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Tage der zeitgenössischen Kunst : Der mit Bisons um’s Schmiedefeuer tanzt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Aus Stahl, Sandstein und Klump schafft Künstler Thomas Lehnigk aus Kummer in seinem rustikalen Atelier Atemberaubendes, Nachdenkliches und viel Schönes

von
erstellt am 12.Sep.2016 | 15:00 Uhr

Kreativität braucht Platz. Viel Platz. Den hat sich Thomas Lehnigk auf dem Gelände der alten Ziegelei nahe der B 5 bei Kummer geschaffen. Als Bildhauer, Kunstschmied und Japan-Fan. Davon zeugt auch das Grundstück. Fast wie absichtslos teilen sich Pflanzen und Skulpturen den selben Lebensraum. Und doch hat jedes Ding seine Aufgabe.

„Ich will alle Sinne der Menschen anregen, möchte sie zum Nachdenken auffordern. Finde es schön, wenn sie über meine Kunst anfangen, sich selbst zu reflektieren, um Kontakt mit ihrem Ich aufzunehmen. Meine Kunst will aber auch provozieren und schmeicheln zugleich“, erklärt der 49-Jährige bei einem Besuch seines Anwesens. „Ich bin Tom“, hatte er gleich zu Beginn des Gespräches gesagt. Denn der gebürtige Ludwigsluster liebt das Unkomplizierte, heuchlerische Fassade sei ihm ein Gräul, gesteht er und zündet sich eine Zigarette an.


Erstes Material vom Schrottplatz geholt


Mit 27 Jahren habe er sich damals vom Schrottplatz geholt, was seinem Empfinden nach, ein Anrecht auf weiteres Dasein gehabt hätte.

„Mit meinen ersten kaltgeschmiedeten Arbeiten habe ich mich in Schwerin auf den Weihnachtsmarkt gestellt. Der Erfolg hat mich angespornt“, erinnert sich Thomas Lehnigk, der 1998 das freischaffende Leben für sich erwählte. Die späteren Jahre auf unzähligen Kunsthandwerkermärkte seien für ihn wichtig gewesen, berichtet der Kunstschmied heute. „Ich habe viele wertvolle Kontakte geknüpft und bin an sowie mit meiner Kunst gewachsen.“

Während seiner Schulzeit in Ludwigslust besuchte Lehnigk die Malkurse von Architekt Norbert Ernter. Auf Anraten seiner Eltern lernte er erst mal „was Vernünftiges“. Doch weder Nachrichtentechniker noch Werbe-Grafik-Studium vermochten es, in ihm die Unruhe zu stillen. Das Gefühl, noch nicht im richtigen Leben zu stecken, wurde übermächtig.


Höllischen Respekt vor Schmieden gehabt


„Also schmiss ich alles hin, machte einen Schmiedekurs in Mueß und fand meine Berufung“, erinnert sich Thomas Lehnigk. Durch einen Freund habe er in Kummer die Möglichkeit erhalten, sich mit dem Werkstoff Stahl auseinander zu setzen. „Bei ihm durfte ich mich so richtig in die Geheimnisse des Schmiedens reinknien. Ich hatte lange einen höllischem Respekt davor, den Stahl lebendig zu machen. Wenn er rotglühend von mir auf dem Amboss in Form gebracht wird, tauche ich gleichzeitig ein, in eine sehr alte Zeit. Ohne Stress, mit innerem Staunen. Die Magie der Flammen versetzt mich fast in einen tranceähnlichen Zustand.“

Doch nicht nur der Stahl setzt Thomas Lehnigk in Entzücken. Auch Raseneisenstein, ein erdgeschichtlich gewachsenes, poröses Gestein, weiß der Bildhauer mit neuem Leben auszustatten. Seine Bisons mit den goldenen Hörnern sind nicht nur eine Hommage an den nordamerikanischen Büffel, der einst fast gänzlich ausgerottet, heute in den USA wieder zunehmend heimisch wird. Sondern auch eine Verbeugung vor der Stärke, der Tapferkeit und des Familiensinns dieses bei den Indianern immer noch als heiligem Tier verehrten Kolosses, der seit jeher aber auch bei den Ureinwohnern der USA als sanftmütiger Riese gilt.

Dass Thomas Lehnigk Dozent an der Volkshochschule ist, Schmiedekurse in der Tessiner Suchtklinik gibt und bereits einige beachtenswerte Ausstellungen bestückt hat, erwähnt er nur am Rande. Sich in den Vordergrund drängeln, ist sowieso nicht sein Ding. „Ich lasse lieber meine Skulpturen und Werke für mich sprechen. Und das klappt mittlerweile schon ganz gut.“ Grinst, und klopft prüfend auf den Stahl, den er schmiedete.

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