Toddin : Der Elefant in der Achterbahn

Jens Kruszona (l.) und Hans-Georg Frericks halten auch weiterhin zusammen und wollen gemeinsam an der Zukunft für den Schmitz Cargobull - Standort Toddin arbeiten.
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Jens Kruszona (l.) und Hans-Georg Frericks halten auch weiterhin zusammen und wollen gemeinsam an der Zukunft für den Schmitz Cargobull - Standort Toddin arbeiten.

Jens Kruszona und Hans-Georg Frericks im Gespräch über die vergangenen, turbulenten Monate bei Schmitz Cargobull in Toddin

svz.de von
04. Januar 2018, 20:45 Uhr

Nun haben die beiden wieder Grund zum Lachen. Ihren Humor und Optimismus hatten sie ohnehin versucht zu behalten, auch wenn es in den vergangenen Monaten turbulent zuging bei Schmitz Cargobull in Toddin. Jens Kruszona, Vorsitzender des Betriebsrates, und Hans-Georg Frericks von der IG-Metall sind sich einig: „Hier hat etwas Historisches stattgefunden. Ein einmaliges Ereignis für Mecklenburg-Vorpommern.“ Gemeint ist damit der „Kampf“ der beiden Männer und der gesamten Belegschaft für den Erhalt des Unternehmensstandortes. Im Gespräch mit SVZ-Redakteur Robert Lehmann blickten sie noch einmal zurück und sprachen über Schließungsabsichten und Zukunftspläne.

Welches Motto würden Sie dem Jahr 2017 geben?

Hans-Georg Frericks: „Wer kämpft, kann gewinnen!“

Jens Kruszona: „Und wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Dabei war zu Beginn des vergangenen Jahres noch nicht klar, dass Sie kämpfen müssen...

Jens Kruszona: „Nein, das Jahr hatte eigentlich ganz gut angefangen, zudem hatten wir drei erfolgreiche Jahre hinter uns.“

Hans-Georg Frericks: „Dann wurde auch auf einer Betriebsversammlung im März gesagt, dass alles im grünen Bereich ist und ein Drei-Jahresplan vorgestellt.“

Jens Kruszona: „Im Vorfeld hatten wir uns zwar Sorgen gemacht, weil die Bestellungen zurückgingen, durch den Plan wurden wir aber beruhigt.“

Wann gab es die ersten Anzeichen, dass es doch Schwierigkeiten geben könnte?

Jens Kruszona: „Das war Ende April/ Anfang Mai, als das Unternehmen geprüft hat, ob unser Produkt auch woanders gebaut werden kann. Außerdem gab es Signale von außen. Am 10. Mai habe ich dann einen Anruf bekommen, dass unser Standort geschlossen werden soll. Daraufhin habe ich am 11. Mai die Mannschaft über die Pläne informiert. Und schon am 12. Mai kam der Vorstand mit der Aussage, dass der Standort zum 1. September 2018 geschlossen wird.“

Wie haben Sie und das Team darauf reagiert?

Hans-Georg Frericks: „Es herrschte absolute Fassungslosigkeit. Es war auch schwierig für uns beide, man hat ja nicht geübt, wie man auf so eine Sache reagiert. Aber uns war gleich klar, dass wir kämpfen werden.“

Herr Kruszona, die schlechtesten Chancen, die Sie dem Standort in der ganzen Zeit eingeräumt haben, waren 50 zu 50. Woher kam Ihr Optimismus?

„Das stimmt, zuerst 50 zu 50, dann 60 zu 40 und immer so weiter. Für mich war die entscheidende Sache: Schmitz Cargobull hat noch nie eine richtige Gegenwehr erlebt. Und wir hatten zwei wichtige Ereignisse vor der Brust. Zum einen die Aufsichtsratssitzung im Juni, und zum anderen das 125. Firmenjubiläum im September. Da hatte man wohl Angst, dass die heile Schmitzwelt vorher zusammenbricht.“

Und wann war Ihnen (Hans-Georg Frericks) klar, dass hier das letzte Wort nicht gesprochen ist?

„Das war mir gleich klar, denn der gesamte Konzern war der Auffassung, dass die IG Metall nicht streiken kann.“

Gestreikt wurde dann tatsächlich im Sommer. Wie war zu diesem Zeitpunkt die Stimmung?

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