Lübtheener Berufsmesse : „Die Besten gehen in den Westen“

Julia Küster sucht und findet. Der Schülerin aus Banzin hilft die Berufsmesse in Lübtheen. Auch wenn sie erstmal ihr Fachabitur machen möchte, wird sie inspiriert für die Zeit danach.  Fotos: nien
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Julia Küster sucht und findet. Der Schülerin aus Banzin hilft die Berufsmesse in Lübtheen. Auch wenn sie erstmal ihr Fachabitur machen möchte, wird sie inspiriert für die Zeit danach. Fotos: nien

Damit Jugendliche in der Region bleiben, starten die Lübtheener vor acht Jahren ihre Berufsmesse / Mit Erfolg: Immer mehr Firmen dabei

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24. September 2015, 07:50 Uhr

Schnipp, schnapp. Mit der Schere gibt Harry Strube das Startsignal für die berufliche Zukunft vieler Jugendlicher. Gezielt steuert Julia Küster einen Stand mit Info-Büchern für ein Studium an. Die blonde 15-Jährige aus Banzin weiß, was sie will. „Erstmal ans Fachgymnasium nach Schwerin.“ Ansonsten ist sie noch nicht so festgelegt. Es sei ja noch ein paar Jahre hin. Nur so viel: Ins Büro will sie. Wohin? „Mal sehen.“

„Die Besten gehen in den Westen“, hat Schulleiter Andreas Cordt vor der ersten Jobmesse vor acht Jahren gesagt. Damit das nicht passiert, holt die Lindenschule Lübtheen gemeinsam mit der Stadt schon zum 8. Mal regionale Firmen, Schulen und Bildungsträger in die Oldag-Halle. 40 sind es am Dienstagabend. Und das Interesse an der kleinen Berufsmesse steigt stetig.


Immer mehr Firmen dabei


Vor allem Firmen finden in den letzten zwei, drei Jahren vermehrt den Weg nach Lübtheen. „Wir haben mal mit vielen Schulen und Bildungsträgern angefangen“, sagt Harry Strube, Lehrer und mit verantwortlich für die Messe. 16 Aussteller sind es zu Beginn gewesen. Jetzt suchen immer mehr Unternehmen dringend Nachwuchs.

Das erste Mal in Lübtheen dabei ist Drinkuth aus Boizenburg. Ausbilderin Anja Ahrens hofft, an diesem Abend den einen oder anderen für den Fensterbau-Betrieb zu begeistern. „Die Fachkräfte fehlen. Die Belegschaft wird immer älter. Wir brauchen die jungen Leute.“ Im kaufmännischen Bereich sehe es noch ganz gut aus. Fertigungsbauer wolle dagegen seit drei Jahren niemand mehr werden.

„Damals wurde noch um Lehrstellen gekämpft. Heute kämpfen wir um die jungen Leute“, sagt auch Heike Ernst, Personalreferentin bei Tchibo. Sie ist von Anfang an dabei in Lübtheen und hat die Entwicklung der Berufsmesse mit geprägt. „Der Start ging in die Hose“, sagt Harry Strube. Doch „Frau Ernst hat uns immer wieder motiviert.“ Ansporn dafür sei auch ihre Tochter gewesen, die damals in der achten Klasse überhaupt noch nicht wusste, was sie will. „Damals gab es noch nicht viel zur Berufsorientierung“, sagt Heike Ernst. Und Lübtheen sei so versteckt, dass sich die Firmen nicht von alleine dorthin verirren. Mittlerweile ist die Jobbörse ein Selbstläufer.

„Das hilft einem schon“, sagt Schülerin Julia Küster nach ihrem Rundgang. Hier sei alles auf einem Fleck. Sie knüpft Kontakte und schaut, wo sie Praktika machen könnte. „Da kann man sehen, ob es einem liegt.“ Ob sie später in der Region bleiben wird, weiß sie noch nicht. Erstmal will sie das Abitur in der Tasche haben.

Die Hoffnung ist groß, dass Jugendliche wie Julia sich für die Heimat entscheiden. Die Guten seien damals alle rüber gegangen in den Westen, die Hauptschulklassen hier geblieben, erinnert sich Schulleiter Andreas Cordt an die Zeit vor acht Jahren. Um diese Bewerber hier zu halten, „wollten wir was Regionales machen und die Firmen herholen“. Seitdem kommen Schüler aus Lübtheen, Vellahn und Neuhaus jedes Jahr in die Oldag-Halle, um ihren Weg in den Beruf zu suchen und vielleicht zu finden.

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