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Abfallwirtschaft schlägt Alarm : Der tägliche Müllkrimi an den Stellplätzen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wettlauf gegen die Vermüllung an den Stellplätzen in den Städten im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist nicht mehr zu gewinnen - jetzt werden Standorte aufgegeben.

Die wilde, ungezügelte und vor allem illegale Müllentsorgung wird immer mehr zu einem unlösbaren Problem im Landkreis. Obwohl die Abfallentsorgung zusammen mit Städten und Gemeinden immer mehr unternimmt, obwohl etliche Stellplätze inzwischen schon dreimal die Woche gereinigt werden, ist die Müllflut vor allem in städtischen Bereichen aber auch an abgelegenen Standorten auf dem Land nicht mehr zu stoppen. Aus purer Not ziehen jetzt die Verantwortlichen die Notbremse. Nun werden die schlimmsten Plätze komplett geräumt und aufgegeben. Doch der Fehler liegt im Entsorgungssystem. Das zu ändern wäre aber Sache des Kreistages.

Müll in Wittenburg, am Stellplatz in der Lehsener Chaussee.

Müll in Wittenburg, am Stellplatz in der Lehsener Chaussee.

Foto: privat
 

Es passiert nahezu täglich, in der Hagenower Schulstraße aber auch in Plate oder Banzkow. Kaum haben Arbeitstrupps mühsam die Stellflächen mit den Glas- und Papiercontainern aufgeräumt, türmen sich wenig später schon wieder die Müllberge. Wenn die Aufräumer Glück haben, steckt der Müll in Tüten oder in den gelben Säcken. Haben Sie Pech, und das ist oft genug der Fall, liegt alles verstreut zwischen den Tonnen. Dann kann Steffen Grünwaldt, der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises, eigentlich schon die Uhr danach stellen, wann ihn die ersten Protestanrufe von Anwohnern erreichen. „Wir haben nahezu täglich Beschwerden und versuchen auch das Menschenmögliche. Doch es ist ein Wettlauf, den wir nicht gewinnen können. Mein Eindruck ist, dass es in den vergangenen Jahren deutlich schlimmer geworden ist.“

Fast schon normale Zustände in Hagenow, es geht noch schlimmer.

Fast schon normale Zustände in Hagenow, es geht noch schlimmer.

Foto: Hagenow
 

Zählt man alles zusammen, so gibt es im Landkreis aktuell 620 Plätze auf denen Container stehen. Eigentlich soll damit den Anwohnern das Leben leichter gemacht werden, weil sie Flaschen, Papier und zum Teil auch Gelbe Säcke entsorgen können, ohne lange laufen zu müssen. Doch nicht wenig nutzen diese Plätze als illegale und vor allem kostenlose Mülldeponie. „Wir finden alles, wirklich alles, nicht nur normalen Restmüll, auch Farbeimer, Batterien, Windeln, große Papierkartons mit klein geschnipselten Plasteteilen - viele kippen alles rücksichtslos aus. Wir räumen es ja wieder weg“, erzählt Uwe Pulss. Ihn kennen viele als Feuerwehrchef im Landkreis, doch beruflich gehört er zum Abfallwirtschaftsbetrieb und kümmert sich um die Sauberkeit an den Stellplätzen. Auch seine Erfahrungen sind eindeutig: „Es wird immer schlimmer, und die Müllsünder werden immer frecher. Sie werden ja auch nie erwischt.“

So sah es vor kurzem in der Nähe von Perdöhl aus.

So sah es vor kurzem in der Nähe von Perdöhl aus.

Foto: privat
 

Eigentlich haben die Entsorger noch fast Glück, wenn der Unrat nur an den Stellplätzen liegt. Denn zusätzlich gibt es immer mehr wilde Kippen, bevorzugt in Waldgebieten. „So makaber es ist, da sind wird doch froh, wenn die Bleibatterie am Wegesrand steht und nicht im Unterholz liegt, denn wir müssen sie da wieder rausschleppen“, weiß Pulss.

Und es sind nicht nur Privatleute, die sich bequem allen Mülls entledigen. Auch Firmen stellen ihre Müllsäcke ganz gern an öffentliche Container oder kippen ihren Bauschutt in den Wald. Legale Entsorgungsmöglichkeiten gibt es genug, doch Bequemlichkeit und Geiz führen zu den Problemen.

Quasi als Notlösung geht jetzt der Landkreis dazu über, einige Standorte ganz zu räumen und aufzugeben. In Hagenow könnte dass die Schillerstraße und Hagenstraße betreffen. Hier laufen noch die Absprachen mit der Stadt. Kreisweit gehen schon jetzt mehr als 300 000 Euro in dieses zweite Müllsystem. Viele Städte räumen ihre Plätze selbst auf und bekommen dafür einen Zuschuss vom Kreis, andere beauftragen Firmen, der Abfallwirtschaftsbetrieb hat derzeit vier Leute laufen, die nichts anderes machen, als dem illegal abgeladenen Müll hinterherzulaufen. Doch das System ist ausgereizt, das Geld, das bisher von den Dualen Systemen kommt, wird auch nicht mehr werden und alle Plätze kann der Kreis auch nicht räumen, weil dann die Zahl der Müllkippen noch einmal drastisch steigen würde. Für Abfallchef Steffen Grünwaldt wäre die Lösung klar. „Die Zahl von lediglich vier Pflichtentleerungen, die wir derzeit bei uns haben, ist einfach weltfremd. Hier muss sich die Politik, also der Kreistag Gedanken machen, wie das Problem zu lösen ist. Wir können als Experten nur sagen, dass es so, wie es bisher läuft einfach nicht weitergehen kann.“

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erstellt am 23.Apr.2017 | 20:30 Uhr

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