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Bundeswehr in Hagenow : Der ganz normale Alltag im Bataillon

vom

Der Tag beim mit Abstand größten Arbeitgeber der Region, der Bundeswehr, beginnt früh. Für die Rekruten sehr früh. Um 5.30 Uhr ist für sie die Nacht vorbei. Allerdings ohne Pfeife und Gebrüll, es wird zivil geweckt.

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2013 | 10:38 Uhr

Hagenow | Der Tag beim mit Abstand größten Arbeitgeber der Region, der Bundeswehr, beginnt früh. Für die Rekruten sogar sehr früh. Um 5.30 Uhr ist für sie die Nacht vorbei. Allerdings ohne Trillerpfeife und Gebrüll, es wird zivil geweckt. Meist sind die jungen Leute schon eher wach, um 6 Uhr ist schließlich schon Frühstück angesagt.

Die Masse der Soldaten kommt später zum Dienst. Denn nur die wenigsten wohnen um die Ecke, viele kommen von weit her. Pünktlich um 7 Uhr müssen trotzdem alle da sein, in Uniform. Eine Anwesenheitskontrolle gibt es auch. An diesem Tag hat das Bataillon eine Stärke von 522 Mann. Nominal sind es 776, doch viele haben noch Urlaub, andere sind krank, auf Lehrgang, haben andere Dienstaufträge....

Wachschießen steht heute auf dem Programm der Rekruten. Damit soll niemand geweckt werden, vielmehr sollen die Soldaten für den künftigen Wachdienst vorbereitet werden. Feldwebel Jenny Böhnemann lässt trotz ihrer kleinen Statur mit lauten Kommandos keinen Zweifel daran, wer hier auf dem Schießplatz das Sagen hat. Einzeln rücken die Rekruten mit ihren G-36-Gewehren vor, dann klappen die Scheiben hoch. Kurzer Anschlag, ein Schuss, vielleicht ein zweiter. Später werden die Übungen anspruchsvoller. Dazu wird der Anruf trainiert, schließlich soll ein Zwischenfall auf der Wache simuliert werden. Denn Hagenows Kaserne wird immer noch militärisch bewacht und nicht von einem zivilen Dienst. Entsprechend streng geht es zu. Auch für Besucher, die angemeldet sind. Ausweis abgeben, Besuchsziel nennen, Ansprechpartner ansagen. Dafür gibt es beim Wegfahren auch eine zackige Grußerweisung. Auch als Zivilist fühlt man sich da ein wenig geehrt.

Doch bis die Neuen, die alle freiwillig bei der Bundeswehr sind, mal an der Wache stehen, wird es noch dauern. Vor dem Gelöbnis geht sowieso nichts. Viele, die in Hagenow das Soldatenhandwerk aus der Sicht eines Grenadiers kennen lernen, werden ihren Dienst anderswo leisten. Hagenow wird ihnen trotzdem in Erinnerung bleiben, denn die Ausbilder haben Erfahrung bei der Grundausbildung. Freundlich, bestimmt aber auch fordernd geht es zu. Auch wenn es keinen Frühsport für die Rekruten gibt, so wird doch sehr regelmäßig Sport betrieben. Oft auch nach Feierabend, meist wird gelaufen. Die große Runde auf dem weitläufigen Kasernengelände misst mehr als sieben Kilometer. Anders als zu früheren Zeiten sind alle Dienstgrade verpflichtet Sport zu treiben, regelmäßig und nachprüfbar. Oberleutnant Gerrit Schütt, als Personaloffizier auch für die Öffentlichkeitsarbeit im Bataillon zuständig, gehört zu den regelmäßigen Joggern. Sport ist auch Dienst.

Während in Richtung Helm Schüsse peitschen, geht es wenige Hundert Meter entfernt in einer umgebauten und völlig abgedunkelten Garage deutlich ruhiger zu. "Methodik der Sandkastenausbildung steht da", und wirklich sitzen erwachsene Männer mit ernsten Gesichtern rund um einen liebevoll aufgebauten Sandkasten. Auf dem ist eine taktische Lage aufgebaut, mit Stellungen, Fahrzeugen und Wegen. Ein Spiel ist das weder für die Vortragenden noch für die mehr als 30 Zuhörer im dunklen Hintergrund. Denn diese Fähigkeiten werden gebraucht im Feld. Auch in Afghanistan sind vor vielen Einsätzen immer wieder taktische Situationen mit Modellen nachgestellt worden. Wer weiß, wo er hinzulaufen hat und wo die anderen sich befinden, der lebt länger. Der Sandkasten im improvisierten Garagen-Hörsaal ist besonders schön geraten, er wurde an einem halben Tag erbaut.

Nachbereitung ist ein Wort bei der Bundeswehr mit sehr umfassender Bedeutung. Für einige Grenadiere bedeutet das an diesem Tag, die Schützenpanzer zu waschen. Das passiert in einer neuen Anlage, die gerade erst fertig gestellt wurde. Harte Arbeit am Druckschlauch bleibt das trotzdem, das Bürsten- und Trocknungsprogramm für die Marder ist noch nicht erfunden. Dafür wird das Waschwasser jetzt besser aufgefangen.

Instandsetzungseinheiten hier, das große Sanitätszentrum dort, dazu der Stab, die Sporthalle, das Treiben in der Hagenower Kaserne ist noch viel bunter. Nur am späten Nachmittag, da ist dann zum Feierabend auch schnell Ruhe auf dem Gelände, bis auf die, die bleiben müssen. Und die Wache, die Stellung rund um die Uhr hält.

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