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Bunt statt grau : Die Große Straße Wittenburg lebt

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Von tristen Fassaden der Hausruinen, leeren Fußwegen und bröckelnder Fahrbahn ist am Wochenende in der Großen Straße Wittenburgs nichts mehr zu sehen. Mit einem Fest ist sie nach knapp fünf Monaten eingeweiht worden.

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erstellt am 21.Okt.2012 | 07:00 Uhr

Wittenburg | Bunt statt grau: Von tristen Fassaden der Hausruinen, leeren Fußwegen und bröckelnder Fahrbahn ist am Wochenende in der Großen Straße Wittenburgs nichts mehr zu sehen. Mit einem Fest ist sie nach knapp fünf Monaten Bauphase eingeweiht worden - mit ihr "Die Große Potemkinsche Straße", an der sich viele Bürger beteiligt haben (SVZ berichtete mehrfach).

Für Bürgermeister Norbert Hebinck Anlass, "die schlechten 20 Jahre" abzuhaken, nach vorne zu schauen. "Wir hoffen auf gute nächste 20", sagt er und lässt die Kinder das Band zum letzten Abschnitt der Städtebausanierung durchschneiden. Am Montag in einer Woche wird sie wieder befahrbar sein. Autofahrer sehen dann statt grauer Ruinen viele bunte Hausfassaden, die Künstler und Bürger in den letzten Wochen geschaffen haben: die bestrickte Wand etwa, ein Theatervorhang, pinke Briefkästen, vergoldete Säulen neben schwarzem Mauerwerk... Eine Aktion, die Einwohner und Eigentümer wachgerüttelt hat. "Man hat gar nicht mehr den Blick dafür gehabt", sagt Bärbel Ley. Die Wittenburgerin schlendert durch die Straße und erinnert sich an den früheren Anblick. "Hier war mal so eine schöne Bibliothek. Es ist traurig anzusehen, dass jetzt alles verfällt", sagt Bärbel Ley zu ihrer Begleiterin Hiltrud Binger. "Ich würde mir von den Eigentümern wünschen, dass sie etwas tun", entgegnet diese.

Bei vielen Häusern habe sich bereits etwas getan, so Bürgermeister Hebinck. "Es gab eine wahnsinnige Resonanz in der Verwaltung. Über fast jedes Haus wurde gesprochen." Es gebe drei Bauanträge und Kaufanträge für zwei Häuser. Die Nummer 4 habe die Stadt sogar selbst gekauft, um mit Interessenten verhandeln zu können. Auch nach Zuschüssen für Sanierungen sei gefragt worden. "Eigentümer müssen sich allerdings beeilen. Die Städtebauförderung gibt es nicht mehr lange", erinnert Hebinck. Er ist optimistisch, dass sich künftig etwas tun wird.

Und noch etwas ist ihm aufgefallen. "Ich habe selten so viel mit Menschen gesprochen." Die Bürger bleiben stehen, schauen, überlegen, tauschen sich aus. Viele füllen die Karten von der "Großen Potemkinschen Straße" an den pinken Postkästen aus und verschicken sie. "Das zeigt doch, dass sie stolz darauf sind, was hier passiert", sagt Norbert Hebinck.

Stolz ist auch er. Auf die vielen Wittenburger, die mitgemacht haben. Wie Gisela Bartels. Sie ist eine der 52 Frauen, die in 1243 Stunden 22687 Meter Wolle zu einer Hausfassade verstrickt haben. Von Montagmorgen bis Freitagnachmittag "Für unsere Stadt", begründet sie ihren Elan. "Das ist zwar total verrückt. Aber das muss auch mal sein", sagt sie, froh, dass das Werk jetzt endlich hängt. Schließlich stecken "viel Arbeit, Herzblut und Emotionen" darin.

Genau das wollte das Künstlerteam um Ton Matton erreichen. Das aus Städtebaufördermitteln finanzierte Projekt soll sozial wiederbeleben. Geld würde nicht in Fassaden gesteckt, sondern in Menschen, die sie gestalten, die wieder miteinander sprechen.

Bis Mitte Januar bleibt erstmal alles so bunt in der Stadt. Es gibt sogar weitere Ideen, beschreibt Hebinck den Ansporn einiger Wittenburger. Was so ein Projekt für ganz Mecklenburg-Vorpommern bedeuten könnte, besprechen die Beteiligten heute mit Politikern des Landes vor Ort in Wittenburg. Für noch mehr bunte, lebendige Städte in MV.

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