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Wohn-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft Zühr : Der schwere Weg zurück ins Leben

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In der Wohn-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft Zühr lernen derzeit 29 Frauen und Männer mit Sorgen und Nöten des Alltags fertig zu werden. Stefan Fokuhl hilft ihnen dabei.

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erstellt am 03.Apr.2013 | 10:13 Uhr

Zühr | In ihrem Leben etwas grundlegend ändern zu wollen, ist die Motivation, die 29 Frauen und Männer antreibt. Sie leben zur Zeit in einer Wohn-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft im Schloss Zühr, kurz WALG genannt.

"Es sind Menschen, die in Not sind und Hilfe brauchen. Sie schaffen es alleine nicht. Viele benötigen die Gemeinschaft und als Alkoholiker ein trockenes Umfeld sowie die Unterstützung in den Dingen des Alltags", erklärt Stefan Fokuhl. Seit 12 Jahren ist der 51-Jährige Einrichtungsleiter in dieser Stätte. Hier lernen die sechs Frauen und 23 Männer, die auf eine Kur oder Reha als Übergangshilfe warten, unter anderem Kochen, Wirtschaften und Behördengänge. "Manche von ihnen waren verwahrlost oder gar in Haft und wollen nun wieder einen Einstieg in die Gesellschaft. Wir sind dabei das Schiff, das ihnen hilft, nicht unterzugehen. Denn sie wollen sich wieder als wertvolle Menschen erfahren", betont Fokuhl, der sich im übrigen sicher ist, dass niemand vor einem sozialen Abstieg gefeit sei.

Schloss Zühr wird im August 333 Jahre alt

"Durch Scheidung, Tod des Partners, Krankheit oder Jobverlust kann man schnell ins Straucheln geraten. Zu lernen, um Hilfe zu bitten, sich nicht zu verstecken und über seine Sorgen und Nöte zu reden, kann ein langer schmerzhafter Prozess sein", so der Magister der sozialen Verhaltenswissenschaften weiter. 13 Mitarbeiter helfen ihm dabei, die Einrichtung samt Bewohnern zu managen. Das Haus selber, ein ehemaliges um 1680 gebautes Schloss, wird übrigens am 18. August 333 Jahre alt. In der Einrichtung, die von der Caritas Mecklenburg e. V. getragen wird, werden genau am 1. August seit zwei Jahrzehnten Menschen betreut, die aus ihren sozialen und psychischen Schwierigkeiten heraus die alltäglichen Anforderungen und Konflikte nicht mehr alleine bewältigen können. Die durch Isolation und Verlust von Lebensstruktur ins gesellschaftliche Abseits geraten sind. Oder ihr Dach überm Kopf verloren haben.

"Der Mensch mit seiner Lebensgeschichte und nicht die Diagnose steht bei uns im Vordergrund", unterstreicht Fokuhl. Jeder der Bewohner habe deshalb auch seine eigene Zeit, die er brauche, um wieder Tritt zu fassen. Das reiche von sechs Monaten bis 13 Jahren. "Ein Drittel der Menschen, die bei uns wohnen, darf länger bleiben. Dennoch brauchen wir auch eine gewisse Dynamik im Haus. Also immer Bewegung, damit die Einrichtung nicht den Eindruck erweckt, was Endgültiges zu sein. Wir wollen uns ja eigentlich überflüssig machen für die Betroffenen", erzählt Fokuhl, der sich zusammen mit seinem Team über jeden freue, der es zurück ins Leben schaffe. Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein seien zwei Dinge, die unbedingt notwendig seien, um über den eigenen Schatten springen zu können, sagt der Einrichtungsleiter außerdem. Wer in dem Schloss wohne, müsse auch arbeiten, wie Wäschewaschen, Saubermachen oder Kochen.

"Wir legen aber auch viel Wert darauf, dass unsere Bewohner Hobbys pflegen. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Es gibt bei uns unter anderem Modellbauer sowie Liebhaber von Garten- und Holzarbeit wie auch des Malens", berichtet Stefan Fokuhl, der zum Jubiläum im August auch viele Ehemalige einladen will, die den oft langen und immer auch schweren Weg zurück ins Leben geschafft haben.

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