Hagenow : Der gute Tropfen von der Mosel

Winzer Paul Schunk, hier in seinem Weinkeller, hat, so wie seine Berufskollegen, eine qualitativ hochwertige Ernte eingebracht. Die Menge allerdings lässt sehr zu wünschen übrig.  Fotos: dihi/Schunk
Winzer Paul Schunk, hier in seinem Weinkeller, hat, so wie seine Berufskollegen, eine qualitativ hochwertige Ernte eingebracht. Die Menge allerdings lässt sehr zu wünschen übrig. Fotos: dihi/Schunk

Winzer aus Bruttig Fankel setzen auf Direktvermarktung in Norddeutschland

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13. November 2017, 08:00 Uhr

Paul Schunk nimmt einen kleinen Schluck aus dem Weinglas. Es ist der Most der neuen Ernte, die da in seinen Fässern und Tanks heranreift. An der Mosel ist die Traubenernte 2017 abgeschlossen. Der 68-jährige Winzer Paul Schunk aus Bruttig-Fankel hat eine 50-jährige Berufserfahrung, sein Weingut gehört mit zu den traditionsreichsten an der Terrassenmosel, einem renommierten Weinanbaugebiet Deutschlands. Von den 13 Weinanbaugebieten in Deutschland ist die Mosel das Fünftgrößte mit rund 8800 Hektar. In Bruttig, einem Ortsteil der Gemeinde Bruttig-Fankel, ist der erfahrene Winzer der Ortsvorsitzende des Weinbauverbandes. Er war lange Jahre im Vorstand des Kreisverbandes Cochem-Zell und Delegierter im Weinbauverband Mosel.

Der Wein von der Mosel ist auch in Norddeutschland bekannt und beliebt. Paul Schunk und seine Winzerkollegen liefern jährlich auch nach Mecklenburg-Vorpommern ihre edlen Tropfen. In Deutschland wird etwa die Hälfte der Weine im Lebensmitteleinzelhandel verkauft. Die andere Hälfte wird im Direktvertrieb von Weingütern sowie in Gastronomie und Fachhandel vermarktet.

Die Moselregion ist das bekannteste deutsche Weinreiseziel und wird jährlich von mehr als 2,3 Millionen Übernachtungsgästen sowie vielen Millionen Tagesgästen besucht. Mehrere Hunderttausend Touristen aus den Niederlanden, Belgien, Skandinavien und anderen Ländern machen jährlich Urlaub an der Mosel, heißt es vom Moselwein e.V. aus Trier.

In diesem Jahr gab es für die Winzer dort eine extrem frühe Weinlese. „Ich habe in meinen Kellerbüchern nachgeschaut. Im Jahr 1976 brachte ich einen Jahrhundertjahrgang ein. Beim Riesling wurde da am 6. Oktober mit der Ernte begonnen. In diesem Jahr begann die Lese am 29. September. Wir waren mit dem Riesling am 6. Oktober fertig. Eine Woche früher als im Jahr 1976. Das ist für mich ein Zeichen, dass es immer wärmer wird. Wir sehen es ganz deutlich im Weinbau, dass sich die Vegetationsperiode vom Austrieb der Rebe bis zur Ernte verändert hat. Wenn der Austrieb eine Woche früher ist als vor 40 Jahren zeigt das die Klimaveränderung“, macht der Winzer deutlich. Paul Schunk bewirtschaftet drei Hektar Weinberge. Er vermarktet seine Weine ausschließlich  selbst, verkauft an die Endverbraucher, wie es viele seiner Berufskollegen machen. Zehn Prozent seiner Produktion geht an die heimische Gastronomie. Damit hat er nach eigenen Worten ein Auskommen als Winzer.

Viele Weinkenner holen sich ihre edlen Tropfen gleich beim Winzer ab und verbinden das mit einem Besuch an der Mosel, um auch die Landschaft zu genießen. Außerdem wird für die Winzer der Paketversand immer interessanter, die Selbstauslieferung geht tendenziell zurück. „Ich liefere in viele Teile Deutschlands selbst aus, das ist aber zeit- und kostenintensiv. Ich fahre sogar bis nach Hamburg“, so Schunk.  Die Qualität der Ernte ist gut. Insbesondere die mittleren Lagen bringen voraussichtlich eine sehr gute Qualität, heißt es aus Winzerkreisen. „Allerdings war die Menge extrem schwach. Für mich ist es die kleinste Ernte, die ich in meinem Berufsleben eingebracht habe“, schätzt der Winzer ein. Er ist sich aber sicher, dass der Jahrgang 2017 vollmundige Weine hervorbringen wird, die viele Mineralstoffe enthalten.

„Ich denke, dass der 2017er Wein sehr gehaltvoll wird“, so Schunk, der selbst zu 85 Prozent die Weinsorte Riesling anbaut. Seine Rebflächen befinden sich zu gut einem Drittel in Steillagen, das sind meist Terassensteillagen mit über 45 Prozent Hangneigung und ohne Wegeerschließung. Diese Weinberge bringen durch ihre optimale Ausrichtung zur Sonne und dem Schiefergestein allerbeste Weine.  Er beschäftigt zwei Mitarbeiter, die bei ihm angestellt sind, in der Ernte kommen Saisonkräfte hinzu.

„Der Wein entwickelt sich jetzt im Fass und im Tank. Ich arbeite noch mit den traditionelle Holzfässer und baue die besten Weine  ausschließlich in den Holzfässern aus. Ich lasse die Moste spontan vergären,  das heißt ohne Zusatz von Reinzuchthefen, nur mit den kellereigenen Hefen. Damit bin ich wieder einen Schritt zurück gegangen, wie vor 20 Jahren. Das gibt dem Wein einen individuellen Stil. Der Weinkenner kann sich also auf einen guten Jahrgang freuen“, sagt der Winzer. Allerdings wird es  wahrscheinlich zu einer leichten Preisanhebung kommen. Abgefüllt wird der edle Rebensaft der diesjährigen Ernte im Weingut von Paul Schunk erst Ende April 2018.

Die Winzer in der Mosel-Region sind sich darin einig, dass die Anbaufläche nicht weiter  zurück gehen darf. Die Weinberge müssen vielmehr als  Kulturlandschaft erhalten bleiben, damit auch zukünftig die Touristen zur Zeit der Weinlese an die Mosel fahren, um sich an den Weinen und den herrlichen Landschaften zu erfreuen.

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