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Darchau-Neu Darchau : Die Elbbrücke ist seit gestern beerdigt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Kreistag hat gestern Abend mit 32:14 Stimmen die Planungen zur Brücke Darchau-Neu Darchau eingestellt / Historische Debatte

von
erstellt am 21.Jul.2015 | 13:06 Uhr

Um 17.04 Uhr war es gestern endgültig vorbei mit der Elbbrücke. Nach erregter, turbulenter Grundsatzdebatte hat der Kreistag Lüneburg mit 32 zu 24 Stimmen das Projekt der Elbbrücke endgültig beendet. In namentlicher Abstimmung. Doch Überraschungen gab es keine. SPD und Grüne stimmten für den Antrag, das Projekt aufzugeben, mit einer Ausnahme. Birgit Neumann aus Alt Garge war in der SPD-Fraktion durch einen Beschluss ihrer Parteimitglieder vor Ort gebunden. „Der Landkreis Lüneburg wird kein Planfeststellungsverfahren für den Bau einer Elbbrücke bei Darchau/Neu Darchau betreiben, weil die Finanzierung des Vorhabens die Möglichkeiten des Landkreises Lüneburgs erheblich übersteigt. Das Raumordnungsverfahren wird zeitnah abgeschlossen“, so lautete der Beschlussvorschlag.

Doch bevor überhaupt an Abstimmung zu denken war ging es ins Grundsätzliche. Schon vor Beginn der Sitzung stand Landrat Manfred Nahrstedt im Feuer der Kritik. Er stellte sich vor dem Sitzungssaal den Demonstranten, die vor allem vom Brückenverein gestellt wurden. Zusätzlich war noch ein Bus voller Befürworter aus dem Amt Neuhaus nach Lüneburg gefahren. Schnell wurde es laut beim Streit.

Das setzte sich dann später in der Kreistagssitzung fort. Am Ende waren es fast 20 Redner, die sich meist sehr emotional zu dem Thema äußerten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Kamp eröffnete die Aussprache, und er wandte sich gleich an die Besucher aus dem Amt. „Die Brücke ist erheblich teurer als gedacht, wir können sie nicht bezahlen und niemand will uns die fehlenden Millionen geben. Wir nehmen die Rolle des Überbringers der schlechten Nachricht an und stellen uns hier hin und sagen Ihnen die Wahrheit.“ Man können nicht noch weitere Jahre planen und den Menschen weiter Sand in die Augen streuen.

Es war CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Blume, der mit seinem 25-minütigen Frontalangriff auf Landrat, SPD und Grüne die Debatte dann endgültig aus den Angeln hob. Am Ende griff er bei abgestelltem Mikrofon Manfred Nahrstedt direkt an, forderte dessen Rücktritt und warnte die Gegner der Brücke, dass die Bürger diese Haltung bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr quittieren würden. Es gehe jetzt doch nur darum, das Thema Brücke vor den Ferien und ein Jahr vor der Wahl abzuräumen. Das Ganze seit eine zirkusreife Luftnummer, es werde ein völlig falsches Belastungsbild gezeichnet. Der Landkreis wisse erst in einigen Jahren genau, wie hoch die Kosten wirklich seien. Zudem werde das Bürgerbegehren mit Füßen getreten. Um dieses Begehren ging es auch in den Beiträgen der anderen Fraktionen. Petra Kruse-Runge, die Chefin der Grünen, verwahrte sich nicht nur gegen Unterstellungen, die Grünen würden die SPD vor sich hertreiben. Es gäbe kein uneingeschränktes Ja der Bürger für die Brücke, allenfalls eine eingeschränkte Mehrheit. Es sei zudem unsinnig zu behaupten, es sei nicht genug getan worden. „Man muss den Mut haben zu sagen, es tut uns leid, wir können das nicht machen, das ist für uns zwei Nummern zu groß.“

Besondere Aufmerksamkeit bekam der Auftritt von Frank Stoll von den Linken. Er verlas nicht nur die Stellungnahme seines Parteikollgen, er stimmte auch für die Weiterplanung. Stoll arbeitet auf einer der Elbfähren war aber immer für die Brücke. Sein Auftritt im Kreistag, bekannte er gegenüber SVZ, sei ihm persönlich sehr schwer gefallen.

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