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Schicksalsschlag : Der schwere Weg zurück ins Leben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Katrin und Eric Krüger wurden 2013 von 40-Tonner begraben. 15 OP’s hat die 39-Jährige hinter sich, vier noch vor sich

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erstellt am 02.Jan.2015 | 07:45 Uhr

Der alltägliche Weg zur Schule endet für Katrin Krüger und ihren Sohn Eric am 6. November 2013 in einem schrecklichen Verkehrsunfall. Das fürchterliche Unglück geschieht an der Kreuzung der Kreisstraßen 26 und 27 in Hülseburg. Ein 40-Tonner rammt Mutter und Sohn mit ihrem Kia und schiebt das Fahrzeug in den etwa zwei Meter tiefen Graben. Der Kleinwagen wird unter der Masse des Sattelschleppers völlig zerquetscht.

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„Wir sind nur fünf Minuten früher als sonst von Zuhause losgefahren. Ich wollte nach Hagenow zur Arbeit und Eric  vorher noch schnell zur Schule bringen“, erinnert sich Katrin Krüger, die damals als Friseurin tätig ist. „Ich war auf der Hauptstraße, habe den Laster noch gesehen und zu Eric gesagt, Scheiße, der sieht uns wohl nicht. Da war es schon passiert“, erzählt die gebürtige Luckwitzerin. Von dem Unfall selbst, dem Knall, habe sie nichts mitbekommen. „Als ich wieder zu mir kam, dachte ich erst, wir sind auf dem Acker gelandet. Zwischendurch wurde ich im Gegensatz zu Eric immer wieder bewusstlos.“

Etwa zweieinhalb Stunden mühen sich die Rettungskräfte, die beiden Eingeklemmten  aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Der Kopf von Katrin Krüger ist im verformten Dach eingeklemmt, das Mittelgesicht gebrochen. Ihr Becken ist mehrfach gebrochen, die Hüfte ausgekugelt, das Knie und Sprunggelenk völlig kaputt. Das rechte Handgelenk ist zerstört, der linke Arm gebrochen. Diverse Schnittwunden hat sie ebenfalls erlitten. Bei Eric ist das Gesicht kaputt, die Nase völlig weg, er hat Bauchquetschungen und die Leber angerissen. Mit einem Kranwagen muss der tonnenschwere MAN-Laster vom Auto gehoben werden. Mit einem Rettungshubschrauber werden die beiden Luckwitzer ins Krankenhaus geflogen.

„Wir hatten alles in allem alle  zur Verfügung stehenden Schutzengel“, ist sich  Katrin Krüger heute sicher. Mittlerweile hat die tapfere Frau 15 OP’s hinter sich und wahrscheinlich noch vier bis fünf im neuen Jahr vor sich.

„Ich lasse mich nicht so schnell unterkriegen“, betont Katrin Krüger. Und fügt hinzu: „Doch manchmal habe ich die Nase gestrichen voll. Ich bin in vielem körperlich eingeschränkt. Das macht auf Dauer unzufrieden, weil man nicht so kann, wie man möchte. Ich würde auch gern wieder in meinem Beruf arbeiten gehen. Aber es gibt noch keine Prognose.“ Es gebe Tage, da fühle sie sich wie eine 80-Jährige. „Der Gedanke, dass wir beide auch hätten tot sein können, kommt schon ab und an hoch. Das versuche ich dann aber zu verdrängen.“ Dank der gesamten Familie, die ihr viel Durchhaltekraft gebe,  gelänge das auch immer besser. „Ohne sie würde vieles nicht funktionieren.“ Ihrem Sohn Eric gehe es mittlerweile wieder ganz gut. Die körperlichen Folgen des Unfalls habe er zum Glück überwunden. Die seelischen noch nicht.

Heute sieht Katrin Krüger in jedem Auto eine potentielle Gefahr. Dass sie sich wieder hinters Lenkrad setzen würde, war ihr schon ziemlich früh klar.  „Ich habe zwar noch Hemmungen, aber ich fahre wieder. Darüber bin ich glücklich. Für mich ist das ein Stückchen Normalität, die ich mir zurück erkämpft habe.“ Dann spricht die junge Frau von den vielen Menschen, die ihr bisher geholfen haben, dem unverschuldet erlittenen Ungemach, so haben  es  Dekra und Polizei in ihren Gutachten festgestellt,  die Stirn zu bieten. Beginnt mit den Einsatz- und Rettungskräften, der ihr großer Dank gelte, kommt zu den Ärzten und Schwestern und endet mit Freunden, Bekannten und Mitmenschen. Erzählt von den drei vollen Präsentkörben gebastelter Schutzengel, die Kinder und Eltern aus Luckwitz schenkten. Und ihrem sehnlichsten  Wunsch für 2015. „Ich möchte unbeschwert mit Eric spazieren gehen können, Federball spielen und nicht ständig durch die Heilungsprozesse Schmerzen haben müssen.“ Sie wünsche sich, dass die Zeit der Operationen endlich vorbei sei und sie wieder in ihren Alltagstrott kommen könne.  „Gott sei Dank war es ein Wegeunfall, so dass die Berufsgenossenschaft eingesprungen ist“, sagt Katrin Krüger, die sich bis Februar letzten Jahres nur mit Rollstuhl und Rollator fortbewegen konnte. Dass sie derzeit rund 25 Prozent weniger Geld zur Verfügung hat, als vor dem Unfall, macht ihr schon  zu schaffen. Ebenso die Tatsache, dass der Lasterfahrer sich bisher nicht ein einziges Mal gemeldet habe. „Eine Genesungskarte für Eric, das wäre nett gewesen. Aber wahrscheinlich ist es ihm egal, was uns passiert ist. Wir hoffen jedenfalls, dass wir bald mit diesem leidigen Thema durch sind und endlich wieder normal leben können.“

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