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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 10:54 Uhr

Zarrentin : „Die Grenze im Kopf muss fallen“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Zarrentiner wollen ÖPNV-Anschluss und Bus-Direktlinie nach Büchen/VLP plant Erweiterung des Rufbussystems nach Boizenburg

„Für Zarrentiner ist es sehr umständlich und fast unmöglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Region Hamburg zu gelangen. Deshalb haben sich mehrere Bürger zusammengetan, um aktiv daran mitzuwirken, dass beispielsweise eine Busverbindung nach Büchen oder Ratzeburg eingerichtet wird“, erklärt Joachim Reimers sein Engagement. Der 68-Jährige ist vor drei Jahren in die Schaalseestadt gezogen. Wenn er mal nicht mehr Auto fahren könne oder wolle, was dann?

Hier pflichtet ihm Holger Weidner bei. Er ist aus Reinbek nach Zarrentin umgesiedelt, ebenfalls vor drei Jahren. „Die Grenze im Kopf steht wohl noch so fest, die muss endlich fallen und weg“, betont der 72-Jährige. Beide Senioren wollen sich nun dafür einsetzen, dass zwischen Zarrentin und Büchen eine bezahlbare, länderübergreifende Buslinie eingerichtet wir. Möglichst mit einem Fahrpreis, der Metropolregion-Charakter habe. „Einen Rufbus u. a. von Zarrentin nach Boizenburg zu starten, erscheint uns wenig erfolgversprechend, da für eine Fahrt zum Hamburger Hauptbahnhof viel mehr Zeit und höhere Kosten aufgebracht werden müßten als über Büchen.“

Er habe jüngst eine Freundin in Hamburg am Hafen besucht, berichtet Weidner. „Mit dem Bus bin ich nach Hagenow-Land, habe anderthalb Stunden auf den Zug gewartet und brauchte dann 45 Minuten bis Hamburg-Hauptbahnhof, von dort aus noch mal 12 Minuten bis zum Baumwall. Das Ganze hat mich hin und zurück rund 50 Euro gekostet. Das geht gar nicht.“

Zwischen Parchim und Plau funktioniere das Rufbussystem bereits super, sagt VLP-Geschäftsführer Stefan Löser auf Nachfrage unserer Redaktion. Eine Direktanbindung nach Büchen brächte keine Zeitvorteile, ist sich Löser sicher. „Eine Busverbindung zwischen Zarrentin und Büchen ist seitens des Landkreises als Aufgabenträger für den straßengebundenen ÖPNV bei der VLP nicht bestellt und meines Wissens auch künftig nicht geplant. Es hat wohl bereits in der Vergangenheit hierzu Gespräche zwischen der Gemeinde und der Kreisverwaltung über Kosten und Kostenteilung eines solchen Angebotes gegeben. Wir planen zurzeit im Auftrag des Landkreises und des Aufsichtsrates der VLP die Erweiterung des Modellprojektes Rufbus Parchim – Lübz – Plau am See für den gesamten Landkreis. Nach jetzigem Planungsstand soll es ein Richtungsband Zarrentin – Boizenburg über den Businesspark A24 mit guten Anschlüssen an die Bahn in Richtung Hamburg geben. Der wesentlich größere Nutzerkreis eines solchen Angebotes schafft aufgrund der Nachfragebündelung wirtschaftlichere Rahmenbedingungen als eine Direktverbindung von Zarrentin nach Büchen. Außerdem erhalten neben den Zarrentinern auch die Einwohner der zwischen Boizenburg und Zarrentin liegenden Ortschaften sowie die Boizenburger selbst ein starkes regionales ÖPNV-Angebot mit Anbindung einer großen Anzahl an Arbeitsplätzen. Entsprechende Gremienbeschlüsse vorausgesetzt, könnte dieses Angebot bereits im Dezember 2017 starten.“

Eine Buslinie Zarrentin-Gudow-Bahnhof-Büchen könnte auch Zarrentins Bürgermeister Klaus Draeger gefallen. „Das halte ich für begrüßenswert. Seit zwei Legislaturperioden sind wir beim ÖPNV-Anschluss nach Hamburg bereits am Ball.“ Der Wirtschafts- und Tourismusausschuss beschäftige sich sehr intensiv mit dem Thema. Auch mit den Bürgermeistern der Region sei das besprochen worden. Auf einer Fachtagung der Metropolregion in diesem Jahr habe man den Zarrentinern Unterstützung versprochen. In der Bürgerumfrage 2016 sei von Einwohnern der Wunsch nach einem Bus in Richtung Hamburg geäußert worden. Draeger: „Mir wäre aber auch die Rufbuslösung nach Boizenburg recht. Hauptsache wir kommen leichter nach Hamburg und Ratzeburg. Wir fühlen uns noch immer wie im Sperrgebiet in den alten Grenzen. Das muss endlich der Vergangenheit angehören.“

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