zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

23. September 2017 | 07:49 Uhr

Boizenburg : Die Bilanz elf Monate nach der Flut

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Minister Till Backhaus nach der Frühjahrsdeichschau in Boizenburg:

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2014 | 16:57 Uhr

Boizenburg Die Elbe hat sich nach den Hochwasserereignissen 2002, 2006 und 2011 auch im Juni 2013 mit neuen Rekordwasserständen eindrucksvoll in Erinnerung gebracht. Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Till Backhaus (SPD), enthüllte während der Frühjahrsdeichschau im Boizenburger Hafen eine neue Tafel. Sie zeigt, welche „Rekordpegelstände“ in Boizenburg seit 1876 gemessen wurden. „Im Juni 2013  durften wir mit noch nie da gewesenen 7,32 Meter 52 Zentimeter über dem Bemessungshochwasserstand registrieren“, sagte Backhaus und dankte noch einmal ausdrücklich den vielen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Katastrophenabwehr. SVZ-Redakteur Dietmar Kreiß bat ihn  elf Monate   nach der Flut um eine Bilanzaufnahme.

Herr Backhaus, in welchem  allgemeinen Zustand fand die Schaukommission  die Hochwasserschutzanlagen vor?

Till Backhaus: Die Schaukommission konnte feststellen, dass sich die Hochwasserschutzanlagen in einem guten Zustand befinden und damit die Deich- und Anlagensicherheit gegeben ist. Im Winterhalbjahr waren die Hochwasserschutzanlagen keinen großen Belastungen durch die Elbe ausgesetzt.

Dabei trat das Phänomen auf, dass der höchste Wasserstand mit 268 Zentimeter am Pegel Boizenburg  am 5. und 6. Dezember nicht durch den Elbabfluss selbst, sondern durch die Nordseesturmflut und damit verbundenen Rückstau infolge des Sturmtiefs „Xaver“ eintrat. Auch dieser Wasserstand reichte nicht bis zu den Deichfüßen, aber kurzzeitig mussten die Freiflut geschlossen und das Schöpfwerk Boizenburg in Betrieb genommen werde.

Auch dieses Ereignis zeigt, dass man ständig einen wachsamen Blick auf das Wasserstandsgeschehen in der Elbe haben muss.  An einigen Deichstellen, insbesondere dort, wo die Aufhöhungen mit der Erdverwallung und Sandsäcken erfolgten, sind noch die Narben durch das Juni-Hochwasser zu erkennen. So ist die Rasenansaat auf den Banketten der Elbedeiche Boizenburg und Mahnkenwerder sowie dem Hafendeich nachzubessern. Das soll in der nächsten Zeit realisiert werden.

 Wie viele Baustellen gab es eigentlich  nach der Rekordflut im Juni  2013?

Wir  stellten  in beiden mecklenburgischen Elbabschnitten Boizenburg und Dömitz über 30 Sofortmaßnahmen fest, für die zwei Millionen Euro aus der Aufbauhilfe des Bundes und der Länder zugesagt wurden. Die Hälfte der Mittel wurde noch 2013 für die Deichberäumung, Deichsicherung und Deichfußsanierung umgesetzt.

 Was musste zum Beispiel wo repariert werden?

Neben den Deichberäumungen von Sandsäcken und Verwallungen gehören dazu die Deichfußaufhöhung am Randkanaldeich unterhalb der B 5, der Verbau des Qualmwassergrabens am Ringdeich Bandekow, die Dichtung von Fugen am Schöpfwerk Boizenburg und die Reparatur der wasserseitigen Rampe am Elbedeich Horst. Allein im Boizenburger Bereich zählten bisher über zehn  Baustellen zu den Sofortmaßnahmen.

 Wie ist der Stand der Abarbeitung, was gibt es noch zu tun?

Von den insgesamt zugesagten 2,05 Millionen Euro sind bisher 1,5  realisiert worden. Planungen laufen für die Verwallung an der Tiefstelle Horst an der B 5, Wildrettungshügel an der Sude zwischen Gothmann und Bandekow, die Reparatur der Unterwasserbefestigung des Sudeabschlusswehres sowie  die Umrüstung der Steuerungen der Schöpfwerke.

Auf der Frühjahrsdeichschau wurden auch die Aufgaben des nächsten halben Jahres besprochen. Sie sind anspruchsvoll und erfordern auch zwischen den Deichschauen eine ständige Auseinandersetzung mit den Problemen eines angemessenen Hochwasserrisikomanagements.

Sind wir denn für ein eventuelles Sommerhochwasser  2014 aus Ihrer Sicht gut vorbereitet?

Wie eingangs bereits gesagt, befinden sich die Hochwasserschutzanlagen in einem ähnlich guten Zustand, wie auch vor einem Jahr nach der Frühjahrsdeichschau festgestellt werden konnte. Damit sind wir für ein nie auszuschließendes Sommerhochwasser gut gerüstet. Auch die im Herbst 2013 begonnene Sanierung des Deiches am Randkanal bei Horst mit einer Länge von vier Kilometern hat einen guten Arbeitsstand erreicht. Der Rohbaukörper wird in der kommenden Woche vollendet, so dass auch dort keine Deichlücken bestehen. Die endgültige Fertigstellung wird bis zum Herbst dieses Jahres erfolgen. Es ist das letzte größere Vorhaben aus dem Hochwasserschutzprogramm der Elbe und deren Rückstaugebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Damit sind alle Hochwasserschutzanlagen in unserem Bundesland für die Kehrung des eisfreien Bemessungshochwassers von 1983 mit 680 Zentimeter am Pegel Boizenburg ausgelegt. Dass sie auch höhere Wasserstände kehren können, haben sie im Januar 2011 und im Juni vergangenen Jahres gezeigt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen