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Hagenow Land : Die beiden Männer und ihr Traum vom eigenen Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Sie heißen Dennis und Aribert Otto und sind Eigentümer des historischen Gebäudes

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 15:46 Uhr

Sie heißen Dennis und Aribert Otto, und sie haben Großes vor. Denn ihnen gehört seit einigen Monaten eines der symbolträchtigsten Gebäude in der Region, das Bahnhofsgebäude Hagenow-Land.

Man muss kein Fachmann vom Bau zu sein, um schon auf den ersten Blick zu entdecken, wie gewaltig die Aufgabe ist, die sich das aus Berlin kommende Ehepaar in vollem Bewusstsein aufgehalst hat. „Ich glaube, es geht hier um so etwas wie 3500 Quadratmeter Fläche oder so, genaue Pläne gibt es ja leider nicht. Wir machen das in Ruhe und Stücke für Stück“, gibt Dennis bereitwillig Auskunft im gut geheizten ehemaligen Mitropa-Bereich. Vor der Tür steht derweil Partner Aribert im Imbisswagen direkt am Gleis und versucht, Geld zu verdienen. Es läuft nicht überragend aber es läuft. „Je mehr Leute hier essen kommen, desto eher wird der Bahnhof fertig“, ist so ein Satz von Dennis, der auch Lokführer bei der Bahn ist und Güterzüge mit der E-Lok durch Deutschland kutschiert. Sein Partner war früher Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, und die beiden haben sich mit ihrem Bahnhof einen Lebenstraum erfüllt: Leben mit und für die Eisenbahn.

„Wir haben uns im Vorfeld mehrere Bahnhöfe angeguckt, Ludwigslust war schon weg, in Wittenberge hätte die Bahn noch zuviel zu sagen gehabt. Wir wollten was eigenes,  und da bot sich dieser Bahnhof an.“ Allerdings habe die Bahn ewig gebaucht, um sich für das Angebot der beiden zu entscheiden. Aber dann hatten sie endlich die Schlüssel und den Riesenkasten am Hals. „Wir sind keine Investoren, wir sind normale Malocher“, erklären die beiden. Und sie müssen viel reden, denn das Interesse nicht nur der Reisenden ist groß. Zu denen, die sich schon früh bei den neuen Eigentümern blicken ließen, gehören die Hagenower Eisenbahnfreunde, die den beiden auch schon mit ersten Plänen und vielen Informationen aushelfen konnten. Wirtschaftsförderer Roland Masche ist regelmäßiger Gast, auch Hagenows Musemsdirektor Henry Gawlick hat sich schon blicken lassen. Sie alle wollen, das nach vielen Jahren des Still-und Leerstandes, nach Jahren der Ungewissheit, etwas passiert.

Genau das haben die beiden auch vor, aber es wird dauern und nur in kleinen Schritten vorwärts gehen. Der erste ist mit dem Imbisswagen gemacht,  am zweiten arbeitet Handwerker Dennis Otto derzeit mit großem Fleiß, dem Bahnhofsbistro. Das Ziel, den früheren Mitropabereich bis 30. April eröffnen zu wollen, bezeichnet er selbst als sportlich. Doch innen ist er schon weit gekommen. Mit Küche und Bar-Ecke soll hier ein typischer Bahnhofstreff entstehen. Nicht zu groß, nicht zu klein, und Platz für den früher üblichen Lokführerstammtisch soll es auch geben. Mit dem Geld, was dann reinkommt, wollen die beiden die nächsten Schritten finanzieren.

Ein so genanntes Hostel in Teilen des Obergeschosses mit etwa 20 Zimmern ist der nächste Traum. Zimmer gibt es genug, Arbeit aber auch. Der Gang durch die Zimmer ähnelt derzeit  einem Rundgang durch ein verkommenes DDR-Museum. Man muss nur in die ersten Etage kommen, die erste verfaulte Treppe musste Otto schon rausnehmen. Schocken kann den Mann mit den vielen Berufen das alles nicht. Ein Vorteil sei, dass es die vielen Zimmer in den ehemaligen Wohnungen schon gäbe, da müsse man nicht viel umbauen. Nur der Elektrik mit den Alu-Leitungen traut er nicht über den Weg, das müsse alles raus.

Apropos Wohnungen, die beiden Eigentümer wohnen schon jetzt im Bahnhof, im früheren Bürotrakt mit Blick auf die ICE-Haupttrasse, die bei den Bahnern Rennbahn genannt wird. Die vielen Züge, die rund um die Uhr an beiden Seiten des Gebäudes vorbeijagen, stören die Bahnhofsbesitzer nicht. Da gewöhne man sich schnell dran.

„Es war nicht fünf Minuten vor Zwölf, es waren zwei Minuten. Noch ein Winter mehr und wir hätten den Bahnhof nicht mehr gekauft. Er stand lange leer“, erklärt Dennis.

Er hat die Zeit genutzt, um eine erste Bilanz des Bauzustandes zu bekommen. Es gibt gute Nachrichten. So ist das Dach des Komplexes eigentlich dicht, die wenigen nassen Stellen lassen sich ausbessern, dem Pappdach sei Dank. Ein regelrechtes technisches Prunkstück ist die Heizungsanlage, fast modern, leistungsfähig und in Schuss. Diese Anlage wurde am 2. Oktober 2002 ausgestellt. Und die Jahre ohne Heizung sieht man dem Bau an vielen Stellen auch an. Überall kommt man auch nicht hin, wenn man in den Holzboden nicht einbrechen will. Bei ihrem Stöbern stießen die beiden neuen Besitzer auch auf richtige Schätze. Der tonnenschwere (aber leider leere) Tresor der früheren Zahlstelle gehört dazu, der steht noch fest auf seinem Sockel, der Fußboden rundum ist dagegen zusammengebrochen.

Baustellenabsicherungen, alte Schilder, regelrechte Eisenbahnkostbarkeiten in Größenordnungen  fanden sich in einem anderen Raum. Vieles davon soll später in den sanierten Räumen zu sehen sein.

„Wir bauen kein Bikerhotel oder so etwas, weil das mal in der Zeitung stand“, ist Otto wichtig, der mit seinem Partner nahezu täglich neugierige Fragen beantworten muss. Immerhin nutzen täglich Hunderte Pendler den Bahnhof, und denen ist aufgefallen, dass sich etwas rührt.

Die Fassade kommt zum Schluss, ob die völlig marode Bahnhofshalle noch zu retten ist, müsse man sehen, die Verwaltung des Hostels soll in die alte Zahlstelle, die Wohnung der beiden später mal in einen der beiden Türme, die zu dem Bau gehören. Das ist besprochen. Das Glück für die beiden,  im 19. Jahrhundert ist relativ solide gebaut worden, die Wände sind an manchen Stellen bis zu 68 Zentimeter dick.

Am liebsten hätte Dennis Otto noch einen eigenen Gleisanschluss mit Lokschuppen gehabt. Doch der war nicht verfügbar. Dafür stehen auf dem Dachboden 400 Quadratmeter Platz zu Verfügung für die eigene Modellbahnanlage, Spurweite HO. Und es gibt einen wichtigen Termin im Oktober 2016 zum 150. Jubiläum des Bahnhofes. Dann soll vieles fertig sein.   

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