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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 02:07 Uhr

Hagenow : Die Geschichten starker Frauen

vom
Aus der Onlineredaktion

Hedwig Golpon verließ Dammereez vor 50 Jahren und steht mit ihren Liedern nun zum ersten Mal auf einer heimischen Bühne.

Unter ihrem heutigen Namen ist Hedwig Golpon in dieser Region kaum jemandem bekannt. Als Edeltraut Stanislav in Dammereez geboren und aufgewachsen, kehrt sie ihrem Heimatdorf mit 17 Jahren den Rücken. Sie zieht weg, um Lehrerin zu werden, doch ihr Traum ist es nicht. Ihr Herz schlägt für das Theater, für die Bühne, den Gesang. „Ich musste erstmal Lehrerin werden. Nicht gleich Opernsängerin oder Schauspielerin, was ich eigentlich wollte“, sagt Hedwig Golpon, „Damals war es noch so: Schauspieler im Fernsehen zu sehen, war toll, doch die eigenen Kinder sollten einen anständigen Beruf erlernen. Und so wurde ich erstmal Lehrerin.“

Doch selbst in dieser Funktion zieht es die Dammereezerin schon in Richtung des Theaters. Nachdem sie zunächst als Grundschullehrerin für Musik und Sport gearbeitet hat, führt Hedwig Golpons Weg sie über die Theaterhochschule in Leipzig und die Leitung des Pionier- und Jugendtheaters in Schwerin nach Berlin. Sie wird Dramaturgin und Regisseurin und bildet andere Lehrer und Theaterpädagogen aus. Als sie in Lingen an der Ems schließlich „Die sieben Todsünden“ von Bertholt Brecht inszeniert, ist für die Regisseurin eines klar: sie möchte nicht mehr nur hinter der Bühne stehen und hören, wie den Schauspielern und Sängern auf der Bühne applaudiert wird. Sie möchte selbst auf der Bühne stehen. Schon kurz darauf fängt die heute 67-Jährige an, ihre eigenen Lieder zu schreiben.

Personen, die sie kennengelernt hat, Freunde oder einzelne Textzeilen und Sätze inspirieren die Sängerin zu ihren Liedern. Beim Kreieren ihrer Bühnenprogramme und Songs steht ihr oftmals ihre Pianistin und Freundin Karen Salewski zur Seite. Hedwig Golpon lernte die Musikerin in Greifswald kennen. Die ausgebildete Dramaturgin war zum damaligen Zeitpunkt auf der Suche nach musikalischen Talenten. Bei einem kleinen Konzert wird sie schließlich fündig. Auf einer Treppe sitzt die Akkordeonistin Karen Salewski, als die Dammereezerin sich zu ihr setzt und die beiden ins Gespräch kommen. Schnell wird beiden klar, dass sie miteinander musizieren wollen. „Karen fragte mich damals, wann wir anfangen wollen. Ich antwortete ‘Morgen?’. Seitdem sind zehn Jahre vergangen“, berichtet Golpon mit einem Lächeln.

In diesen zehn Jahren haben die beiden Musikerinnen zusammen zahlreiche Lieder und Stücke kreiert und inszeniert. So ist unter anderem ihr aktuelles Bühnenprogramm „Die lodert, zischt und raucht...“ entstanden, in dem Hedwig Golpon musikalische Geschichten über starke Frauen und ungehaltene Gefühle erzählt. Am Sonnabend, den 21. Oktober, sind die beiden um 20 Uhr mit diesem Programm im Lauenburger Theater zu sehen. Für die Dammereezerin wird es das erste Mal sein, dass sie in der Region, in der sie geboren und aufgewachsen ist, als Sängerin auftritt. 1967 verließ sie als Edeltraut Stanislav Dammereez und kehrt nun 50 Jahre später im Alter von 67 Jahren als Sängerin Hedwig Golpon hierher zurück. „Ich bin wirklich aufgeregt“, gesteht sie lachend.

Und doch freut sie sich auf ihren Auftritt. „Wenn ich wählen kann, ob ich eine Lehrerfortbildung gebe oder auf der Bühne Lieder singe, wähle ich die Lieder“, offenbart die 67-Jährige. Auch wenn sie die Aus- und Fortbildung von Theaterpädagogen ebenso wichtig fände, meint Golpon. „Doch wenn ich singe, fühle ich mich lebendig“, so die Dammereezerin.

Jacqueline Worch

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