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Historische Glocke vom Klingelberg repariert : Die Glocke aus Besitz ist gerettet

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In Besitz gibt es einen Grund zu feiern: Die bronzene Glocke vom Klingelberg kann an ihrem 540. "Geburtstag" erklingen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn um ein Haar hätte ihr letztes Stündlein geschlagen:

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erstellt am 15.Aug.2012 | 11:11 Uhr

Besitz | In Besitz gibt es einen schönen Grund, um zu feiern. Die bronzene Glocke vom Klingelberg kann an ihrem 540. "Geburtstag" in neuer alter Schönheit erklingen. Das ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn um ein Haar hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Engagierte Menschen wollten das verhindern. Es gelang, die Glocke zu retten und damit ein seltenes Stück Brauchtum zu erhalten, erklären voller Freude Torsten Bechump und Ulrich Dreßler. Beide fügen begeistert und dankbar hinzu, dass dieser Erfolg sehr viele Väter hatte.

Doch der Reihe nach. Wenn Steine reden könnten, so heißt es, würden sie vielleicht Geschichten erzählen von heißen Vulkanen und rot fließender Lava, von hohen Bergen, von vergangenen Ozeanen, ausgestorbenen Tieren und manchmal sogar von Meteoriteneinschlägen. Könnte die Glocke sprechen, hätte auch sie über eine lange Zeit und eine Geschichte mit Happy End zu berichten. Ersteres bestätigt ein Sachverständiger, der anhand einer Inschrift herausfand, dass sie 1472 gegossen wurde. Dann hing sie vermutlich bis 1873 in einer Kapelle in Besitz. Diese musste, wie Torsten Bechump und Ulrich Dreßler wissen, aufgegeben werden. Zeitgleich entstand im benachbarten Blücher eine neue Kirche, in der von nun an die Menschen aus beiden Orten gemeinsam die Gottesdienste besuchen.

Von der Kapelle in Besitz blieb nur die Glocke erhalten und diente hauptsächlich als Totenglocke. Die Dorfbewohner läuteten sie am Morgen, nachdem eine Frau oder ein Mann aus Besitz verstorben war sowie am Tag der Beerdigung. Damit pflegen die Besitzer einen sehr selten gewordener Brauch. Seit 1932 geschieht das gleich neben dem gebauten Feuerwehrgebäude. Am Brink befindet sich etwas abseits vom Anger der Turm mit der Glocke, die diesem Platz wohl auch zu seinem Namen Klingelberg verhalf.

Bei der Entdeckung ihrer starken Beschädigung half der Zufall mit. Als Torsten Bechump dort Rasen mähte, fand er einen der sechs Kronenhaken von ihrer Aufhängung auf der Erde. Vier waren insgesamt, wie sich später herausstellen sollte, abgebrochen. Hätte niemand etwas unternommen, wäre die Glocke über kurz oder lang herunter gefallen und damit zugleich eine Tradition für immer verloren.

Doch die beiden Mitglieder des Kirchgemeinderates begannen rechtzeitig zu handeln und stellten dabei schon bald überrascht fest, dass sich um sie herum eine immer größer werdende Gemeinschaft Gleichgesinnter vereinte. Der Sachverständige hatte nicht nur das Entstehungsjahr der Glocke erkannt, sondern auch in seiner Stellungnahme erklärt, dass für eine Rekonstruktion der Glocke durchaus noch genug Bestandteil vorhanden sei. Auf etwa 6000 Euro schätzte er die Kosten für die Reparatur.

Dieses Geld wollten die Besitzer aufbringen. Dafür starteten sie ein Projekt. Dass es ein einziger Erfolg werden würde, hatten manche sicher gehofft, daran wirklich geglaubt hatte keiner. Alles lief wie am Schnürchen, meint später auch die Pastorin der verbundenen Kirchgemeinde Zahrensdorf/Blücher, Christina Jonassen und gerät bei der Erinnerung an die zahlreichen Aktionen förmlich in ein jubelndes Schwärmen. Für sie sei es einfach bewundernswert, wie viel Kraft, Ideen und Zeit die Menschen in die Rettung ihrer Glocke steckten. Die Liste der Beispiele dafür ist umfangreich. Da war eine kurzfristig ausgesprochene Einladung zum "Eis-Kalt-Vergnügen" auf dem zugefrorenen Dorfteich, der so viele Besucher folgten, dass eine beachtliche Spende überwiesen werden konnte, bei Haussammlungen spendeten auch Nachbarn aus Blücher, die Suche nach Fördertöpfen war z.B. bei der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg Schwerin und bei einer Stiftung in Doberan erfolgreich. Kurzum, der Betrag kam tatsächlich zusammen.

Günther Wöhl, Hartmut Timm sowie Eckhardt Mundt halfen beim Abnehmen der Glocke sowie beim Streichen des Turmes, für ein neues Dach über der Glocke sorgt Schlossermeister Andreas Schwedt. Den Transport zu einer Spezialwerkstatt im Süden der Republik und zurück übernahm Maik Pflughaupt, und ihre Aufhängung nach der Ankunft der Glockentechniker Andreas Kupsch aus Berlin.

Es müssten noch viele, viele Namen aufgezählt werden, um alle guten Seelen zu nennen, sagen Torsten Bechump und Ulrich Dreßler. Sie sind jedem dankbar, der sich einbrachte und freuen sich darauf, alle freundlichen Wegbegleiter am letzten Sonntag im September im Festzelt zu begrüßen. Dann feiern die Besitzer den 540. "Geburtstag" ihrer Glocke mit einem Festgottesdienst.

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