Hagenow : Der Lotse um die Ecke

Die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis wird immens steigen. Doch nicht alle müssen gleich ins Heim. Pflegelotsen in den Gemeinden sollen ihnen und Angehörigen helfen.
Die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis wird immens steigen. Doch nicht alle müssen gleich ins Heim. Pflegelotsen in den Gemeinden sollen ihnen und Angehörigen helfen.

Beim Thema Pflege gibt es Hemmschwellen. Ehrenamtliche im Ort sollen sie abbauen und Hilfen zeigen.

von
18. September 2015, 07:50 Uhr

Wer hilft, wenn die Mutter plötzlich Pflege braucht oder der Vater seinen Haushalt nicht mehr alleine schafft? Weil es im Landkreis Ludwigslust-Parchim immer mehr ältere Menschen geben wird, versuchen ehrenamtliche Pflegelotsen in den Gemeinden, Betroffene oder Angehörige an die Hand zu nehmen, Hemmungen abzubauen und mögliche Wege zu zeigen.

Ein gefördertes Projekt, das dem Landkreis sehr wichtig ist. „Wir sehen den Bedarf“, sagt Silvia Reiß, Stabsstellenleiterin der Jugendhilfe- und Sozialplanung. Bis 2030 sollen 36 Prozent mehr 60- bis 74-Jährige und 30 Prozent mehr über 75-Jährige in der Region leben. Deshalb „brauchen wir die Pflegelotsen“, so Silvia Reiß. 33 sind seit Mai 2015 Ansprechpartner in Gemeinden des Kreises. Doch es sollen mehr werden. Vor allem in der Region um Hagenow, Wittenburg und Boizenburg.

Silvia Nierath möchte die Menschen dazu ermutigen, sich zu engagieren. Sie selbst ist Pflegelotsin in Valluhn und erlebt die Not vieler Betroffener, aber auch ihre Dankbarkeit. „Die Angehörigen geraten oft an ihre Grenzen“, sagt die 53-Jährige, auch aus eigener Erfahrung. „Dabei gibt es etliche Hilfen, die viele gar nicht kennen.“ Wie etwa die Tages- oder Verhinderungspflege, die unabhängig vom eigentlichen Pflegegeld bezahlt wird. Und das sei mitunter eine enorme Entlastung.

Die Pflegelotsen sollen aber nur „erste Infos über den Gartenzaun“ geben, sagt Julia Tölke-Beckers, Projektzuständige im Mehrgenerationenhaus Ludwigslust Zebef. Es gehe darum, den Weg zu weisen und Mut zu machen, diese Wege dann auch zu gehen. Beraten und Anträge ausfüllen, tun letztlich die Mitarbeiter der Pflegestützpunkte im Landkreis.

Dass es einfacher ist, mal eben jemanden aus der eigenen Gemeinde auf das sensible Thema Pflege anzusprechen, als sich direkt an eine offizielle Stelle zu wenden, kann Pflegelotsin Silvia Nierath nur bestätigen. Zwei bis drei Mal im Monat vermittelt sie Kontakte. Angesprochen wird sie öfter. „Man kennt sich. Die Leute fragen ungezwungen, manchmal auch ganz nebenbei.“

Darin sieht der Landkreis auch den entscheidenden Vorteil. „Vor allem in der Fläche unseres ländlichen Raumes brauchen wir die Pflegelotsen“, bekräftigt die Zuständige Silvia Reiß nochmal. Deshalb sei der Kreis auch bestrebt, dass aus dem bis Ende 2015 geförderten Projekt ein stetiges Angebot wird. Und Julia Tölke-Beckers vom Zebef findet noch ein Argument für die Lotsen: Sie könnten Pflegebedürftigen die Angst nehmen, gleich ins Heim zu müssen. „Es ist gut, dass Menschen anfangen offener über das Thema zu sprechen.“ Und wenn sie sehen, was es alles für entlastende Angebote gibt, holen sie sich mitunter früher Hilfe. Das wiederum sorge dafür, dass Betroffene solange wie möglich selbstständig bleiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen