeinschaft Gleichgesinnter bewusst gewählt. Der Bund deutscher Friedhofsgärtner rief 2001 am 20. September den Tag des Friedhofes ins Leben, der immer am dritten Sonntag im September stattfindet. Sein Motto für dieses Jahr lautet: „Natürlich erinnern“.

Der Treffpunkt der Gründungsmitglieder entspricht dem ersten Projekt des Vereins. Die Kapelle unweit des Haupteinganges ist eine Perle. Die Witwe Sophia Elisabet Regass ließ sie errichten und machte sie 1788 dem Friedhof zum Geschenk. Der kleine Bau entstand im Fachwerk über einem niedrigen Feldsteinsockel. Charakteristisch ist sein barockes Mansarddach, das mittig eine offene Laterne krönt. Hier hatte früher ein Totenglöckchen seinen Platz. Unübersehbar sind indes die Spuren, die der Zahn der Zeit am Gebäude hinterließ. Zwar ist erfreulicherweise das Dach saniert worden, aber das Mauerwerk zeigt deutliche Schäden. Die Gefache drohen herauszufallen, wodurch das Fachwerk instabil wird. Das Schmuckstück hat an Glanz verloren. Mit vereinten Kräften will es das Trio wieder aufpolieren.

Übrigens wurde am 1. Mai 1778 traurigerweise ein Kleinkind auf dem Friedhof bestattet, das war die erste Beerdigung. Bis dahin erfolgte das für alle auf dem Kirchplatz. Die einstige Aussegnungskapelle wurde noch zu DDR-Zeiten auch als Trauerhalle genutzt. Danach erfolgte hierfür ein nahtloser Übergang in die neue Trauerhalle am Lauenburger Postweg.

Bei ihr hatten die Erbauer wohl weniger Wert auf schmückende Elemente als auf Funktionalität gelegt. Wer sich ebenfalls im neuen Förderverein engagieren möchte, wendet sich gern an
Alexander Jordt. Erreichbar ist er per E-Mail unter friedhofboizenburg@t-online.de oder persönlich auf dem Friedhof.

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