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Fake Video in Hagenow : Die digitale Hetzjagd auf Wölfe

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Offensichtliche Gegner verbreiten Videos im Netz. Clips sind laut Dr. Norman Stier gefakt, um Stimmung gegen Isegrim zu machen

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 20:45 Uhr

„Donnerwetter“, dachten wir ernsthaft dieser Tage, als wir einen etwa 45 Sekunden langen Videoclip zugespielt bekamen. Anonym, da der Absender wie auch der Filmer öffentlich nicht genannt werden wollten. Angeblich seien die Aufnahmen zwischen Moraas und Jasnitz in einem Waldgebiet entstanden, wurde uns lediglich von unserem Informanten mitgeteilt. Insgesamt acht Wölfe laufen in dem Film auf einem leicht verschneiten Weg raschelnd an einer Wildkamera vorbei. Nur ein Tier scheut kurz, dreht ab und schlägt sich seitwärts in die Büsche. Eine kleine Sensation sei dies, dachte die Redaktion in Hagenow tatsächlich für kurze Zeit. Und fragte deshalb bei Dr. Norman Stier, von der technischen Universität Dresden, Arbeitsgemeinschaft Wildtierforschung, nach. Erstaunliches und kaum zu Glaubendes bekamen wir zu hören.

 

„Momentan werden wir von diesen gefakten Filmchen geradezu in allen Bundesländern überschwemmt, wo der Wolf zu Hause ist. Ich vermute, diese uns allseits bekannte Aufnahme ist irgendwo in Russland entstanden und wird von den Gegnern dieser Tiere gezielt gestreut, als digitale Hetzjagd sozusagen“, so der Wolfsbeauftragte am Telefon. Es gehe nach seiner persönlichen Auffassung nur einzig und allein um schäbige Hetze gegen die Wölfe. Man wolle den Eindruck erwecken, die Tiere, die bereits meinungsmäßig Teile der Bevölkerung in Gegner und Befürworter spalte, würden den Menschen gefährlich näher kommen. Ohne unseren Clip gesehen zu haben, konnte Stier einige Sequenzen verblüffend genau beschreiben. „Die Farbe der Tiere hat uns gleich beim ersten Blick auf das Material stutzig gemacht. Auch das doch recht zutrauliche Verhalten.“ So würden sich Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern nicht benehmen.

„Die meisten ernst zu nehmenden Wolfsbeobachtungen, über die wir unterrichtet werden, sprechen von Fluchtdistanzen um die 300 Meter. Auch, dass die Tiere ihre Schwänze einziehen und weglaufen, ist ein ganz normales Verhalten. So, wie es kürzlich ja in ihrer Zeitung aus Kuhstorf berichtet worden ist. Auch wenn die Beweisaufnahmen für diese drei Wölfe aus großer Entfernung aufgenommen worden sind, hegen wir keinen Zweifel daran, dass sie echt sind“, betont Stier, bei dem auch das Monitoring zusammenläuft. Denn, um einer dauerhaften Datenerhebung zur Verbreitung und Arealnutzung der Wölfe nachkommen zu können, müssen Experten mehr wissen über diese Tiere, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland als ausgerottet galten.

 

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