Maräne ist Brotfisch der Fischer : Die heimlichen Stars des Schaalsees

<strong>Schaalsee-Fischerin</strong> Diana Rehbohm und Töchterchen Jette präsentieren frisch geräucherte Maränen. Im Hintergrund glänzt der Schaalsee. An den tiefsten Stellen misst er  über 72 Meter. Bei guter Wasserqualität wächst die Kleine Maräne hier gut.<fotos>Thorsten Meier</fotos>
Schaalsee-Fischerin Diana Rehbohm und Töchterchen Jette präsentieren frisch geräucherte Maränen. Im Hintergrund glänzt der Schaalsee. An den tiefsten Stellen misst er über 72 Meter. Bei guter Wasserqualität wächst die Kleine Maräne hier gut.Thorsten Meier

Die Schaalsee-Maräne ist der Stolz der einheimischen Fischer und zugleich Wappentier der Stadt Zarrentin. Einer Sage nach ist der Teufel für ihr exklusives Vorkommen in dem See verantwortlich.

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23. Juni 2012, 04:10 Uhr

Zarrentin | Einzigartig: Die Schaalsee-Maräne ist der Stolz der einheimischen Fischer und zugleich Wappentier der Stadt Zarrentin. Einer Sage nach ist der Teufel für ihr exklusives Vorkommen in dem See zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. Von Juni bis September, mitunter sogar bis in den Oktober hinein, je nach Außen- und Wassertemperatur, ist Maränenzeit und die Fischer auf dem Schaalsee haben jetzt Hochsaison. Sie heben momentan jeden Tag einen Silberschatz. Morgens funkelt es bereits silbrig in ihren Netzen. Die Maränenzeit hat begonnen. Das Einholen und Ausbringen der Netze startet fast schon mitten in der Nacht. Das begehrteste Schuppentier in ihren Maschen ist die Kleine Maräne, sie ist die Spezialität der örtlichen Seefischerei.

Maräne gilt in der Branche als Brotfisch

"Dieser Fisch ist besonders schmackhaft und wird von uns auch gern als ,Brotfisch’ bezeichnet. Was für die Ostsee der Hering, ist für uns die Maräne", erklärt Diana Rehbohm. Abschnitte des südlichen Schalssee-Bereiches, etwa 460 Hektar, bewirtschaftet die 41-Jährige seit 12 Jahren als Berufsfischerin. Von der jungen Frau erfährt man auch, dass die Planktonbildung im Frühjahr ganz wichtig sei für den Maränenbestand im See. "Die Maräne braucht diese kleinen Pflanzenteilchen als Nahrung. Im Übrigen ist der Fisch für uns auch ein wichtiger Bioindikator für sauberes, sauerstoffreiches Wasser", erzählt Diana Rehbohm, während sie zusammen mit Töchterchen Jette eine Kiste mit goldgelben und frischgeräucherten Fischlaibern präsentiert.

Derzeit werden täglich Netze gesetzt und gehoben

In der Hauptsaison, also jetzt, muss die Fischerin mit ihren vier Mitarbeitern samt Fischerfamilie montags bis sonnabends kräftig zupacken. Auch an den Wochenenden. "Derzeit werden täglich Netze gesetzt und gehoben. Da geht es morgens um Vier schon raus auf den See. Beim Zurückkommen warten bereits die ersten Kunden am Zarrentiner Fischerberg auf den Fang ", berichtet die gebürtige Zarrentinerin. In einer Tiefe von 15 bis 20 Metern schwimme die Maräne gegenwärtig. Diana Rehbohm: "In diesem Bereich fischen wir zur Zeit und holen dieses Jahr gute Fänge an Land."

Die Maräne sei ein Fisch mit vielen Namen, und auch im Bodensee und in der Müritz werde der begehrte Forellenfisch gefangen. "Geschmacklich hat die Herkunft keine Auswirkungen. Derzeit schmeckt er aber besonders gut", erklärt die Fischexpertin weiter. Sie selbst liebt es ganz besonders, die Maräne frisch gebraten gleich aus der Pfanne zu verspeisen. "Geräuchert oder süßsauer eingelegt, damit kann man mich aber auch nicht erzürnen", gibt Diana Rehbohm unumwunden zu und schmunzelt. Nur der Vollständigkeit halber erwähnt sie, dass dieser freundlich blickende Geselle, der zur Familie der lachsartigen Fische gehört, im westdeutschen Bodensee Felchen heißt und dort etwas kräftiger ist. "Ist aber im Prinzip das Gleiche", sagt Diana Rehbohm mit der Sanftmut der Nachgeborenen. Sie war schließlich gerade mal 18, als die Mauer fiel. Die Nachfrage nach Frischfisch, wie Forelle, Saibling, Hecht und vor allen Dingen zum Herbst hin Barsch und Karpfen ist groß. Und dann kommt auch noch der Räucherfisch, der im Ofen kontrolliert werden muss. Ein tagesfüllendes Pensum für die Fischwirtin. Die Einheimischen braucht Diana Rehbohm vom Wohlgeschmack der Maräne nicht überzeugen, sie schätzen ihn seit langem, Touristen müssen vielfach erst mit den Vorzügen der Silbrigen vertraut gemacht werden. "Mittlerweile reist ein Teil des Stammkundschaft auch schon von weiter an, um sich mit der Maräne zu versorgen", betont die Binnenfischerin. Während sie akribisch die Netze sortiert, um auch am nächsten Morgen wieder den Silberschatz vom Schaalsee zu heben.


Sagen und Geschichte: Wie die Maräne in den Schaalsee kam

Auch eine Braut des Herrn kann sinnliche Gelüste haben. So erging es einer Äbtissin in der Nähe des Schaalsees. Sie stammte vom Bodensee, wo die leckeren Maränen ihre Lieblingsspeise waren. Asketisch im Kloster weilend, hatte sie plötzlich ein großes Verlangen nach diesem herrlichen Fisch. Von ihrer Gier völlig übermannt, versprach sie dem Teufel ihre Seele, wenn er ihr dafür bis nachts um 12 Uhr ein paar Maränen bringen könne. Kaum beschlossen, bereute sie jedoch den Pakt. Also stellte sie die Uhr im Kloster um ein paar Minuten vor, sodass es gerade 12 Mal läutete, als der Teufel mit den Maränen über den Schaalsee flog. Vor lauter Wut über diese verlorene Seele warf der Teufel die Fische in den See. Wo sie seitdem der Brotfisch der hiesigen Fischer sind.

Das Zarrentiner Wappen wurde übrigens am 13. Mai 1922 durch das Mecklenburg-Schweriner Staatsministerium genehmigt und registriert. Geteilt; oben in Blau zwei silberne Maränen übereinander; unten in Rot ein liegender goldener Äbtissinnenstab mit nach vorn und abwärts gerichteter Krümme als Hinweis auf das Kloster. Das Wappen wurde von dem Schweriner Otto Menzel gestaltet.

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