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Hagenower Kreisblatt

22. Oktober 2017 | 10:08 Uhr

Die Helfer sagen: Wir sind viele

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In der Notunterkunft Zahrensdorf sind die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer mittlerweile sehr gut organisiert und vernetzt

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 18:59 Uhr

In diesem Beitrag gibt es kein Foto, weil sich niemand mehr fotografieren lassen möchte. Die Angst geht um, um die eigene Sicherheit und die der Flüchtlinge, nicht zuletzt durch die Brandstiftung in der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Boizenburg. Doch ganz anders als beispielsweise in dem am Sonnabend veröffentlichten Leserbrief dargestellt, sind es viele, die helfen oder Kleidung und Lebensmittel spenden, und es werden immer mehr. Auch wenn sie nicht öffentlich ihre Identität preisgeben wollen, in ihrer Hilfe für die Flüchtlinge lassen sie sich keineswegs beirren. Selbstbewusst und perfekt organisiert meistern sie die anfallenden Arbeiten. Es sind Männer und Frauen jeden Alters und aus allen Schichten, sie kommen aus Zahrensdorf, Boizenburg und den Dörfern der Umgebung. „Wir genießen alle hier auch die Gemeinschaft unter den deutschen Helfern, die inzwischen entstanden ist“, erklären die drei Frauen, die an diesem Abend die Verpflegung des inzwischen dritten Durchgangs von Flüchtlingen organisieren. „Ich bin überrascht, wen ich hier inzwischen alles antreffe“, sagt eine von ihnen. „Ich hätte nie gedacht, dass diese Leute mal über ihren Schatten springen würden. Das macht mich stolz.“ Alle drei sind quasi von Anfang an dabei. „Ich habe eine Woche, nachdem die ersten Flüchtlinge angekommen sind, Essen und Lebensmittel gebracht. Und als ich das Chaos hier sah, habe ich einfach mitgemacht.“ So oder so ähnlich sind fast alle zu ihrer neuen Beschäftigung gekommen. „Es macht mich glücklich, dass ich in meiner Freizeit jetzt etwas so Sinnvolles tue“, ist das Statement einer von ihnen, das allen Dreien aus dem Herzen spricht. „Für uns sind die Begegnungen mit den Menschen hier eine große Bereicherung“, sagen alle. „Sie haben eine so interessante Kultur. Und sie lernen so schnell deutsch. Viele von ihnen sind sehr gebildet.“ Sie könnten ihr Englisch auffrischen und lernten nebenbei noch arabisch. Bemerkenswert sei auch die große Hilfsbereitschaft der Menschen, die gerade großer Not und großem Leid entkommen sind. In Zahrensdorf gibt es keine Geschirrspülmaschine, alles muss von Hand abgewaschen werden. „Sie fragen uns immer wieder, was sie tun können und machen dann mit, zum Beispiel, indem sie abwaschen. Auch die Männer.“ Sie zeigen mir eine Syrerin mit ihren zwei Söhnen. „Diese Familie ist inzwischen in Horst. Vorher waren sie hier in Zahrensdorf. Jetzt kommen sie aus Horst hierher, um selbst den Neuangekommenen zu helfen, ihnen beispielsweise zu erklären, wie das Leben bei uns funktioniert.“ Ein Mann aus Afghanistan organisiere gerade einen Workshop zum Bau von Drachen, die anscheinend in seinem Herkunftsland eine große Tradition haben. „Wir müssen ja etwas dafür tun, dass die Leute hier keinen Lagerkoller bekommen“, sagt ein Helfer einer anderen Gruppe, die vor der Tür die Arbeit der kommenden Tage bespricht. „Jetzt wird es kalt, da können die Menschen nicht mehr den ganzen Tag draußen bleiben.“

Ein Unterrichtsteam, das von einer Frau angeleitet wird, die „Deutsch als Fremdsprache“ studiert hat, gibt dreimal in der Woche Deutschkurse, die sehr gut angenommen werden.

Egal, in welches politische Gremium oder welche Verwaltungsinstitution man dieser Tage in Boizenburg und Umgebung kommt, man trifft auch dort vorwiegend auf Menschen, die sich darin einig sind, dass die Flüchtlinge nun einmal hier sind und dass ihnen geholfen werden muss. Das ist die Mehrheit.

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