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25 Jahre später : Der Tag, an dem die Angst schwand

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Am 9. November wird in Hagenow an den historischen Schweigemarsch in der Stadt von 1989 mit großem Programm gedacht

von
erstellt am 14.Okt.2014 | 16:39 Uhr

Es soll die Erinnerung an Hagenows großen Tag werden, der Tag des endgültigen Aufbruchs in Hagenow, aber auch im gesamten damaligen Kreis: Am 9. November 2014 soll mit mehreren Festveranstaltungen aber auch einem großen Schweigemarsch der denkwürdigen Ereignisse vor 25 Jahren zwischen Kirche und Rudolf-Breitscheid-Platz gedacht werden. Dass es der Tag des Mauerfalls werden sollte,  wusste damals niemand. Geschätzte 10 000 Demonstranten  aus dem größten Kreis der DDR waren in der Stadt, es wurde Hagenows demokratischer Aufbruch. „Freie Wahlen“, „Stoppt die Allmacht der SED“ und „Reisefreiheit“ waren an dem Tag Forderungen in der Stadt.

„Mutige um Gemeindepastorin Irene de Boor und die Initiativgruppe des Neuen Forums hatten an  diesem Donnerstag wieder zum Friedensgebet in die Stadtkirche eingeladen“, schrieb Augenzeuge und Fotograf des Abends Henry Gawlick jüngst in einem Beitrag. Und er würdigte auch, dass Vertreter des Neuen Forums am Vorderhaus der ehemaligen Synagoge zur Erinnerung an den Novemberpogrom von 1938 einen Kranz niedergelegt hatten, wohl einmalig in Mecklenburg an diesem Abend.

An all das soll am 9. November 2014 erinnert werden. Nicht nur mit einer simplen Festveranstaltung. Nein, es soll  ein komplettes Gedenken geben, inklusive der 2000 Schritte, die es damals von der alten  in die neue Zeit waren.

Geplant ist eine Gemeinschaftsaktion von Kirche und Stadtverwaltung, wie es sie noch nicht gegeben hat. Extra für diesen Tag hat sich eine Vorbereitungsgruppe unter Klaus Jensen zusammengesetzt, um die Feierlichkeiten vorzubereiten.

Ergebnis: Der 9. November dieses Jahres soll keine Kopie des historischen Vorbildes werden, dennoch soll sehr viel an diesen Tag erinnern. Und es soll der Mut derer gewürdigt werden, die damals Verantwortung übernahmen.

Auch wenn es aus heutiger Sicht nicht gleich nachzuvollziehen ist, auch an diesem 9. November herrschte in der Stadt noch Angst vor dem, was kommen konnte. Christian Jessel, damals einer der Aktiven beim Neuen Forum erinnert sich noch genau. „Ich habe an dem Tag noch einen Verwandten zum Zug gebracht. Und wir wussten nicht was passiert und ob es gut ausgeht.“ Schließlich sei die Staatsmacht, sichtbar und unsichtbar, noch sehr präsent gewesen an diesem Tag.  Dass es dann so ausging, dass am späten Abend die Stadt plötzlich leer war, weil fast alle an die offenen Grenzen stürmten, wusste am frühen Abend noch niemand. Mit diesem 9. November war auch in Hagenow  die Wendezeit angebrochen, war die DDR-Zeit vorbei.

Gedenktag beginnt mit Treff in der KircheDas Gedenken beginnt 25 Jahre nach dem Mauerfall  an diesem Tag um 18 Uhr in der evangelischen Stadtkirche, wo Pastorin Irene de Boor, die auch 1989 die Andacht hielt, auf den Abend einstimmen wird. Danach wird es ein Zeitzeugengespräch mit Publikumsdialog geben, die Moderation liegt in den Händen von Museumsleiter Henry Gawlick.

Ab 19.30 Uhr wird  sich dann von der Kirche aus der Schweigemarsch in Bewegung setzen, mit Unterstützung der Stadt und der Polizei. Von der Kirche soll über die Pfaffenstraße, Lange Straße, Löwenhelmstraße-Hagenstraße gelaufen werden. Gegen 20 Uhr ist die Kranzniederlegung am Hanna-Meinungen-Haus geplant, umrahmt von einem durch einen Schüler gesprochenes Gedicht.

In der Alten Synagoge wird es ab 20.15 Uhr unter dem Motto „Sich erinnern - miteinander reden“ eine weitere Veranstaltung geben. Parallel wird das neue Buch von Kuno Karls „Es war einmal eine Grenze vom Priwall bis zur Elbe“, vorgestellt. Es wird Musik geben und auch  einen Vortrag des Möllner Stadtarchivars Christian Lopau. Zusätzlich werden Schwarzweiß-Fotos vom 1989-er Schweigemarsch eingeblendet. 

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