Neuhaus : Der Deichhauptmann tritt ab

Hans Ebeling während einer Deichschau im vergangenen Jahr.
Hans Ebeling während einer Deichschau im vergangenen Jahr.

Nach 17 Jahren als Vorstandsvorsitzender des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbandes trat Hans Ebeling nicht mehr zur Wahl an

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29. April 2015, 13:48 Uhr

„Jetzt bin ich dann richtig im Ruhestand. Am Tisch sitzen und klug reden kann ich noch“, so Hans Ebeling augenzwinkernd, „aber viel gehen und laufen nicht mehr so gut und wenn man nicht mehr so kann, muss man einsehen, dass es genug ist.“ Der seit ein paar Tagen „ehemalige“ Deichhauptmann sitzt vergnügt zu Hause und lässt im Gespräch mit SVZ seine Zeit als Vorstandsvorsitzender des Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverbandes Revue passieren.

Als der Neuhauser Deichverband 1998 gegründet wurde, wurde er zum Vorstandsvorsitzenden gewählt, war also von Anbeginn dabei. Es habe gut gepasst, denn im gleichen Jahr habe er als Geschäftsführer der Agrarproduktion Zeetze aufgehört. Das war vor knapp 17 Jahren. Im Jahr 2004 kam dann noch der Unterhaltungsverband für die Gewässer zum Deichverband dazu. An insgesamt 66 Deichschauen und 44 Gewässerschauen habe er im Laufe der Zeit teilgenommen, so Hans Ebeling.

Das gehörte zum „normalen“ Geschäft. Aber während dieser Zeit fünf Hochwasserereignisse (2002, 2003, 2006, 2011 und 2013)erlebt und bekämpft zu haben war sicher sehr ungewöhnlich. Im August 2002 wälzten sich die Fluten zum ersten „Jahrhunderthochwasser“ die Elbe hinunter. „Da waren die Deiche im Amt Neuhaus noch nicht saniert und 2002 hatten wir sicher die gefährlichsten Situationen“, erinnert sich Hans Ebeling. Alles wurde getan, die Deiche zu halten und es gelang. Nur einer war nicht zufrieden: der damalige Bürgermeister Rudi Weinmann forderte den Vorstandsvorsitzenden zum Rücktritt auf, was allerdings bei Behörden, Bürgern und Fachleuten gleichermaßen auf Empörung stieß.

Fast noch gefährlicher war das Winterhochwasser Anfang 2003, das allerdings von den Medien kaum beachtet wurde und bei dem auch kein Katastrophenalarm ausgelöst worden war. Ein Gutes hatte die Jahrhunderflut im Sommer 2002. Das Geld für den Neubau der Deiche floss nun üppiger und schneller. Der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen und jetzige Bundeswirtschaftsminister, Sigmar Gabriel, stand bei Neu Garge auf dem Deich und machte sich persönlich ein Bild. Danach konnten für einigen Jahre sieben bis acht Millionen Euro verbaut werden und es ging flott voran. Drei- bis viermal sei er in diesen Zeiten sicher pro Woche auf den Baustellen unterwegs gewesen“, so Ebeling. Für die Elbdeiche sind 65 Millionen Euro und für die Rückstaudeiche bisher 13,8 Millionen Euro verbaut worden.

Was der inzwischen 82-Jährigen sehr bedauert, ist, dass während seiner Zeit nicht alle Vorhaben zu Ende geführt werden konnten. Nach den Planungen hätte auch an den Rückstaudeichen im Jahr 2013 alles fertig sein können, aber dann kam in Preten der Naturschutz dazwischen.

Man kann Hans Ebeling zum Hochwasserschutz fragen, was man will, er hat alle Zahlen im Kopf. Er wurde nicht müde, bei allen sich bietenden Möglichkeiten auf die Gefahr der Verbuschung im Elbvorland zu verweisen und kann nicht verstehen, dass auch hier den Belangen des Naturschutzes so viel Raum gegeben wird.

„Ich habe an dieser Aufgabe aber viel Freude gehabt und mich gefreut, wenn alles geklappt hat. Wir haben mit allen Beteiligten gut zusammen gearbeitet und ja auch was geschafft.“ Während der letzten Vorstandsversammlung ist Hans Ebeling zum Ehrenvorsitzenden gewählt worden, was ihn freut. Wenn dann eine Einladung zur Deichschau kommt, macht er vielleicht mit, aber lässt sich fahren.

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