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Vogelzählung am Schaalsee : Der „Moorochse“ brüllt wieder

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ranger des Biosphärenreservatsamtes führen derzeit Wasservogelzählungen durch. Erstes Ergebnis: Es gibt wieder Rohrdommeln am Schaalsee und mehr Eisvögel.

„Da ist gerade einer weggeflogen“, sagt Torsten Wäder, zeigt auf einen türkis-goldig schillernden Vogel, der pfeilschnell mit hohen Rufen dicht über das Wasser schwirrt.  Gemeint ist  ein Eisvogel, der im Volksmund auch gerne „fliegender  Edelstein“ genannt wird.

Ein fliegender Edelstein  - der Eisvogel.

Ein fliegender Edelstein  - der Eisvogel.

Foto: Ralf Ottmann

„Der Bestand dieser wunderschönen Vögel hat dank vieler Schutzmaßnahmen in den letzten Jahren  wieder zugenommen“, freut sich der 48-Jährige, der seit 1996 Ranger des Biosphärenreservatsamtes  Schaalsee-Elbe ist. Zusammen mit seinem Kollegen Manfred Zücker führt er derzeit noch bis April 2018 regelmäßig Wasservogelzählungen am gesamten östlichen Teil des Schaalsee, dem Boissower-Neuenkirchener See, dem Woezer See sowie am Röggeliner See durch. Dabei arbeiten die beiden Ranger eng mit den Schleswig-Holsteiner Kollegen zusammen.

„Wir haben dieses Jahr erstmals wieder eine Rohrdommel am Schaalsee rufen gehört. Viele Jahre war sie verstummt. 1990 beispielsweise gab es noch 12 Stellen an der der ,Moorochse’, wie der Vogel auch wegen seiner tiefen dumpfen Laute tituliert wird,  zu hören war. Mitunter ist er kilometerweit zu vernehmen und das wirkt ein wenig unheimlich. Die Rohrdommel gehört zur Familie der Reiher, lebt sehr versteckt in einsamen Schilfflächen und kaum jemand bekommt sie mal zu Gesicht“, erklärt Manfred Zücker, der seit 1998 Ranger ist. Wie ein Nebelhorn solle der Ruf klingen, sagt der 61-Jährige. Oft fühle man sich auch an das Pusten über die Öffnung einer  Weinflasche erinnert. Dann berichtet er noch von seltenen Beobachtungen wie Kolbenente und Zwergsäger, die bereits in der Region gesichtet worden seien. Und der deutschlandweiten Kranichzählung. Alle Zahlen würden im Rahmen des Monitoring erfasst. Das sei für das Biosphärenreservatsamts  eine sehr wichtige Angelegenheit.

Die Große Rohrdommel

Die Große Rohrdommel

Foto: Karl-Heinz Hautke
 

Das bestätigt auch der Leiter der Behörde, Klaus Jarmatz, im SVZ-Gespräch. „Seit 1990 führen wir schon dieses Monitoring durch, weil viele Arten in allen Bereichen der Tier- und Pflanzenwelt in breiter Front zurückgehen. Das ist weltweit ein Schlüsselthema, das leider nicht ernst genommen wird. Viele Tiere und Pflanzen verschwinden sang- und klanglos“, so der Behördenleiter. Durch den Klimawandel verändere sich beispielsweise auch das Zugverhalten des Kranichs, der zunehmend in seinen Brutrevieren überwintere, statt gen Süden zu ziehen. „Ebenso erfassen wir Daten nach Normstandards über Biber und  Fischotter. Dieses Material ist wertvoll, um Veränderungen in der Landschaft festzustellen.“ Die Mitarbeiter seien geschult, so dass die statistische Fehlerquote gering sei. „Wir brauchen die Zahlen, um auf  fachlicher Grundlage zu entscheiden. Vogelzählungen  führen wir  seit 27 Jahren durch, auch zu DDR-Zeiten waren ehrenamtliche  Helfer  bei Wind und Wetter an den Flüssen, Seen und Teichen  unermüdlich unterwegs, um Wasservögel zu zählen.“

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